TPM024 - Wahl des Betriebssystems
Ep. 24

TPM024 - Wahl des Betriebssystems

Episode description

TPM024 - Wahl des Betriebssystems

Jeder Computer benötigt es: ein Betriebssystem. Doch nicht nur bei neuen Geräten besteht die Qual der Wahl. Auch ältere Notebooks können entweder mit zeitgenössischen Betriebssystemen oder aktuellen Linux-Distributionen und spannenden Nischenbetriebssystemen verwendet werden. Bei Linux entscheidet vor allem die Auswahl des Desktops und der Anwendungsprogramme über die Schwuppdizität.

Lenovo übernimmt den BIOS-Hersteller Phoenix Technologies und mit der Ploopy Bean taucht eine besondere Maus mit integriertem TrackPoint auf.

Shownotes

News

DOS-Ära

IBM OS/2

NT-Ära

Linux-Anwendungen und -Desktops

Linux-Distributionen

Nischenbetriebssysteme

Bilderquellen

Download transcript (.srt)
0:20

Christian: Hallo und herzlich willkommen zur 24.

0:23

Christian: Episode des Thinkpad Museum Podcasts aufgenommen am 7. Juni 2026. Die heutige Episode dreht sich

0:31

Christian: ganz um das, was alle Computer benötigen, ein passendes Betriebssystem. Beim Retro-Computing

0:37

Christian: reden wir hier häufig von zeitgenössischen Betriebssystemen wie z.B. MS-DOS oder führen

0:42

Christian: Windows-Versionen z.B. 3.1, 95 oder XP. Die knappe Verfügbarkeit von RAM-Modulen und SSDs hat aber

0:49

Christian: Nicht nur ein Einfluss auf neue Rechner, auch das Retro-Computing-Hobby leidet massiv darunter.

0:54

Christian: So sind Gebrauchtgeräte in Summe teurer geworden und die Geräte werden auch generell länger benutzt,

0:59

Christian: was ja prinzipiell eigentlich eine begrüßenswerte Einstellung ist.

1:03

Christian: Und auch alten Geräten kann man mit der richtigen Software neues Leben einhauchen

1:07

Christian: und genau darum soll es heute gehen.

1:09

Christian: Doch bevor wir uns da jetzt gleich reinstürzen, werfen wir nochmal einen Blick auf die News.

1:19

Christian: Da gibt es zum einen ein Follow-Up zu den News der letzten Episode, denn die Preise

1:24

Christian: verschiedener L- und P-Modelle sind nun bekannt.

1:27

Christian: Da werfen wir mal einen kurzen Blick drauf.

1:30

Christian: Generell sind die Grundfigurationen in aller Regel mit 16 GB RAM, das L-Modell sogar nur

1:36

Christian: mit 8 GB und die meisten Geräte haben eine 512 GB große SSD, manche Modelle aber auch

1:41

Christian: nur eine 256 GB große SSD und das ist natürlich der geopolitisch-ökonomischen Situation geschuldet

1:48

Christian: und ich habe schon lange keine Grundconfig mehr mit so einer kleinen SSD gesehen, aber

1:53

Christian: nun, man muss etwas kreativ werden, wenn die Preise gedrückt werden sollen. Fangen wir

1:56

Christian: mal mit dem P14s G7 in der AMD Fassung mit LPCAM 2 an. Das startet bei 2069 Euro, dafür

2:04

Christian: bekommt ihr einen Ryzen 5 16GB RAM, besagte kleine 256er SSD und ein 1200p Display.

2:13

Christian: Die Intel Version, das P14s G7 ist ein bisschen teurer, da müsst ihr mit 2500 Euro aufwärts

2:19

Christian: rechnen, bekommt aber dafür einen Ultra 7. Der Rest der Konfiguration ist ähnlich,

2:24

Christian: die SSD ist 512GB groß und es gibt eine RTX Pro 1000 GPU.

2:29

Christian: Beim P16s G5 gibt es in der AMD-Fassung eine Konfiguration, die bei 1.959 Euro beginnt. Auch

2:37

Christian: hier gibt es den Ryzen 5 16GB LPCAM2 RAM, 512GB SSD und das besagte 1200p Display.

2:46

Christian: Auch hier ist die Intel Version ein kleines bisschen teurer, die liegt nämlich bei 2129

2:52

Christian: Euro. Hier gibt es den Intel Ultra 7 und der Rest der Konfiguration ist ähnlich. Ist aber

2:58

Christian: auch kein Problem, die Maximalkonfiguration abzugraden. Ich habe mal geguckt, wenn man

3:03

Christian: wirklich alles anwählt, größte SSD, größtes Display und so weiter, dann landet man bei

3:08

Christian: beiden Modellen, egal ob Intel oder AMD, bei ca. 6.500 Euro. Da spielt aber auch der RAM

3:15

Christian: mit rein. Also allein die 96 GB LPCAM 2 RAM liegt so bei, ich glaube, 1.300, 1.500 Euro

3:22

Christian: in dem Dreh rum. Also allein der RAM schlägt dann schon ordentlich zu Buche, wenn man dann

3:27

Christian: eine dickere GPU haben will, dann kostet das natürlich auch nochmal extra.

3:31

Christian: Auch die L-Serie wird etwas teurer. Das L16G3 in der AMD-Fassung kostet mindestens 1419 Euro.

3:38

Christian: Hier gibt's auch wieder den Ryzen 5, 16GB, 256GB SSD und das gleiche 1200P-Panel. Die Preise der

3:47

Christian: Intel-Fassung konnte ich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht rausfinden.

3:50

Christian: Und beim L14 G6 in der AMD-Fassung beginnen die Preise bei 1194 Euro. Ähnliche Konfiguration, allerdings gibt es auch hier eine Variante mit nur 8 GB DDR5 RAM, die kommt dann mit einer 512er SSD, aber 8 GB RAM finde ich ein bisschen arg wenig, wenn man da mit einem aktuellen Betriebssystem arbeiten möchte. Die wesentlich sinnvollere Konfiguration mit 16 GB Arbeitsspeicher, die liegt bei 1434 Euro.

4:19

Christian: Dann gibt es noch ein paar Details zum T14 Gen 7, da haben wir ja auch in der letzten Episode drüber gesprochen. Die KollegInnen von NotebookCheck haben nämlich einen ersten Testbericht der Intel-Version veröffentlicht und da schneidet das Gerät mit knapp 89% sehr gut ab. Es wird für die hohe Reparierbarkeit und die Vielzahl der Anschlüsse gelobt. Es wird auch betont, das Gerät sei kühl und leise und auch Lautsprecher und die Akkulaufzeit wurden verbessert.

4:45

Christian: Die Intel Version ist jetzt merklich effizienter als die AMD Version.

4:49

Christian: Getestet wurde das Modell mit einem 60 Wh Akku und der schafft es im WLAN Test bei 150 Candela auf ca. 18 Stunden Akkulaufzeit und das ist natürlich beachtlich.

5:00

Christian: Bei voller Helligkeit sind immerhin noch ganze 10 Stunden drin und das ist deutlich über dem, was ich jetzt hier bei meinem etwas älteren Gerät habe.

5:07

Christian: Das klingt auf jeden Fall nach einem guten Upgrade.

5:09

Christian: Das bedeutet aber auch, wenn man den optionalen 75 Wh Akku verbaut, die Option gibt es ja beim Bestellen, dürften diese Werte nochmal etwas besser sein und ein paar Stunden mehr Akkulaufleistung drin sein.

5:21

Christian: Natürlich muss es aber auch Nachteile geben, denn die Leistung ist nicht besser als beim vorherigen Modell und es wurde auch angemeckert, dass die SSD unter Last gedrosselt wird.

5:30

Christian: Ferner ist das Standard-Display, das besagte 1200p IPS-Panel, nicht sonderlich gut.

5:36

Christian: Es hat eine schlechte Farbraumabdeckung, die liegt nämlich nur bei 45% und auch die Helligkeit ist mit 400 Candela überschaubar.

5:44

Christian: Deutlich besser und auch etwas heller ist das Low-Power-Display, das hat ebenfalls 1200p und ist ein IPS-Panel, hat aber 500 Candela, kommt jetzt aber in der Generation mit Touch daher.

5:55

Christian: Wenn man das nicht möchte, könnte man sich an diesem Feature vielleicht stören.

5:58

Christian: Und dann haben sich die Kolleginnen nochmal das T14 Gen 6 und 7 im Fotovergleich angeschaut und haben die vielen kleineren Designunterschiede mal in Fotoform festgehalten. Das habe ich euch in den Shownotes verlinkt, liebe Zuhörender. Da sieht man zum Beispiel, dass das Displayscharnier breiter ist und die Displayränder deutlich schmaler sind, teilweise ein Millimeter Unterschied. Das macht dann doch viel aus bei so einem kleinen Gerät.

6:21

Christian: Was ein bisschen ungewohnt aussieht, ist die Tatsache, dass die Ecken an den Display-Rändern nun abgerundet sind.

6:27

Christian: Das kenne ich persönlich eher so aus dem Consumer-Bereich und weiß noch gar nicht so richtig, wie ich das finden soll.

6:33

Christian: Ich finde, das sieht sehr ungewohnt aus, zumindest auf den Bildern.

6:36

Christian: In echt habe ich ein solches Gerät allerdings noch nicht gesehen, von daher will ich jetzt mal nicht zu schnell urteilen.

6:41

Christian: Die Basiseinheit ist ca. 1 mm dicker und angemerkt wurde auch die gewöhnungsbedürftige Tastaturschrift, die nun zentriert ist.

6:51

Christian: Das hatten wir ja auch schon in der letzten Episode einmal kurz vermerkt.

6:55

Christian: Dann haben mich einige von euch letzten Monat auf eine recht interessante Maus aufmerksam gemacht, die Plupi Bean.

7:02

Christian: Wem Plupi nicht sagt, das ist ein kanadischer Hersteller von Eingabegeräten, vor allen Dingen Trackballs und Mäusen.

7:09

Christian: Das meiste davon ist auch Open Source, das heißt es gibt Druckvorlagen für Ersatzteile, für Gehäuse und in aller Regel lassen sich viele der verkauften Eingabegeräte auch mit quäloffener Firmware benutzen.

7:20

Christian: Und das neueste Produkt von Plupi ist die Bean, eine Maus mit einem 3D-gedruckten Gehäuse.

7:25

Christian: Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum sprechen wir hier über Mäuse? Das ist doch das ThinkPad-Museum.

7:29

Christian: Nun, die Maus hat einen Checkpoint und somit hat sie sich hier eine News in dieser Episode verdient.

7:34

Christian: Sieht recht interessant aus, könnt ihr auch mal einen Blick in die Shownotes werfen.

7:38

Christian: Die Maus hat einen TMGA5273-Magnetsensor mit einer Abtastrate von 1000 Hz oder höher.

7:46

Christian: Verbaut sind auch vier Omron D2 L221-Switches, die auf der Produktseite als knackig und präzise beschrieben wurden.

7:54

Christian: Und betont wird hier auch nochmal, dass die Maus mit der quelloffenen QMK- oder VIA-Firmware betrieben werden kann.

8:01

Christian: Der Preis liegt bei 69 kanadischen Dollar, das sind umgerechnet so 44 Euro, aber da muss man natürlich noch Versand und Zoll drauf rechnen.

8:10

Christian: Ich finde die Idee witzig und auch cool, aber ich frage mich so ein bisschen, wie ergonomisch und nützlich das Ganze eigentlich sein soll. Denn der Witz des Trackpoints liegt ja darin begründet, dass er genau da liegt, wo ohnehin schon die Hände zum Tippen liegen, nämlich auf der Tastatur. Deswegen liegt der Trackpoint ja zwischen den GH- und B-Tasten.

8:27

Christian: Das heißt also, mit dieser Maus nimmt man die Hand von der Tastatur, um diese Maus anzufassen, die man ja aber dann auch nicht bewegen kann bzw. bewegen muss, weil sie ja einen Checkpoint hat. Das ist jetzt zumindest meine Interpretation der Maus, vielleicht übersehe ich da aber auch irgendetwas, da bin ich natürlich für Hinweise dankbar.

8:45

Christian: Generell würde mich auch interessieren, liebe Zuhörer, was ihr darüber denkt.

8:48

Christian: Ist das eher ein nettes Gimmick oder ist das was, das ihr euch für den Alltag auch vorstellen könnt?

8:53

Christian: Der Christoph vom Kern- und Kernobst-Podcast, die hießen früher das Triumvirat,

8:57

Christian: die waren ja auch schon mal zu Gast, als wir über PDAs gesprochen haben,

9:00

Christian: der hat sich natürlich einen solchen gleich bestellt.

9:02

Christian: Der Christoph sammelt nämlich Trackballs und generell alles, was Plupi so baut.

9:06

Christian: Und der scheint ganz angetan davon zu sein.

9:08

Christian: Ich habe euch in den Shownotes mal Mastodon-Post mit Fotos und einem Video verlinkt.

9:13

Christian: Könnt ihr mal reinschauen und euch selbst einen Eindruck davon machen.

9:15

Christian: Und last but not least noch eine News, die mich ein bisschen überrascht hat in der letzten Zeit, denn Lenovo übernimmt den BIOS-Hersteller Phoenix Technologies. Zumindest hat Lenovo die vollständige Übernahme des Firmware-Entwicklers bekannt gegeben und Phoenix ist einer der drei wichtigsten Firmware-Hersteller im PC-Markt, muss man festhalten.

9:33

Christian: Das bedeutet vor allen Dingen, dass geistiger Eigentum dürfte für Lenovo von hohem Wert gewesen sein. Lenovo selbst beschreibt die Akquisition als strategischen Schritt nach vorn, man will damit das eigene Portfolio stärken. Und zwischen den beiden Firmen, also zwischen Lenovo und Phoenix, besteht schon seit über 20 Jahren eine Partnerschaft. Man hat also schon zusammengearbeitet und Firmware für die eigenen Geräte entwickeln lassen und dürfte somit ganz gut ins Portfolio passen.

9:58

Christian: Zum finanziellen Volumen des Deals gibt es keine Details, liegt auch unter anderem vermutlich daran, dass Phoenix Technologies kein an der Börse notiertes Unternehmen war und deswegen stillschweigend darüber gewahrt wird.

10:11

Christian: Zu Phoenix selbst sei noch gesagt, die Firma wurde 1979 in den USA gegründet. Spuren wir mal so ein bisschen zurück, was ist damals so passiert?

10:19

Christian: Naja, die haben damals ursprünglich das 86-DOS-Betriebssystem entwickelt, das dann auch später die Basis für MS-DOS bildete. Und als 1983 der IBM-PC erschien, entwickelte Phoenix ein vollständiges, kompatibles BIOS per Reverse-Engineering.

10:34

Christian: Denn IBM hatte ja kein großes Interesse daran, sich in die Karten schauen zu lassen und wollte eigentlich lieber das eigene Produkt weiterentwickeln und die Konkurrenz nicht unbedingt mit Ideen beliefern. Das haben wir also Phoenix zu verdanken, dass der PC-Markt sich so entwickelt hat, wie er sich entwickelt hat. Und 1998 wurde Phoenix Technologies bereits von dem BIOS-Hersteller Award übernommen. Und somit dann jetzt die nächste Evolutionsstufe, das Ganze bei Lenovo.

11:00

Christian: Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich das finden soll. Es ist natürlich eine Konsolidierung des Marktes. Es passt gut ins Portfolio und Lenovo ist bisher nicht bekannt dafür gewesen, Dinge einzustampfen, die sie übernommen haben. Also ich hoffe doch, dass es auch in Zukunft weitere BIOS-Firmware-Versionen von Phoenix oder jetzt eben Lenovo geben wird. Schauen wir mal, was sich daran so tut. Kann es noch nicht so ganz einschätzen.

11:27

Christian: Und damit kommen wir zum Thema der heutigen Episode, die Wahl des Betriebssystems. Das ist so die erste Frage, die ich mir immer stelle, wenn man mir einen alten oder neuen Computer auf den Tisch stellt und vielleicht geht es euch ja ähnlich, liebe Zuhörer.

11:39

Christian: Man muss zunächst mal klären, wie will ich das Gerät generell benutzen? Soll das ein Gerät sein, das ich rein für Retro-Zwecke verwende oder vielleicht auch mit aktueller Software? Also viele der Geräte in meiner Sammlung werden mit zeitgenössischen Betriebssystemen betrieben, also das, was auch auf der Gehäuseunterseite in Form eines Lizenzstickers angebracht wurde, versuche ich dann eben auch zu installieren.

11:59

Christian: Wenn die Geräte jetzt nicht gerade 20 Jahre alt sind, experimentiere ich da aber auch gern mal mit aktueller Software drauf, denn dann kann man so ein Gerät eben auch sicher mit dem Internet verbinden. Das sollten wir hier nochmal in aller Deutlichkeit festhalten. Alte Software sollte nicht ins Internet. Also für Offline-Liebeleien ist das durchaus eine valide Wahl.

12:17

Christian: Wenn man nochmal eine alte Software, ein altes Betriebssystem und das alte Lieblingsvideospiel in authentischer Darreichungsform genießen möchte, dann ist das fein.

12:26

Christian: Aber bitte nicht auf einem Windows 95 Rechner mit dem Internet Explorer ins Internet gehen.

12:31

Christian: Das kann nur nach hinten losgehen.

12:33

Christian: Und in der Folge wollen wir so ein bisschen mal behandeln, ist es eher sinnvoll zeitgenössische Betriebssysteme zu verwenden?

12:40

Christian: Was wäre da besonders reizvoll? Oder lohnt vielleicht auch ein Blick auf ein Linux- oder ein Nischenbetriebssystem?

12:47

Christian: Beginnen wir mal mit den zeitgenössischen Betriebssystemen in der DOS-Ära. Ich glaube,

12:52

Christian: es versteht sich von selbst, dass hier MS-DOS einmal thematisiert werden muss. Das ist für

12:57

Christian: viele reizvoll, um damalige DOS-Spiele und frühe Anwendungssoftware noch einmal erleben zu können,

13:02

Christian: und viele setzen da vor allen Dingen auf die Version MS-DOS 5.0 aus dem Jahr 1991 oder die

13:09

Christian: letzte klassische Version 6.22, die im April 1994 erschienen ist. Es gab dann auch noch weitere

13:17

Christian: Version, nämlich 7.0 und 7.10, die sind Teil von Windows 95 und 98 und können dann auch dort aus

13:24

Christian: diesem Betriebssystem heraus als DOS-Modus gestartet werden. Und man kann das auch beim

13:28

Christian: Booten direkt auswählen, kann in den DOS-Modus starten, sodass man sich an der alten DOS-Shell

13:33

Christian: wiederfindet. Interessanterweise gab es später auch noch eine MS-DOS-Version 8.0, die ist Teil

13:39

Christian: von Windows MI oder Windows ME, je nachdem wie ihr es aussprechen wollt, und kann nicht mehr

13:45

Christian: eigenständig gebootet werden und es gibt auch keinen klassischen DOS-Modus mehr.

13:49

Christian: Deswegen ist das für mich kein richtiges MS-DOS mehr, sei hier trotzdem der Vollständigkeit halber aber nochmal erwähnt.

13:55

Christian: Was hier aber auch interessant sein könnte, ist, statt MS-DOS zu verwenden, sich mal FreeDOS anzuschauen.

14:01

Christian: Denn das ist interessant, wenn man DOS nutzen möchte, aber sich weniger mit den technischen Eigenarten

14:06

Christian: der Betriebssysteme dieser Zeit herum ärgern möchte.

14:09

Christian: Also anders gesagt, wenn ihr ein modernes MS-DOS haben wollt, das vielleicht nicht von Microsoft kommt und ihr wollt ein paar Quality-of-Life-Updates haben, dann ist das ein Projekt, das ihr euch mal anschauen könnt.

14:21

Christian: Denn ich glaube, wer sich schon mal mit Memmaker und EMM386 herumgeärgert hat und weiß, dass 640k konventionelle Arbeitsspeicher zu beachten sind, dann wisst ihr vielleicht, was ich meine, dass das Konsumieren von alten DOS-Spielen auch immer mit ein bisschen Arbeit verbunden war.

14:39

Christian: FreeDOS ist eine Open Source Interpretation zu DOS, die ist auch immer noch binär kompatibel, das heißt in den meisten Fällen könnt ihr die Anwendungen und Spiele von früher 1 zu 1 weiterverwenden.

14:49

Christian: Und es gab sogar mal eine Zeit, da haben manche Hardwarehersteller Notebooks mit FreeDOS angeboten, wenn Kundinnen jetzt kein Windows haben wollten, um beispielsweise Geld zu sparen.

14:59

Christian: Ich glaube aber kaum, dass es da draußen Kundschaft gegeben hat, die dann wirklich FreeDOS tagtäglich verwendet hat,

15:05

Christian: sondern ich glaube, dass es eher so, dass man die Wahl hat, kein Windows nehmen zu müssen und man ohnehin später dann Linux installiert.

15:12

Christian: Zumindest habe ich das in meinem Bekanntenkreis damals verloben, dass viele Leute sich die FreeDOS-Konfiguration geklickt haben,

15:18

Christian: 100 Euro oder sowas gespart haben und sich dann ein Betriebssystem der Wahl installiert haben.

15:24

Christian: Ich glaube, das waren vor allen Dingen HP und Dell, die das angeboten haben. Bei Lenovo bin ich mir gar nicht so sicher.

15:29

Christian: Aber Freedos ist jetzt nicht einfach nur ein Klon oder eine Reprogrammierung, es bringt auch einige Neuerungen mit sich. Zum Beispiel werden Datenträger mit bis zu 2 Terabyte unterstützt. Ich glaube zwar kaum, dass es Leute gibt, die das nutzen, um alle Spiele, die es jemals gegeben hat, zu installieren. Theoretisch ginge das aber.

15:46

Christian: Ebenso könnt ihr FAT32 lesen und schreiben und auch lange Dateinamen sind jetzt möglich. Also die klassische 8.3 Konvention, 8 Buchstaben Dateiname, einmal Punkt und dann drei Buchstaben für die Dateiendung entfällt. Man kann sich nun also Dateinamen ausdenken, die man sich auch merken kann und auch neuere Treiber sorgen für bessere Performance, gerade für IDE und SATA Geräte.

16:09

Christian: Nicht weniger wichtig ist, dass FreeDOS auch Stromsparfunktionen unterstützt, das heißt die Geräte verbrauchen auch ein kleines bisschen weniger Strom, sind effizienter und auch die Speicherverwaltung ist deutlich einfacher, als es in den 90ern der Fall war.

16:21

Christian: Das Ganze ist auch gut für die Präservation alter Software, denn FreeDOS lässt sich bedeutend einfacher als VM betreiben als MS-DOS.

16:28

Christian: Da gibt es für MS-DOS so einen speziellen Treiber, den Leute aus der Community mal entwickelt haben, damit die CPU-Cycles auch reduziert werden können. Und das sind auch so Änderungen, die in FreeDOS eingeflossen sind. Und FreeDOS selbst ist dabei gar nicht mal so neu. Das gibt es nämlich auch schon seit 1994, als nämlich bekannt wurde, dass mit Windows 95 und 98 MS-DOS abgelöst werden soll, langsam perspektivisch, haben sich EntwicklerInnen gefunden und wollten FreeDOS einfach weiterentwickeln.

16:55

Christian: Und das ist halt, was dabei rumgekommen ist. Und die aktuelle Version, die ist vom April 2025. Ihr seht also, das ist kein totes Projekt. MS-DOS bzw. DOS scheint generell für einige da draußen noch ein relevantes Thema zu sein und deswegen gibt es dieses halbwegs aktuelle Betriebssystem.

17:14

Christian: Kommen wir mal zu Windows 3.1. Das war zumindest für mich das erste Windows-Betriebssystem. Geht bestimmt dem einen oder anderen da draußen genauso. Und das Ganze ist wohl auch eine der wohl bekanntesten Windows-Versionen. Das ist 1992 erschienen und kam unter anderem wegen dem reduzierten Preis damals gut an.

17:31

Christian: Denn die Windows 3.1 Vollversion kostete damals 229 DM, das sind inflationsbereinigt so 225 Euro.

17:39

Christian: Die Vorgängerversion 3.0 kostete noch 500 DM, also umgerechnet irgendwas um die 570 Euro.

17:46

Christian: Und das ist natürlich klar, wenn das Betriebssystem nur die Hälfte kostet, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass AnwenderInnen das kaufen.

17:53

Christian: Windows 3.1 ist für die ikonische simple Oberfläche bekannt.

17:56

Christian: Es hat auch die erste serienmäßige Multimedia-Unterstützung, bestehend aus einem Audio-Recorder, CD-Wiedergabe und Sounds, wie ihr gerade schon gehört habt.

18:06

Christian: Das gab es auch schon für Windows 3.0, da aber nur über die später erschienene Multimedia-Extension.

18:11

Christian: Was viele gerne unter den Tisch kehren, ist, dass es auch noch Windows 3.11 gab.

18:16

Christian: Das war ein nicht groß beworbenes Update für 3.1, das konnte auch in Form eines Patches online heruntergeladen werden.

18:23

Christian: Das brachte einige kleinere Fixes, aktualisierte Treiber und auch ein paar Kernelfixes. Viele Leute sagen ja, 3.1 war rein für Business-Kundinnen und das ist so nicht ganz richtig, denn neben Windows 3.1 und 3.11 gab es auch jeweils noch optional die 4-Workgroups-Editionen.

18:41

Christian: Die hatten Netzwerkfähigkeiten, Support für Netzlaufwerke, Drucker und so weiter und richteten sich eher an kleinere Arbeitsplatznetze.

18:50

Christian: Also vielleicht irgendwo eine Abteilung, irgendeine Firma, wo zehn Leute sich ein Netzwerk teilen.

18:55

Christian: Für die wirklich großen Umgebungen mit Servern und mit Workstations gab es ja parallel bereits Windows NT 3.1.

19:02

Christian: Das sieht optisch ähnlich aus, hat aber einen ganz anderen Aufbau.

19:04

Christian: Da kommen wir später gleich nochmal ganz kurz zu.

19:08

Christian: Und ebenfalls gerne vergessen wird, dass es auch ein Windows 3.2 gab.

19:12

Christian: Das war aber eine spezielle Edition für den chinesischen Markt.

19:16

Christian: Die Version unterstützt komplexe chinesische Schriftzeichen und ist ansonsten deckungsgleich mit dem klassischen Windows 3.1.

19:23

Christian: Besonders spannend ist auch Windows for Pen Computer 1.0.

19:27

Christian: Das ist eine Erweiterung für Windows 3.1.

19:29

Christian: Da gab es dann unter anderem ein Onscreen-Keyboard und eine systemweite Schrifterkennung.

19:34

Christian: Und wenn man sich das anschaut und dann parallel mal guckt, welche Features Windows XP in der Tablet PC Edition mitbrachte, dann erkennt man da frappierend viele Parallelen.

19:44

Christian: MS-DOS und Windows 3.1 sind somit vor allen Dingen für Pre-Pensum-Geräte interessant.

19:49

Christian: Ich habe das zum Beispiel hier auf einem IBM L40SX, da ist ein 386er verbaut.

19:54

Christian: Und ich habe hier auch ein ThinkPad 360 PE Tablet PC und da habe ich eben Windows 3.1 mit der Pen-Computer-Fassung.

20:02

Christian: Und da passt es auch gut rein.

20:03

Christian: Das wäre mit dem Windows 95 weniger gut zu betreiben,

20:08

Christian: weil man dann doch schon merkt, dass CPU und RAM hier ein Problem darstellen.

20:19

Christian: Apropos Windows 95 und 98.

20:21

Christian: Das ist generell für Geräte interessant, die mit einem Pentium 1, einem Pentium 2

20:26

Christian: oder einem frühen Celeron Prozessor kommen.

20:29

Christian: Ich würde die Wahl des Betriebssystems aber ein bisschen vom Rahmen abhängig machen.

20:33

Christian: Fassen wir mal kurz zusammen.

20:34

Christian: Windows 95 erschien erstmalig im August 1995.

20:38

Christian: Es gab verschiedene Versionen.

20:40

Christian: Man will hier tendenziell zur C-Version von 1997 greifen.

20:45

Christian: Das nennt man auch gerne das kleine Windows 98.

20:48

Christian: Das ist im Prinzip sowas wie ein erweitertes Service-Pack für Windows 95.

20:52

Christian: Und das bringt zahlreiche Bugfixes, aber auch neue Features.

20:56

Christian: So gibt es zum Beispiel FAT32-Support.

20:59

Christian: Es werden Festplatten größer als 2 GB unterstützt.

21:01

Christian: DirectX ist in der Version 2.0 dabei.

21:04

Christian: Der Internet Explorer in der Version 4.0.

21:07

Christian: Ob man den jetzt haben möchte, ist eine andere Frage.

21:09

Christian: Das dürft ihr gerne für euch selbst beantworten.

21:12

Christian: Aber dadurch hat der Windows Explorer auch eine Adresszeile.

21:15

Christian: Das heißt, man kann da entweder eine URL eintragen, was ihr eher nicht tun solltet.

21:21

Christian: Oder ihr könnt auch einfach eine Adresse auf der lokalen Festplatte eintragen.

21:25

Christian: C, Windows, C-Programme.

21:27

Christian: Das heißt, man muss sich da nicht durchklicken, sondern wenn man den Pfad kennt, kann man den zeitsparend eintippen.

21:32

Christian: Bedenkt durch den Internet Explorer 4.0 gibt es auch den Active Desktop, der auch später in Windows 98 enthalten war.

21:39

Christian: Das ist so ein Feature, da bin ich gar nicht so traurig drüber, dass das wieder abgekündigt wurde.

21:44

Christian: Die Grundidee war, dass man eine interaktive HTML-Seite als Hintergrundbild gesetzt hat.

21:50

Christian: Da konnte man dann entweder links anklicken und aktive Inhalte einbauen.

21:54

Christian: Es gab auch so eine Adresszeile am rechten Bildschirmrand, wo verschiedene Online-Formate und Online-Portale eingeblendet wurden.

22:02

Christian: Man konnte dann per Mausklick eben die Webseite aufrufen.

22:04

Christian: Aber zu dem Zeitpunkt, zumindest in Deutschland, war das Internet noch nicht so verbreitet.

22:09

Christian: Und naja, es hat natürlich auch wieder unnötig CPU und RAM-Ressourcen verbraucht.

22:14

Christian: Deswegen hier der Hinweis, dieses Feature am besten gleich zu deaktivieren.

22:19

Christian: Für Windows 95 werden 8 MB RAM empfohlen.

22:22

Christian: Das heißt, wenn ihr ein Gerät habt, was so im Pima-Daumen in diesem Bereich liegt, würde ich hier eher zu Windows 95 greifen.

22:28

Christian: Denn Windows 98, das ist ja kurzzeitig später erschienen, nämlich im März 1998, hier war dann schon von 24 MB RAM die Rede.

22:38

Christian: Das heißt, wenn ihr irgendwo noch einen alten Laptop habt mit 16 MB RAM, dann greift vielleicht eher zu Windows 95.

22:44

Christian: Zu Windows 98 sei gesagt, das brachte viele kleine Verbesserungen.

22:47

Christian: zum Beispiel neue Treiber nach dem WDM-Treiber-Modell.

22:51

Christian: Das ist eine der Technologien, die man aus Windows NT übernommen hat

22:55

Christian: und es gibt deutlich besseren AGP- und USB-Support.

22:59

Christian: Interessanterweise ist Windows 98 auch die erste Version,

23:03

Christian: die mehrere Bildschirme unterstützte.

23:05

Christian: Wenn ihr also mehrere Bildschirme verwenden wollt,

23:08

Christian: dann wieder ein Argument da vielleicht zu Windows 98 zu greifen.

23:11

Christian: Wenn ihr das tut, solltet ihr aber auch generell

23:15

Christian: zur im Mai 1999 veröffentlichten Second Edition greifen,

23:17

Christian: Denn auch hier sind wieder zahlreiche Bugfixes und kleinere neue Features enthalten.

23:21

Christian: Zum Beispiel DirectX 6.1, Internet Explorer in der Version 5.0 und der Media Player in der Version 6.

23:28

Christian: Und unabhängig davon, ob ihr jetzt Windows 95 oder 98 einsetzt, sei hier noch angemerkt,

23:34

Christian: dass es inoffizielle Service Packs für diese beiden Betriebssysteme gibt.

23:38

Christian: Und ich habe im Rahmen der Vorbereitung für diese Folge festgestellt,

23:41

Christian: dass es erschreckenderweise immer noch eine aktive Community rund um diese beiden alten Versionen gibt.

23:46

Christian: Hätte ich jetzt gar nicht erwartet, die sind ja nun auch schon, haben viele Jahre auf dem Buckel.

23:51

Christian: Aber es gibt diese inoffiziellen Service Packs, die findet ihr auch in den Shownotes verlinkt.

23:55

Christian: Und die beinhalten Bugfixes, aber auch funktionale Updates.

23:59

Christian: So gibt es zum Beispiel Treiber mit schnelleren IO-Raten.

24:02

Christian: Es gibt Fixes für spezifische CPUs oder auch den Betrieb in VMs.

24:06

Christian: Das heißt, wenn ihr hier eine Software auch konservieren wollt in Form einer VM,

24:10

Christian: die man auf einem anderen Rechner konsumieren kann, dann kommt das hier euch auch zugute.

24:15

Christian: Es gibt verschiedene Optimierungen für USB und AGP.

24:19

Christian: Und es gibt zum Beispiel auch Patches, um mehr RAM adressieren zu können.

24:22

Christian: Also Windows 98 kann eigentlich nicht mehr als 512 MB RAM konsumieren.

24:27

Christian: Und mit einem Patch ist sogar ein irrwitziges Gigabyte an RAM möglich.

24:31

Christian: Verrückt.

24:32

Christian: Darüber hinaus gibt es auch neuere Internet Explorer und DirectX-Versionen

24:36

Christian: und weitere kleinere Quality-of-Life-Verbesserungen und auch teilweise grafische Tweaks.

24:41

Christian: Da ist meine Empfehlung, das am besten direkt nach dem Betriebssystem installieren und auch mit Image-Backups arbeiten.

24:48

Christian: Denn man zerschießt sich sehr gerne und schnell etwas, wenn man einfach alle Optionen im Service Pack Installer anwählt.

24:55

Christian: Also da auch unbedingt mal einen Blick in die Dokumentation werfen.

24:59

Christian: Da steht genau drin, welche Features es gibt, wann die sinnvoll sind und man sollte nicht einfach alle aktivieren,

25:04

Christian: sondern wirklich nur die, die man auch benötigt.

25:06

Christian: Und ich habe das vor einiger Zeit mal auf einem alten Pentium 2 Rechner installiert

25:10

Christian: und kann jetzt mit dem ohne Probleme USB-Sticks für den einfachen Datenaustausch verwenden.

25:15

Christian: Es gibt auch Euro-Patches und weitere kleinere Tweaks,

25:19

Christian: die dann auch zum Beispiel grafisch dafür sorgen,

25:21

Christian: dass ein Windows 98 eher wie ein Windows 2000 aussieht.

25:24

Christian: Kann bestimmt nützlich sein.

25:32

Christian: Und wenn ihr diesen Start-Sound nicht zuordnen könnt,

25:34

Christian: dann geht es euch vermutlich genau wie mir.

25:37

Christian: Ihr habt den Trend rund um IBM OS 2 knapp verpasst.

25:41

Christian: Als Kind der 90er war das so ein bisschen vor meiner Zeit.

25:44

Christian: Als ich mich mit Computern beschäftigt habe, war Windows 3.1 oder 95 aktuell.

25:49

Christian: Und da hat OS 2 zumindest im privaten Bereich einfach keine Rolle mehr gespielt.

25:55

Christian: Aber halten wir mal kurz fest, worum geht es da?

25:58

Christian: Ich finde, dass es wichtig ist, zumindest kurz mal zu thematisieren,

26:00

Christian: weil OS 2 eben auch die Geschichte von Windows NT beeinflusst hat.

26:05

Christian: OSZ 2 wurde zwischen 1987 und 2001 vor allen Dingen von IBM entwickelt.

26:11

Christian: Eigentlich kam schon nach 1996 aber nichts Nennenswertes mehr

26:16

Christian: und das Betriebssystem fristete aus verschiedenen Gründen ein Nischen-Dasein.

26:21

Christian: Man hat es vor allen Dingen bei Banken, Versicherungen und Fluggesellschaften vorgefunden,

26:25

Christian: also in stark regulierten Umgebungen, wo man vielleicht andere Anforderungen hat als ein einfacher Heimanwender.

26:33

Christian: Aber warum kam es da zum Einsatz?

26:34

Christian: Naja, es war so, dass es technisch im Vergleich zu Microsoft Windows das bessere Betriebssystem war.

26:40

Christian: Denn es beherrschte zum Beispiel präemptives Multitasking.

26:43

Christian: Das bedeutet, Programme laufen kontrollierbar parallel.

26:47

Christian: Und das ist auch heute noch der Standard von gängigen Betriebssystemen.

26:50

Christian: Bei MS-DOS und Windows kam damals das sogenannte kooperative Multitasking zum Einsatz.

26:55

Christian: Das ist einfacher zu entwickeln, hat aber den entscheidenden Nachteil,

26:58

Christian: dass eingefrorene Software den gesamten Computer zum Absturz bringen kann.

27:02

Christian: Und das kann man natürlich bei Banken, in der Versicherung und bei Fluggesellschaften gar nicht gebrauchen.

27:08

Christian: Das heißt, in Summe, OS 2 war deutlich stabiler, als Windows und MS-DOS es damals war.

27:14

Christian: Darüber hinaus hatte es einen modernen Desktop mit vielen Anpassungsmöglichkeiten

27:18

Christian: und, wie ich finde, extrem vielen Soundeffekten.

27:22

Christian: Ich habe das mal auf einem meiner Thinkpads installiert

27:24

Christian: und bei nahezu jeder Interaktion mit Maus und Tastatur muss man sich irgendeinen Sound anhören.

27:30

Christian: Wir können ja mal kurz reinhören.

27:42

Christian: Also ihr seht schon, man wollte hier offenkundig mitteilen, dass man funktionale Soundtreiber

27:47

Christian: hat.

27:47

Christian: Aber auch darüber hinaus gab es weitere Features, die man in DOS und Windows vergebens suchte.

27:52

Christian: Es gab ein leistungsfähigeres Dateisystem und es gab auch einen Windows-Kompatibilitätsmodus.

27:57

Christian: konnte innerhalb OS 2 eine

27:59

Christian: Sandbox ausführen und darin

28:01

Christian: dann eben Windows 3.1

28:03

Christian: starten, um alte Anwendungen auszuführen

28:05

Christian: und eine Anwendung, die in dieser Sandbox

28:07

Christian: läuft, kann dann nicht mal ein Haupt-OS 2

28:09

Christian: abschießen. Das fand ich echt interessant.

28:11

Christian: Sieht so ein bisschen aus, wie man sich

28:13

Christian: heute VMs so vorstellt.

28:15

Christian: Ist natürlich keine VM-Technik, die zum Einsatz

28:17

Christian: kommt, aber im Prinzip mit

28:19

Christian: einem neuen Betriebssystem auch alte Software

28:21

Christian: verwenden zu können, finde ich sehr nützlich.

28:24

Christian: Man muss aber auch

28:25

Christian: festhalten, IBM sah natürlich

28:27

Christian: Auch darin wieder eine lukrative Chance für Vendor-Login.

28:30

Christian: Denn IBM störte sich an der Dominanz von MS-DOS und Windows gegenüber dem IBM-PC-DOS

28:35

Christian: und dachte, wenn wir jetzt hier so ein tolles neues Betriebssystem haben,

28:39

Christian: dann werden in Zukunft alle Leute nur noch IBM-Hardware und Software kaufen.

28:43

Christian: Das kam dann nicht ganz so.

28:45

Christian: Interessanterweise war OS2 anfänglich eine gemeinsame Entwicklung mit Microsoft.

28:51

Christian: Denn beide Firmen haben unabhängig voneinander festgestellt,

28:53

Christian: dass man mit DOS an Entwicklungsgrenzen stieß.

28:57

Christian: Zum Beispiel das Multitasking.

28:59

Christian: Oder an vielen Stellen gab es keine sauberen Standards.

29:02

Christian: EntwicklerInnen haben nämlich häufig undokumentierte Hacks verwendet,

29:04

Christian: um ihre Software zu entwickeln.

29:06

Christian: Und das sorgte dann natürlich auch gerne mal dafür,

29:08

Christian: dass Anwendungen den gesamten Rechner zum Absturz brachten.

29:12

Christian: Ebenfalls hat sie gestört, dass das Betriebssystem

29:14

Christian: nicht den vollständigen Rahmen nutzen konnte.

29:16

Christian: Ich habe vorhin ja schon auf die 640 Kilobyte konventionellen Speicher hingewiesen.

29:21

Christian: Also auch das war ein Thema, das beide Firmen gestört hat.

29:25

Christian: Deswegen hat man sich gedacht, wir können doch einfach gemeinsam versuchen, ein neues Betriebssystem zu entwickeln und das war eben das Projekt OS 2.

29:32

Christian: Das heißt, es gab erste Versionen von IBM und Microsoft, die jeweils dann veröffentlicht wurden.

29:38

Christian: Es gab zum Beispiel eine Retail-Version von Microsoft und die Geschäftskundin-Variante von IBM.

29:43

Christian: Und schlussendlich hat Microsoft aber die Zusammenarbeit bereits 1991 beendet.

29:49

Christian: Man hat nämlich festgestellt, dass man leider zu unterschiedlich sei.

29:53

Christian: Microsoft wollte OS2 nämlich auf möglichst vielen Computern lauffähig machen,

29:56

Christian: während IBM vor allen Dingen die eigenen PS2-Systeme pushen wollte.

30:02

Christian: Und, und das klingt wie ein schlechter April-Scherz,

30:05

Christian: IBM nutzte Lines of Code als Maßeinheit für Produktivität.

30:09

Christian: Also die Anzahl geschriebener Codezeilen.

30:11

Christian: Das heißt, eine Programmiererin, die heute 500 Zeilen Code schreibt,

30:15

Christian: die ist natürlich besser als ein Entwickler, der nur 100 Zeilen Code schreibt.

30:19

Christian: Das ist natürlich absoluter Quatsch,

30:21

Christian: weil ein Programm ist nicht besser dadurch, dass es mehr Quellcode enthält,

30:25

Christian: sondern eigentlich ist es ja sinnvoll, möglichst wenig Code-Zahlen zu schreiben,

30:29

Christian: um eine effiziente Lösung für ein Problem zu finden.

30:32

Christian: Das wollte BigBlue aber nicht hören und das sorgte für einige kulturelle Abreibungen.

30:37

Christian: Und generell gab Microsoft an, gibt es in der Zusammenarbeit mit IBM viel zu viel Bürokratie

30:42

Christian: und auch immer wieder Termine, die verschoben wurden.

30:46

Christian: Klingt alles plausibel, kann ich mir gut vorstellen,

30:49

Christian: dass die Zusammenarbeit nicht unbedingt angenehm war.

30:52

Christian: OS 2 hatte es dadurch schwer auf dem Markt.

30:54

Christian: Das lag aber nicht nur an diesem Bruch der Partnerschaft zwischen Microsoft und IBM,

31:00

Christian: sondern lag anfänglich auch an den deutlich höheren Systemanforderungen.

31:04

Christian: Ich zitiere mal hier für OS 2 in der Version 2.1.

31:08

Christian: Da werden nämlich 6 MB RAM empfohlen und das parallel erschienene Windows 3.1,

31:13

Christian: das begnügt sich mit 2 MB RAM.

31:15

Christian: Und wenn wir mal zurückdenken, damals war RAM ähnlich teuer so wie heute, vielleicht noch ein bisschen teurer, wenn wir das inflationsbereinigen.

31:23

Christian: Da überlege ich mir das als User natürlich dreimal, ob ich jetzt OS 2 nehme und dann den dreifachen RAM brauche oder ob ich es dann doch mit Windows 3.1 mal versuche.

31:32

Christian: Wo wir gerade bei den Kosten waren, OS 2 war auch deutlich teurer als DOS und Windows.

31:37

Christian: Die Standard-Edition kostete inflationsbereinigt so was um die 300 Euro.

31:42

Christian: Und es gab noch eine erweiterte Edition für die Enterprise-Kundschaft mit Zusatzanwendungen, mit dieser Sandbox und so weiter.

31:49

Christian: Das wären heute über 1.000 Euro.

31:52

Christian: Und naja, die Frage kann man sich ja mal stellen, würdet ihr heute ein Betriebssystem kaufen, das über 1.000 Euro kostet?

31:58

Christian: Ich vermute mal, die Antwort dürfte eher Nein sein.

32:02

Christian: Und so kam es, wie es kommen musste.

32:03

Christian: Windows 3.1 erschien 1992 und verkaufte sich natürlich bedeutend besser als OS 2.

32:09

Christian: Bei OS 2 waren es ca. 300.000 Kopien in einem Jahr und bei Windows 3.1 waren es 3 Millionen, also ein Vielfaches höher.

32:17

Christian: Interessanterweise hat IBM OS 2 aber noch recht lange weiter gepflegt.

32:20

Christian: Die letzte Version 4.51 erschien 1996 und der Verkauf an die Privatkundschaft endete 2002 und der Vertrieb für die Business-Kundinnen wurde 2006 eingestellt.

32:33

Christian: Also doch noch relativ lang, wie ich finde.

32:36

Christian: IBM hat dann OS2 veräußert und seitdem wird es von Dritten weiterentwickelt.

32:41

Christian: Von 2001 bis 2015 von der Firma Serenity Systems, das war damals so ein OS2-Businesspartner, die haben Beratung und Integration angeboten.

32:50

Christian: Da hieß das Ganze dann EcomStation und 2015 wurde das Unternehmen von Arca Noe übernommen, denn Serenity Systems war damals schon am Schwächeln und seitdem entwickeln die das Betriebssystem weiter und nennen das Ganze ArcaOS.

33:06

Christian: Interessanterweise wird das Betriebssystem immer noch weiterentwickelt. Das ist eine extreme Nische, würde ich mal behaupten. Ich denke, es dürfte so gut wie keine neue Kundschaft geben, die sich mit ArcaOS auseinandersetzt, sondern vor allen Dingen Bestandskundinnen sein, die das schon seit den 90ern einsetzen.

33:21

Christian: und die aktuelle Version, die ist vom 8. März 2026.

33:26

Christian: Akanoe wartet das Produkt nicht nur, sondern sie entwickeln auch neue Features.

33:30

Christian: Ich habe da mal reingeguckt in die Roadmap, die ist auch in den Shownotes verlinkt.

33:33

Christian: Die neue Version, die kommt zum Beispiel mit UEFI, USB 3.0 und NVMe-Support.

33:39

Christian: Das heißt, ihr könnt das Betriebssystem auf aktueller State-of-the-Art-Hardware installieren

33:44

Christian: und könnt dann zum Beispiel auch Datei-Sharing über Samba 4.11 und Kerberos machen.

33:49

Christian: Also das sind so Anforderungen, die eher aus dem Business kommen dürften. Und interessanterweise hat das Betriebssystem auch einen Paketmanager, damit man eben Updates installieren kann und neue Software ganz einfach über die Kommandozeile nachrüsten kann. Und das Ganze auf Basis des JUM-Paketmanagers und der RPM-Technologie. Das sind zwei Dinge, die man kennt, wenn man sich mit Linux im weitesten Sinne beschäftigt und da mit Red Hat-artigen Betriebssystemen schon mal zu tun hatte.

34:15

Christian: Also Open Source Technik, die in diesen extrem niedrigen Betriebssystemen zum Einsatz kommt. Das Ganze kostet natürlich etwas. Es gibt jährliche Subscriptions. Die Personal Edition, die liegt bei 139 US-Dollar, das sind so circa 120 Euro. Und die Commercial Edition, die liegt bei 249 Dollar, also so 220 Euro.

34:35

Christian: Das heißt, das eine eben, wenn man das persönlich für sich privat nutzen möchte und die Commercial Edition, die richtet sich dann eher an die Business-Kundschaft. Da gibt es dann auch entsprechende Mengenrabatte, das ist auch alles auf der Webseite dokumentiert.

34:48

Christian: Was ich ein bisschen unschön finde, ist, dass es keine generischen ISO-Speicherabbilder gibt, von denen man booten könnte, um das Betriebssystem zu installieren, sondern wenn man zur zahlenden Kundschaft zählt, kann man sich im Kundinnenbereich einfach ein personalisiertes Abbild generieren lassen, das man dann runterladen kann.

35:06

Christian: Kommen wir mal zurück zum Kernthema dieses Podcasts. Was hat das jetzt mit Thinkpads zu tun? Naja, OS2 kann natürlich eine valide Wahl für einige ältere Thinkpads sein. Dabei solltet ihr aber unbedingt den Treibersupport beachten. Idealerweise nehmt ihr ein Gerät, das so bis ca. 2002 produziert wurde, denn da sind vor allen Dingen funktionale Audio- und Videotreiber wichtig.

35:26

Christian: Da ist bei OS/2 nicht ganz so viel enthalten, es gibt auch im Betriebssystem selbst schon

35:31

Christian: ein bisschen Support für IBM Thinkpads, aber natürlich will man dann im Nachgang die passenden

35:35

Christian: Treiber von der IBM Seite runterladen.

35:38

Christian: Ich habe mal geguckt, was viele Leute so einsetzen und in den eingängigen Foren werden oft genannt

35:43

Christian: das Thinkpad 600, die 500er und 700er Serie und die T20, 30 und 40er Serie.

35:51

Christian: Interessanterweise gibt es aber auch spätere Geräte, für die immer noch OS/2 Treiber

35:55

Christian: angeboten wurden. Zum Beispiel das T43, das ist eins der späteren Geräte, die ich so entdeckt habe. Und ich selbst habe auch OS2 auf einem T22 und versuche seitdem erste Erfahrungen mit diesem Betriebssystem zu sammeln. Das klingt mir eher nur so mittelmäßig, weil das wirklich ein nicht ganz einfaches Thema ist. Das ist bedeutend komplexer als so eine Windows 3.1 Installation.

36:17

Christian: Gerade auch so die ganze Treiber-Thematik, die ist so ein bisschen problematisch, wenn man da keine ordentliche Hardware hat, die sauber von OS2 supportet wird. Ich glaube, das liegt auch so ein bisschen daran, dass ich das Betriebssystem damals nicht als Heranwachsender gesehen habe, deswegen habe ich da nicht so eine Bindung zu, aber vielleicht schaue ich mir das doch noch mal näher an.

36:41

Christian: Kommen wir mal zur NT-Ära. Die darf natürlich hier auch nicht in dieser Episode fehlen. 1993 erschien die erste NT-Version, die Version 3.1, und die ist grafisch eben an Windows 3.1 orientiert. Das heißt, optisch sieht es vertraut aus, unter der Haube steckt aber viel neue Technik, denn NT steht ja auch für New Technology.

37:01

Christian: Und NT ist sowas wie der spirituelle Nachfolger des gescheiterten OS2-Projekts. Wieder sehr umfangreiches Thema, also da waren auch viele interessante Charaktere daran beteiligt, das müssen wir mal in einer separaten Folge thematisieren, aber kann man einfach mal so sich merken, als ist ein Nachkömmling dieses gescheiterten Projekts.

37:20

Christian: Das Ganze richtet sich natürlich auch wieder an die Enterprise-Bedürfnisse und wurde parallel zu den noch auf MS-DOS basierenden Windows-Versionen entwickelt. Das heißt, 95, 98 ME basierte weiterhin auf MS-DOS und für die Business-Kundschaft gab es eben Windows NT.

37:34

Christian: Es erschien damals in verschiedenen Editionen für Server und Workstations, konnte aber auch auf Notebooks eingesetzt werden, dürfte aber im Retro-Computing-Hobby vermutlich eher eine untergeordnete Rolle spielen.

37:46

Christian: 1994 und 1996 erschienen die Folgeversionen NT 3.5 und 4.0 und letzteres erinnert optisch eben an Windows 95.

37:55

Christian: Was vermutlich bedeutend zutreffend dafür das Hobby sein dürfte, sind Windows 2000 und XP. Da liegt relativ wenig Entwicklungszeit zwischen diesen beiden Betriebssystemen, aber in der kurzen Zeit ist trotzdem viel passiert. Halten wir es mal fest, Windows 2000 erschien im Februar 2000 und Windows XP erblickte im Oktober 2001 das Licht.

38:15

Christian: Und während sich Windows 2000 eher noch ziemlich deutlich an die Business-Kundschaft richtet, führt XP dann die bis dahin parallel verlaufende Windows-Produktlinien zusammen. Das heißt XP basiert auf NT, MS-DOS spielt keine Rolle mehr.

38:28

Christian: Und vielleicht fragt ihr euch jetzt, okay, aber soll ich jetzt eher Windows 2000 oder Windows XP einsetzen? Auch hier kommt es wieder auf die Hardware an. Windows 2000 finde ich deswegen interessant, weil es etwas weniger Ressourcen benötigt. Da reicht nämlich schon Pentium 1 mit 133 MHz und 64 MB RAM.

38:45

Christian: Bei XP ist es so, da werden 300 MHz empfohlen und 128 MB RAM. Das heißt, wenn ihr einen Rechner habt, der noch nicht so viel RAM und noch nicht so eine starke CPU hat, hätte ich jetzt fast gesagt, 300 MHz sind ja heute auch retrospektiv betrachtet wenig, dann kann es durchaus sinnvoll sein, wenn es ein altes Windows sein soll, sich 2000 anzugucken.

39:06

Christian: Über Windows Vista sprechen wir hier mal nicht, genauso wie über Windows Mi. Das sind beides Betriebssysteme, die nicht sonderlich beliebt waren. XP mit Service Pack 2 und 3, deutlich nutzbarer als die ersten Versionen, konnte dann auch seinerzeit als Daily Driver gut verwendet werden, kann also auch für so einen Retro-Rechner durchaus eine valide Option sein.

39:25

Christian: und 2009 erschien dann Windows 7 und das zählt somit faktisch auch schon zu den Retro-Betriebssystemen,

39:32

Christian: hat ja auch schon fast 20 Jahre auf der Uhr.

39:35

Christian: Und das läuft ja auch auf vielen meiner Thinkpads und macht offline immer noch Spaß

39:38

Christian: und zuletzt funktioniert auch die telefonische Aktivierung für mich.

39:42

Christian: Aber mal genug von zeitgenössischem Betriebssystem, wie sieht das denn mit Linux aus?

39:46

Christian: Nun, wie so oft kann Linux auch hier eine Antwort sein, aber die Frage, die sich vielleicht stellt ist,

39:50

Christian: was macht der Linux jetzt besser als andere Betriebssysteme?

39:54

Christian: Festhalten kann man hier schon mal, dass das Ganze quelloffen entwickelt wird, das heißt ein jeder, eine jede kann partizipieren und Linux unterstützt viele unterschiedliche Plattformen.

40:02

Christian: Vom Smartphone über das Notebook bis hin zum Supercomputer, auf allen diesen Geräteklassen kann man Linux betreiben.

40:11

Christian: Das bedeutet aber auch, dass in der Regel alte Hardware noch recht lange weiter unterstützt wird und das ist gerade jetzt in der hitzig geführten Windows-11-Debatte ein häufig eingeworfenes Argument.

40:21

Christian: Man muss also nicht unbedingt den Rechner wegwerfen, weil kein Windows 11 mehr drauf läuft.

40:25

Christian: Man kann auch einfach mit einem Linux der Wahl das Gerät nochmal weiterverwenden.

40:30

Christian: Vielleicht als kleines Beispiel dafür.

40:32

Christian: Debian, eine der größten und bekanntesten Linux-Distributionen, hat erst 2025 aufgehört,

40:39

Christian: Installationsabbilder für die reinen 32-Bit x86-CPUs von AMD und Intel anzubieten.

40:45

Christian: Halten wir mal kurz fest, die letzte reine 32-Bit Intel-CPU lief 2007 vom Band.

40:51

Christian: Das ist auch fast 20 Jahre her und ihr könnt mit einem solchen Prozessor immer noch ein aktuelles

40:57

Christian: Linux fahren. Das finde ich bemerkenswert, das gibt es so jetzt bei Microsoft nicht,

41:02

Christian: muss man festhalten. Und auch die vor kurzem veröffentlichte Version 7.0 des Linux-Currens

41:07

Christian: hat erst den Support für Intel 486er CPUs entfernt. Also das ist noch mal weiter in

41:12

Christian: der Vergangenheit entfernt und das liegt daran, dass diese 486er CPUs noch lange in Embedded

41:18

Christian: Systems eingesetzt wurden, aber jetzt ist eben der Punkt erreicht, wo eine Wartung des Codes

41:23

Christian: nicht mehr sinnvoll ist. Deswegen wurde es entfernt, aber die Community kann natürlich

41:28

Christian: trotzdem gerne das noch weiterentwickeln und wieder einbauen. Und da gibt es auch wieder

41:32

Christian: erste Projekte, die den 486er Support wieder nachgerüstet haben. Also ihr seht, wenn man

41:38

Christian: irgendwo alte Hardware und eine Nische hat, dann ist man mit Linux da meistens ganz gut bedient.

41:43

Christian: Die Frage, die ihr euch für eure Sammlung stellen solltet, liebe Zuhörer, ist, ist es reines

41:48

Christian: 32- oder 64-Bit-Systeme, mit denen ihr da zu tun habt.

41:52

Christian: Denn je nachdem gibt es mehr oder weniger

41:54

Christian: Linus-Distributionen, die da in Frage kommen.

41:57

Christian: Zur groben zeitlichen Einschätzung,

42:00

Christian: ab dem ThinkPad T60 gab es schon Konfigurationen

42:03

Christian: mit 64-Bit-fähigen CPUs.

42:06

Christian: Es gab aber auch noch welche mit reinen 32-Bit-CPUs.

42:10

Christian: Wenn ihr also irgendwo ein Gerät habt,

42:12

Christian: das einen Intel Core Solo oder Intel Core Duo Prozessor hat,

42:17

Christian: dann ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit

42:18

Christian: Wenn ihr allerdings irgendwo einen Hinweis auf einen Intel Core 2 Duo findet, dann ist

42:26

Christian: das ein Indiz dafür, dass es ein 64-Bit-fähiger Prozessor ist.

42:30

Christian: Wenn das der Fall ist, dann habt ihr die größere Auswahl und könnt im Prinzip jedes aktuelle

42:34

Christian: Linux darauf verwenden.

42:37

Christian: Das findet sich auch so beim X60 und R60, also das ist so in etwa der Zeitpunkt in der

42:41

Christian: Historie, wo man eben 64-Bit-fähige Thinkpads bekommen hat.

42:45

Christian: Beim RAM sollten es schon mindestens 384 MB RAM sein. Das liegt einfach darin begründet,

42:52

Christian: alles unter 384 MB kann man dann meistens nur Kommandozeilen-Anwendungen verwenden.

42:57

Christian: Und das kann für manche Leute toll sein, aber es gibt bestimmt auch Anwender*innen da draußen,

43:03

Christian: die gerne eine grafische Oberfläche hätten und sich damit wohler fühlen.

43:08

Christian: Wichtig ist auch die Frage nach den verwendeten Anwendungsprogramm. Möchte man eher

43:12

Christian: Kommandozeilen-Anwendung verwenden oder eher grafische Anwendungen. Denn auch sehr alte

43:17

Christian: Geräte können noch mit CLI-Anwendung verwendet werden, ist dann halt nicht so benutzerfreundlich

43:21

Christian: und bei GUI-Anwendungen muss man aber eine gute Vorauswahl treffen. Also ihr könnt nicht einfach

43:25

Christian: auf dem alten Gerät ein modernes Linux installieren, einen aktuellen Firefox und

43:30

Christian: LibreOffice draufpacken und dann erwarten, dass die Anwendungen genauso schnell laufen wie auf

43:34

Christian: einem aktuellen Notebook. Das wird nicht funktionieren. Das heißt, hier ist es sinnvoll,

43:38

Christian: nach Alternativen zu suchen, die vielleicht ähnliche Features haben, aber weniger CPU und RAM-Ressourcen benötigen.

43:46

Christian: Generell ist auch ein Trend der letzten zehn Jahre, dass für vieles mittlerweile nur noch ein Webbrowser zum Einsatz kommt,

43:51

Christian: wofür wir früher dedizierte Anwendungen genommen haben.

43:54

Christian: Zum Beispiel Mail-Clients. Die meisten Leute lesen ihre E-Mails über irgendeine Webseite.

43:59

Christian: Gechattet wird über irgendwelche Webseiten. News konsumieren viele nicht mehr über einen Newsreader.

44:04

Christian: Und auch Office-Pakete werden heute teilweise vollständig im Webbrowser konsumiert. Das heißt, die Frage, die ihr euch da stellen könnt, ist, ob man vielleicht wieder mehr alleinstehende Anwendungen verwenden möchte. Denn da gibt es auch noch weiterhin eine große Auswahl an Programmen.

44:19

Christian: Ich habe mir das mal angeguckt, so ein aktueller Firefox, der verbraucht, wenn man ihn ohne geöffnete Tabs startet, schon knapp 320 MB. Und wenn man eben nur wenig RAM hat, dann ist es schon sinnvoll, mit weniger RAM zu haushalten. Das funktioniert mit Firefox also nicht. Chromium liegt hier bei 170 MB direkt nach dem Start.

44:39

Christian: Und leider ist es auch so, dass es generell wenig Alternativen im konsolidierten Browsermarkt gibt. Man hat ja die Wahl zwischen Chromium basiert oder eben Firefox. Das sind so die beiden großen Religionen, sage ich jetzt mal. Der Aszendent WebKit, der findet sich vor allen Dingen noch bei Apple Safari oder eben, und das ist einer der alternativen Webbrowser, die ich euch mal ans Herz legen möchte, eben Epiphany Webbrowser.

45:04

Christian: Der ist auch als GNOME Web bekannt. Das ist eben der Browser des GNOME-Projekts. Das ist einer der vielen Lidungs-Desktops. Der belegt ohne geöffnete Webseite ca. 252 mb RAM. Das ist weniger als Firefox, aber auch ein bisschen mehr als Chromium.

45:19

Christian: Dann gibt es noch den Midori-Webbrowser, der basiert inzwischen auch auf Chromium und ist in den meisten Distributionen enthalten. Ist ein bisschen leichtgewichtiger als so ein Firefox.

45:29

Christian: Und ein weiteres Projekt, das es auch noch gibt, das wir hier der Vollständigkeit halber auf jeden Fall erwähnen müssen, ist Pale Moon. Das ist ein seit 2009 existierender Firefox-Fork. Also da wurde der Quellcode von Firefox genommen und anderweitig weiterentwickelt.

45:45

Christian: Der orientiert sich optisch an den Firefox-Versionen zwischen 4 und 28. Das ist also eine richtige Zeitreise. Ich habe das mal auf dem Gerät installiert und aufgemacht und habe mich direkt zehn Jahre zurückgebeamt gefühlt. Und der Browser unterstützt auch die alten Firefox-Add-ons, unter anderem für Java und Flash. Also das Schlagwort ist hier Netscape Plugin API. Und auf der Webseite wird auch betont, dass der Fokus bei Pale Moon auf Privatsphäre liegt.

46:13

Christian: Interessanterweise läuft der auch auf recht alter Hardware. Wichtig ist, dass die CPU auf jeden Fall SSE2 haben muss. Das ist im Prinzip so jede CPU ab dem Pentium 4 aus dem Jahr 2000 oder AMD CPUs ab 2003.

46:27

Christian: Es gibt aber auch noch ein Special Build, der nur mit SSE statt SSE2 auskommt. Da ist die Codebasis aber nochmal älter. Da braucht ihr mindestens ein Pentium 3 von 1999 oder einen AMD Prozessor mit 3D Now Technik, also alles was ab 1998 veröffentlicht wurde.

46:46

Christian: PaleMoon selbst belegt nur 69 MB RAM nach dem Start, aber Vorsicht, wie sicher dieser Browser ist, das kann ich persönlich nicht bewerten. Also sie geben an, dass sie den Code natürlich seitdem weiterentwickeln und das kann man auch rekonstruieren. Wenn man sich den Open Source Quellcode anguckt, sieht man, dass da Dinge reinkommen, dass da entwickelt wird.

47:05

Christian: Aber wie gut das jetzt im Daily-Driver-Betrieb ist, das kann ich nicht beurteilen. Ich würde es jetzt vielleicht nicht unbedingt fürs Banking verwenden, aber ich sage mal, auf Retromaschinen mit einem Pentium 3 oder einem Pentium 4 wird man vermutlich keine wichtigen alltäglichen Dinge tun, sondern da ist das eher so eine Hobby-Liebelei und dafür ist es durchaus eine valide Option.

47:28

Christian: Aber abgesehen vom Webbrowser gibt es ja auch weitere Anwendungssoftware, wo es sinnvoll sein kann, andere Programme zu verwenden, um RAM und CPU-Ressourcen einzusparen. Kurz abgefeuert ein paar Tooltipps, könnt ihr auch alles in den Shownotes nachlesen, da ist das entsprechend verlinkt.

47:43

Christian: Als Dateimanager könnte man sich zum Beispiel mal ROX-File angucken. Wer Code schreibt, der könnte sich mal Genie statt VSCode oder Codium anschauen. Als einfachen Texteditor kann ich Leafpad empfehlen. Und wenn ihr CDs oder DVDs brennt, dann lohnt auch mal ein Blick auf XFBurn aus dem XFCE-Projekt statt dem etwas schwergewichtigen Brasero aus dem GNOME-Projekt.

48:05

Christian: Statt GIMP wäre vielleicht auch MT-Paint eine Option, hat ein bisschen weniger Features, braucht aber auch bedeutend weniger Ressourcen und zum Anzeigen von Bildern könnte man sich Mirage anschauen.

48:17

Christian: E-Mails könnte man nicht mehr über den Webbrowser konsumieren, sondern über einen Standalone-Mail-Client. Da gibt es zum Beispiel Klaffs Mail oder Silphid. Für ersteres gibt es sogar ein Add-on, damit man News über einen Newsreader konsumieren kann, also über RSS- oder Atomfeeds.

48:32

Christian: Wenn ihr aber lieber einen Standalone-RSS-Reader haben wollt, da wäre Live-Re ein weiteres Tool. Für das Abspielen von Musik gäbe es XMMS oder XMMS2, beides frappierende Ähnlichkeiten zu alten Winamp-Versionen. Und als Videoplayer gäbe es zum Beispiel VLC oder MPV.

48:51

Christian: Für diese Standard Office Tätigkeiten kann man statt LibreOffice Writer und Calc, also für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, auch auf Abivert oder Numeric setzen.

49:02

Christian: Die sind bedeutend leichtgewichtiger und laufen auch auf alten Geräten zuverlässig.

49:06

Christian: Und zum Anzeigen von Dokumenten gibt es beispielsweise MuPDF oder Evinz.

49:11

Christian: Wie gesagt, nur eine kleine Auswahl. Ich bin mir sicher, eine kurze Recherche bringt noch mindestens doppelt und dreimal so viele Tooltips auf den Bildschirm.

49:20

Christian: Eine weitere Frage, die ihr euch vielleicht stellt, ist, welchen Desktop sollte man verwenden? Und vielleicht klären wir erstmal, was so ein Desktop überhaupt ausmacht oder eine Desktop-Umgebung.

49:29

Christian: Nun, meistens bestehen die aus einem Login-Manager. Das ist so diese Anmeldemaske vor der Benutzung. Es gibt in aller Regel Window-Decorator oder Window-Manager.

49:38

Christian: Das sind diese Dekorationen für die Fenster, die man aufmacht, damit man die Fenster vergrößern, verkleinern kann, verschieben und schließen kann.

49:45

Christian: Dafür ist dieses Stück Software zuständig.

49:48

Christian: Und auf dem Desktop hat man meistens noch einen Launcher oder einen Dock, also so eine Schnellstartleiste und ein Menü, aus welchem sich Anwendungen heraus starten lassen.

49:58

Christian: Auch nicht fehlen darf eine Statusbar oder Applets, die dann im Hintergrund laufende Anwendungen und Einstellungen anzeigen.

50:06

Christian: Das heißt, es gibt umfangreiche Desktop-Umgebungen mit diesen oben genannten Komponenten.

50:10

Christian: Man kann sich aber auch selbst einfach die Bestandteile raussuchen und mehrere freistehende Anwendungen kombinieren, denn schlussendlich machen diese Desktop-Umgebungen auch nichts anderes.

50:20

Christian: Man kann sich also beispielsweise einen Window-Manager der Wahl raussuchen, sowas wie JVM, IceVM oder Fluxbox, das sind auch eher ressourcensparende Programme.

50:31

Christian: Beim Panel könnte man auf Tint2 oder FB-Panel setzen und so weiter.

50:34

Christian: Da gibt es wirklich unzählige Pakete, die sich kombinieren lassen und das machen auch einige spezielle Linux-Distributionen für alte Hardware. Da kommen wir auch gleich noch drauf zu sprechen.

50:45

Christian: Generell vielleicht zusammengefasst, es gibt ca. 30 verschiedene Desktop-Umgebungen für Linux. Das ist echt eine ganze Menge, da ist glaube ich wirklich für jeden Geschmack was mit dabei.

50:54

Christian: Von den großen Desktops GNOME und KDE würde ich aber aufgrund des Ressourcenverbrauchs bei alter Hardware eher abraten.

51:01

Christian: Fangen wir mal mit ein paar denkbaren Alternativen an, zum Beispiel der XFCE Desktop. Das ist eine leichtgewichtige und aktiv entwickelte Alternative, ist auch in jeder großen Lienungsdistribution enthalten und einer der ältesten Desktops überhaupt. Da liegt der Rahmenverbrauch nach dem Start bei ca. 300 MB. Das Teil ist wenig anspruchsvoll grafisch betrachtet, aber genau da liegt ja auch der Reiz des Tools.

51:25

Christian: Dann gibt es noch den Mate Desktop. Das ist ein Fork des früheren GNOME 2 Desktops. Der entstand damals aus Unzufriedenheit mit dem GNOME 3 Desktop, vor allen Dingen hinsichtlich der Optik und der Ressourcennutzung. Aber das ist ja das Schöne an Open Source. Wenn einem etwas nicht gefällt, kann man es ja forken und besser machen. Also den Quellcode nehmen und nach eigenem Gusto anpassen und weiterentwickeln. Und das ist genau das, was die Community seitdem tut.

51:49

Christian: Da tut sich relativ wenig, also der sieht ziemlich genauso aus, wie Gnome 2 damals aussah, aber ich denke mal, der Desktop ist auch einfach ein Stückchen weit ausentwickelt. Die letzte Version ist vom Februar 2024 und in den meisten Linien-Distributionen ist Mate auch noch enthalten. Hier liegt der Rahmenverbrauch nach dem Start meistens bei ca. 450 MB.

52:11

Christian: Ein weiterer Desktop, der gerne mal vergessen wird, ist das Trinity Desktop Environment oder zusammengefasst TDE. Das ist auch wieder ein Fork, nämlich ein Fork des KDE 3.5 Desktops. Der wurde zwischen November 2005 und August 2008 entwickelt und der entstand ebenfalls aus der Unzufriedenheit mit dem neuen KDE Plasma 4 Desktop, gerade so in Richtung Ressourcenutzung und Optik.

52:34

Christian: Das ist wirklich nischig, würde ich behaupten, wird interessanterweise aber noch weiterentwickelt. Also die aktuelle Version ist vom April 2026 und das ist eine schöne Zeitreise, wenn man vorher schon mal KDE 3.5 benutzt hat.

52:48

Christian: RAM-Verbrauch liegt hier nach dem Start bei ca. 400 MB, also ein kleines bisschen mehr als XFCE.

52:54

Christian: Und der Desktop ist allerdings nicht in vielen DINOS-Distributionen enthalten.

52:58

Christian: Also eine Distribution, die ich hier mal empfehlen kann, ist Q4OS.

53:03

Christian: Das ist eine auf Debian basierte DINOS-Distribution für ältere Hardware.

53:07

Christian: Die hat dann auch extra Themes, damit das aussieht wie Windows 2000, XP und Windows 7.

53:11

Christian: Ist also etwas, das man vielleicht auch eher älteren Usern empfiehlt, die sich nicht mehr umgefühen wollen.

53:17

Christian: Von Q4OS gibt es einmal eine aktuelle 32-Bit-Version, Aquarius heißt die, die wird bis Juni 2028 unterstützt, basiert auf Debian 12 Bookworm und die aktuelle 64-Bit-Version Andromeda, die erhält bis mindestens August 2030 Updates, eben auf Basis von Debian 13 Trixi.

53:40

Christian: Alles mal einen Blick wert, würde ich behaupten. Und je nachdem, was für ein Gerät man hat, macht vielleicht das ein oder andere mehr Sinn. Kann man sich einfach mal anschauen, was einem am besten gefällt.

53:51

Christian: Und wenn ihr jetzt eher noch ältere Gerätschaften in eurer Sammlung habt, für die ihr ein aktuelles Linux finden müsst, dann sei hier mal auf das Projekt SHORC 486er hingewiesen. Das ist ein noch recht frisches Projekt, das Retro Computing Enthusiasten Admiral Shark. Den kennt man vor allen Dingen in der Szene mechanischer Tastaturen, denn der betreibt eine sehr umfangreiche Datenbank über IBM, Lenovo und Unicom Tastaturen.

54:16

Christian: Da lohnt sich auch immer mal ein Blick auf die Webseite, da habe ich schon viel zu Recherchezwecken drauf verbracht.

54:22

Christian: Und die Distribution, die ihr da ins Leben gerufen habt, die richtet sich an alte 486er und Pentium 1 Gerätschaften.

54:29

Christian: Das erkennt man auch daran, dass lediglich 16 MB RAM und 80 MB Festplatte benötigt werden in der kleinsten Konfiguration.

54:37

Christian: Und derzeit besteht die Distribution vor allen Dingen aus zahlreichen Kommandozeilenanwendungen.

54:42

Christian: Da gibt es einen Textbrowser, es gibt FTP, SCP, SSH und Git-Clients, es gibt Texteditoren, WIM, Nano, Emacs und sogar ein Tabellenkalkulationsprogramm.

54:53

Christian: Und hier wird vor allen Dingen auf Muscle statt JLIPC als C-Standard-Bibliothek gesetzt.

54:58

Christian: Das führt nämlich zu kleineren Binärdateien mit geringerer RAM-Auslastung und das eben so auf dem Level, dass es auch auf so einem 486er läuft.

55:07

Christian: Aktuell wird mit ShortGUI aber auch ein minimalistischer Desktop entwickelt.

55:10

Christian: Da gibt es aber noch nichts Vorzeigbares, aber wenn das ein Thema ist, das euch interessiert, dann könnt ihr gerne mal auf GitHub vorbeigucken, denn da findet sich das Ganze und Feedback ist hier immer willkommen.

55:22

Christian: Eine Distribution, die ich vorbehaltlos empfehlen kann, ist Antiex Linux. Das Ganze basiert auf Debian, ist leichtgewichtig und der Fokus liegt hier auf einer intelligenten Softwareauswahl für alte und neue Computer.

55:33

Christian: Es gibt sowohl 32- als auch 64-Bit-Versionen, auch auf Basis von Debian 13.

55:39

Christian: Das heißt, hier ist mal die Extra-Meile gegangen und hat da selbst ISOs gebaut.

55:44

Christian: Und Antiex bietet gleich vier unterschiedliche Innet-Systeme an.

55:47

Christian: Ein Innet-System, das ist im Prinzip das erste Programm, das während dem Boot vom Dienungskern gestartet wird.

55:53

Christian: Und das ist dann dafür zuständig, die ganzen Dienste im Hintergrund in der richtigen Reihenfolge zu starten,

55:59

Christian: sodass man hoffentlich eine funktionale grafische Oberfläche und Netzwerkfunktionalität hat.

56:03

Christian: Das ist heutzutage bei den meisten Distributionen Systemd. Das gilt in manchen Kreisen als überladen und ressourcenhungrig. Deswegen haben sich die EntwicklerInnen entschieden, vier unterschiedliche weitere Initsysteme anzubieten, namentlich RUnit, System5Init, das war der Standard vor Systemd, DInit und S6.

56:23

Christian: Kann ich jetzt gar nicht viel zu sagen zu den unterschiedlichen Input-Systemen.

56:26

Christian: R-Unit ist der Default und der funktioniert für mich hier ziemlich gut, muss ich sagen.

56:30

Christian: Ich habe das hier auf ein, zwei Geräten installiert.

56:33

Christian: Und der Desktop verbraucht nach dem Boot ohne gestartete Anwendungen, abgesehen von der Oberfläche, lediglich 128 MB RAM.

56:40

Christian: Und das ist ein sehr guter Wert für ein aktuelles Linux, wie ich finde.

56:44

Christian: Das liegt auch daran, dass AnteX keinen vollwertigen Standard-Desktop von der Stange mitliefert,

56:49

Christian: sondern hier wurden auch wieder intelligent Komponenten ausgewählt.

56:52

Christian: Wir haben nämlich ISVM als Window Manager und Tint2 als Panel.

56:56

Christian: Könnt ihr euch gerne mal anschauen. Läuft hier auf einigen Geräten sehr gut und ist jetzt auch so meine Standard-Distro,

57:02

Christian: wenn ich irgendwo ein älteres Gerät habe, das ich mit einem aktuellen Linux betanken möchte.

57:07

Christian: Zuvor fiel meine Wahl hier immer auf Bunsen Labs. Das basiert ebenfalls auf Debian und ist ebenfalls leichtgewichtig

57:13

Christian: und gilt als Nachfolger des inzwischen eingestellten Crunchbang-Projekts.

57:18

Christian: Das ist ein bisschen älter, da gibt es mit Crunchbang++ auch eine Nachfolge.

57:22

Christian: Bunsen Labs hatte bis zur aktuellen Version auch immer 32-Bit-Builds. Die neue Version Carbon, die basiert aber auf D-Plan 13 Trixi und deswegen gibt es hier keine 32-Bit-ISOs mehr. Die wollten selbst keine erstellen, aber ihr könnt das ältere Bunsen Labs Reduce Boron, das ist auch in den Shownotes verlinkt, weiterhin verwenden. Das erhält dann auch, da es ja auf D-Plan aufsetzt, mindestens noch bis Juni 2028 Updates.

57:49

Christian: Das heißt, ältere Maschinen könnt ihr gerne noch weiterverwenden und Neuinstallationen gehen dann halt eben nur mit 64-Bit-CPUs.

57:57

Christian: Auch hier ist der Desktop relativ minimalistisch mit ausgewählten Tools, um da RAM und CPU-Ressourcen einzusparen.

58:02

Christian: Wir haben hier Openbox als Window-Manager statt ISVM.

58:06

Christian: Panel ist hier ebenfalls ein Tint 2.

58:08

Christian: An der rechten Seite gibt es einen Konki System Monitor und das ist auch so eine schöne Zeitreise.

58:13

Christian: Das war Anfang der 2000er so ein großes Thema in Linux-Foren, sich seinen Desktop zu pimpen, dass man da so einen schönen Graphen als Hintergrund hatte, wo man dann immer sieht CPU, RAM, Platten und Netzwerkauslastung. Das kommt hier alles frei Haus mit und als Menü kommt hier die Software JG-Mendu zum Einsatz.

58:30

Christian: Eine weitere recht interessante Linux-Distribution ist Void Linux.

58:34

Christian: Die ist komplett eigenständig, das heißt sie basiert auf keinem anderen Derivat.

58:38

Christian: Und das Prinzip von Void Linux ist das KISS-Prinzip, also alles so simpel wie möglich aufzubauen, keinen unnötigen Blow zu enthalten.

58:45

Christian: Und hier gibt es 32 und 64-Bit x86-Bills und sogar ARM-Support.

58:51

Christian: Ein Leinstellungsmerkmal ist, dass Void einen von BSD inspirierten Paketmanager mitbringt.

58:55

Christian: Das heißt, Pakete könnt ihr entweder als Binärpaket installieren oder auch aus dem Quellcode übersetzen lassen.

59:02

Christian: Auch hier kommt kein Systemdiet zum Einsatz, sondern RUnit und das Ganze ist eine sogenannte Running Release Distribution.

59:07

Christian: Das heißt, es gibt keine konkreten Versionen wie Void Linux 1.0 und 2.0, sondern die Pakete werden regelmäßig aktualisiert

59:16

Christian: und ihr könnt im Prinzip täglich oder fast täglich neue Updates installieren.

59:20

Christian: Das ist auch empfehlenswert, das regelmäßig zu tun.

59:23

Christian: wenn man so ein Running Release System mal ein halbes Jahr nicht patcht,

59:25

Christian: können die Versionssprünge nämlich so groß sein,

59:27

Christian: dass das System sich da irgendwo aufhängt

59:30

Christian: und danach viele Dinge nicht mehr so funktionieren,

59:32

Christian: wie es vorher der Fall ist.

59:33

Christian: Habe ich zumindest mit anderen Running Release Distributionen so erlebt.

59:36

Christian: Wie das bei Void zutrifft, kann ich nicht sagen.

59:39

Christian: Aber es ist auf jeden Fall eine sehr spannende Distribution,

59:41

Christian: die hier mal erwähnt sei.

59:43

Christian: Es gibt eine Kommandozeitenvariante davon

59:45

Christian: und ein fertiges XFCE-Abbild.

59:48

Christian: Das kann man dann einfach installieren

59:49

Christian: und hat dann gleich einen funktionalen Desktop.

59:51

Christian: Man kann sich aber auch einfach die Kommandozeilen-Version installieren und dann über die Software-Repositories weitere Desktops installieren.

59:58

Christian: Da gibt es nämlich den Budgie-Desktop, Cinnamon, Enlightenment, Marte, Gnome und KDE Plasma.

1:00:04

Christian: Und vor allen Dingen Enlightenment ist ebenfalls sehr ressourcenschonend.

1:00:09

Christian: Das heißt, wenn ihr euch selbst ein Desktop aufbauen wollt, dann wäre auch das eine Wahl.

1:00:13

Christian: Die Installation erfolgt generell über die Kommandozeile.

1:00:16

Christian: Das heißt, da muss man sich schon sicher mitfühlen, auch auf der Kommandozeile mal so ein paar Dinge einzutippen.

1:00:22

Christian: Es gibt eine Doku, die einem da Step-by-Step erklärt, was man eintragen muss, wie man die Platte partitioniert.

1:00:27

Christian: Das heißt, so komplett ohne Linux-Vorwissen würde ich das jetzt vielleicht nicht machen,

1:00:31

Christian: aber wenn man nur ein bisschen Linux-Know-how hat, dann kriegt man es trotzdem hin, Void Linux zu installieren, wie ich finde.

1:00:37

Christian: Wenn man den XFCE-Desktop installiert, liegt die RAM-Auslastung nach dem Start bei ca. 380 MB.

1:00:44

Christian: Okay, jetzt haben wir viel über Linux gesprochen, aber es gibt natürlich auch noch Nischenbetriebssysteme, die hier auch ihren Platz in der Episode finden sollen, denn mit über 600 Linux-Distributionen ist Linux schon lange kein Nischenthema mehr.

1:00:55

Christian: Viele Linux-Distributionen basieren ja auch inzwischen auf anderen Distributionen, zum Beispiel Ubuntu, sehr bekannt, basiert auf Debian.

1:01:02

Christian: Es gibt viele Red Hat-artige Distributionen wie RHEL, Alma, Rocky, Linux, Fedora und viele Distributionen, die auch auf Arch Linux basieren, wie zum Beispiel KashiOS, so einer der angesagtesten Distros im Moment.

1:01:16

Christian: Das heißt, fernab des Mainstreams gibt es ja auch noch sehr spannende Projekte, die genutzt werden wollen.

1:01:20

Christian: Und drei spannende Projekte, wie ich finde, habe ich euch mal mitgebracht.

1:01:25

Christian: Beginnen wir mal mit Haiku.

1:01:27

Christian: Flimmern der Bildschirm, altes System startet leis, Disketten träumen.

1:01:32

Christian: Äh, Moment, das ist nicht das, was ich gesucht habe.

1:01:35

Christian: Bernsteinfarbenes Licht, DOS wartet im Speicher still, Tasten wecken Kraft.

1:01:41

Christian: Achso, ich meine natürlich das Betriebssystem, nicht die Gedichtform.

1:01:45

Christian: Macht übrigens Spaß, wenn man auf der Fehlersuche ist und dann ständig auf Gedichte statt auf Anleitungen trifft.

1:01:50

Christian: Also es gibt auch ein Betriebssystem, das Haiku heißt.

1:01:54

Christian: Und das wird seit 2002 entwickelt, also auch schon seit über 20 Jahren.

1:01:59

Christian: Und das Ganze ist an BEOS angelehnt und zu diesem auch binärkompatibel.

1:02:04

Christian: Und wenn ihr noch nie was von BEOS gehört habt, hier ein kleiner Exkurs.

1:02:07

Christian: Das wurde zwischen Oktober 1995 und Mai 2000 entwickelt und galt seinerzeit als sehr innovativ.

1:02:14

Christian: Es hatte den Fokus auf Multimedia und Multitasking und vor allen Dingen auch auf Desktop-User.

1:02:19

Christian: Das heißt, das war eher ein Einzelplatzsystem.

1:02:22

Christian: Es gab da keine User-Content mit unterschiedlichen Verzeichnissen, wo man seine Daten sicher ablegen konnte,

1:02:29

Christian: sondern das war für den Rechner gedacht, den man eben einschaltet und einfach verwendet.

1:02:33

Christian: BIOS lief auf 32-Bit x86 und Power-PC-Prozessoren und unterstützte auch bis zu 8 Prozessoren.

1:02:40

Christian: Es hatte seinerzeit auch einen Speicherschutz, damit abgestürzte Programme nicht den gesamten Rechner mitrissen.

1:02:46

Christian: Und es hatte auch ein sehr leistungsfähiges Dateisystem BFS und war in der Lage, Windows, Linux und macOS Dateisysteme zu lesen und teilweise auch beschreiben zu können.

1:02:56

Christian: In Summe war es also deutlich stabiler und innovativer als das, was damals Betriebssysteme wie Windows 95 oder macOS anbieten konnten und war deswegen kurzzeitig auch ein Hype-Betriebssystem, könnte man sagen.

1:03:10

Christian: Das führte auch dazu, dass es kurzzeitig, genauer gesagt zwischen 1995 und 1997, einen eigenen Tower-Computer gab, die sogenannte B-Box.

1:03:19

Christian: Die hatte zwei Power-PC-CPUs mit 66 und später 133 MHz.

1:03:25

Christian: Es gab bis zu 256 MB Arbeitsspeicher, eine S3-Grafikkarte und ganz spannend bei den Prozessoren,

1:03:31

Christian: die Auslastung wurde mit einer LED-Leiste an der Gehäusefront angezeigt.

1:03:36

Christian: Blinken-Lights nannte man das auch.

1:03:38

Christian: Das sah cool aus und man hat im Prinzip direkt gesehen, wie ausgelastet der Rechner ist, ohne dass man den Task Manager öffnen musste.

1:03:45

Christian: Es gab interne und externe IDE und SCSI-Controller und darüber hinaus auch drei PCI- und fünf ISA-Slots für Erweiterungskarten,

1:03:53

Christian: einen Parallelanschluss, Audioanschlüsse und sogar einen eigenen programmierbaren Erweiterungsport, der Geekport hieß.

1:03:59

Christian: Man konnte also auch durchaus eigene Hardware-Erweiterungen designen und die programmatisch dann ansteuern.

1:04:04

Christian: Klingt nach einem sehr spannenden Projekt, aber leider ist das Ganze ja offenkundig gefloppt.

1:04:09

Christian: Das lag zum einen daran, dass Beos erst relativ spät für die Intel-Plattform erschien, nämlich 1998.

1:04:16

Christian: Da war man jetzt aber leider schon zu spät, denn Microsoft und Apple haben inzwischen nachgelegt und ihre Produkte verbessert.

1:04:23

Christian: Man hat dann versucht, das Beos-Betriebssystem noch für Internet-Appliances umzubauen.

1:04:27

Christian: Das waren so Kleinstrechner, die man an den Fernseher anschließen konnte, um dann da eben im Internet zu surfen.

1:04:33

Christian: aber der Markt hatte sich zwischenzeitlich einfach schnell weiterentwickelt.

1:04:36

Christian: Und so kam es, wie es kommen musste.

1:04:38

Christian: 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an und es wurde dann von Palm gekauft und die Entwicklung eingestellt.

1:04:45

Christian: Sehr schade, wie ich finde, denn es war eigentlich ein ziemlich innovatives Betriebssystem.

1:04:50

Christian: Man hat halt leider zu sehr an der eigenen Hardware festhalten wollen und sich da ein bisschen verzettelt.

1:04:55

Christian: Sonst würde die Geschichte vielleicht anders aussehen heute.

1:04:59

Christian: Aber wie dem auch sei, Haiku OS ist optisch genau das, was Beos war, nur eben in moderner.

1:05:05

Christian: Es ist komplett neu geschrieben worden, es wurde hier kein alter Quellcode übernommen, denn der gehörte ja Palm und später HP.

1:05:11

Christian: Man hat es neu entwickelt und hat teilweise auch Code aus den BSD- und Linux-Projekten genutzt, zum Beispiel für einzelne Gerätetreiber.

1:05:19

Christian: Das Ganze wird heute immer noch aktiv entwickelt. Es gibt monatliche Status-Updates auf der Webseite, die man einsehen kann.

1:05:25

Christian: Und Haiku ist auch häufig Teil der Google Summer of Code Events.

1:05:30

Christian: Seit 2013 hat das Betriebssystem einen eigenen Paketmanager, das bedeutet Updates und neue

1:05:35

Christian: Software könnt ihr leicht per Mausklick in der Oukui installieren, das ist recht komfortabel.

1:05:40

Christian: Und auch moderne Anwendungsprogramme wie Firefox oder LibreOffice wurden für Haiku portiert.

1:05:46

Christian: Alte Anwendungen, die ihr vielleicht noch aus der Zeit habt, könnt ihr meistens einfach

1:05:49

Christian: weiterverwenden und seit einiger Zeit gibt es sogar einen 64-Bit Intel- und AMD-Port

1:05:54

Christian: und sogar eine ARM-Variante. Generell ist der Desktop aufgeräumt und recht schlank,

1:05:59

Christian: und auch das Bedienkonzept finde ich recht spannend,

1:06:01

Christian: denn man kann Anwendungen in Tabs anordnen.

1:06:04

Christian: Geht so ein kleines bisschen in so einer Tiling-Window-Manager-Ecke vielleicht,

1:06:09

Christian: wenn man das möchte.

1:06:10

Christian: Und ich habe das hier auf ein, zwei älteren Thinkpads

1:06:12

Christian: und die laufen erstaunlich gut damit.

1:06:14

Christian: Also begnügt sich wirklich mit wenig Ressourcen

1:06:18

Christian: und ist deshalb auch eine Wahl, wenn ich ältere Gerätschaften verwenden möchte.

1:06:22

Christian: Kurz aus dem Handbuch zitiert, ihr braucht mindestens 384 MB RAM,

1:06:27

Christian: Empfehlenswert sind 1,5 GB Festplatte und eine Grafikkarte, die VESA unterstützt.

1:06:33

Christian: Wenn man richtig Spaß mit dem Betriebssystem haben möchte,

1:06:35

Christian: sollte es aber mindestens ein Pentium 4 mit 512 mAh sein und 3 GB Festplatte sollten ausreichen.

1:06:41

Christian: Das nächste Nischenbetriebssystem ist ReactOS.

1:06:44

Christian: Das wird seit 1996 entwickelt und ist als freies Betriebssystem gedacht,

1:06:49

Christian: das zu Windows NT binär kompatibel sein soll.

1:06:53

Christian: Ist inzwischen also auch stolze 30 Jahre alt.

1:06:55

Christian: Das Projekt hieß früher mal FreeWin95 und hatte einen anderen Fokus, sollte nämlich eine quelloffene Alternative zu Windows 95 werden. Da hat man aber gemerkt, das ist vielleicht gar nicht so lohnenswertes Ziel und wenig Leute am Anfang konnten wenig bewirken und irgendwann wurde der Fokus des Projekts neu ausgerichtet.

1:07:13

Christian: Und jetzt ist es eben ReactOS. Das hat auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Wine-Projekt, was ja ein Windows-Emulator oder API-Emulator für Linux und Unix ist. Die meiste Entwicklung für ReactOS dürfte aber über Reverse-Engineering zustande kommen. Und das braucht dann eben seine Zeit, deswegen gibt es das Projekt auch schon so lange.

1:07:34

Christian: Interessant ist auch, dass der Netzwerkkode in Teilen von dem FreeBSD-Projekt stammt.

1:07:39

Christian: Wenn man sich jetzt ReactOS so anguckt, dann erinnert das optisch sehr stark an Windows 2000 und XP.

1:07:45

Christian: Nur die GTK-Symbole, die man vielleicht auch aus dem Nome-Desktop kennt, die verraten dann die Herkunft, dass es nämlich kein echtes Windows ist.

1:07:53

Christian: Ich schaue da immer mal wieder rein. Das meiste Spannende passiert aber eigentlich eher unter der Haube.

1:07:59

Christian: Das heißt, optisch sieht das unspektakulär aus, aber in den neuen Versionen gibt es immer neue RP-Calls, Kernel, Funktionen und Treiber, die dann nachgearbeitet und verbessert werden.

1:08:10

Christian: Das Projekt zählt immer noch zu den Alpha-Projekten.

1:08:13

Christian: Die letzte Version 0.4.15, die stammt vom März 2025, wird also immer noch weiterentwickelt.

1:08:20

Christian: Ich denke, das ist weniger für den täglichen Betrieb geeignet, aber es lässt sich schon erstaunlich viel Software damit betreiben.

1:08:27

Christian: Könnt ihr mal auf der Webseite vorbeischauen, da kann man teilweise Office-Pakete von vor zehn Jahren mittlerweile fehlerfrei drauf betreiben, was eben auch unter anderem an der guten Zusammenarbeit mit Wine liegt.

1:08:36

Christian: Und wenn ihr mal ein Windows ohne Windows haben wollt, dann wäre das mal ein Projekt, das man sich anschauen könnte.

1:08:42

Christian: Das letzte spannende Betriebssystem, das ich mitgebracht habe, heißt Colibri OS und das ist ein kleines In-Assembler geschriebenes Betriebssystem für x86 CPUs ab der Pentium-Klasse.

1:08:53

Christian: Das heißt also wirklich auch alte Rechner können sich damit noch booten lassen.

1:08:57

Christian: Das wird seit 2004 entwickelt und basiert auf dem früheren Menuet OS Projekt, das mittlerweile eingestellt wurde.

1:09:03

Christian: Und Colibri OS kommt mit einem vollwertigen Desktop mit Anwendungssoftware.

1:09:08

Christian: Da gibt es einen Webbrowser, Texteditoren, eine Kommandozeile und 30 einfache Spiele und Tag-Demos.

1:09:14

Christian: Und sogar Treiber für einige Sound-, Netzwerk- und Grafikkarten.

1:09:18

Christian: Das heißt, wenn man da mal guckt, welche Treiber enthalten sind, das kann man auch auf echter Hardware verwenden.

1:09:23

Christian: und hat dann wirklich ein minimalistisches Betriebssystem, das wenig Ressourcen braucht.

1:09:27

Christian: Colibri OS kann Windows- und Dienungsdateisysteme lesen und benötigt nur knapp 12 MP RAM

1:09:33

Christian: und läuft wirklich erstaunlich flüssig dafür.

1:09:36

Christian: Die aktuelle Version ist vom September 2025 und das Projekt wurde auch zum Google Summer of Code 2026 zugelassen.

1:09:43

Christian: Also durchaus ein Special-Interest-Projekt würde ich es mal nennen, das aber aktiv weiterentwickelt wird

1:09:49

Christian: und wo auch andere Leute eine gewisse Notwendigkeit drin sehen.

1:09:53

Christian: Auch dieses Projekt ist unbedingt mal einen Blick wert.

1:09:56

Christian: Fassen wir mal zusammen: Wie so oft ist die Auswahl größer als einem lieb sein dürfte.

1:10:01

Christian: Neben zeitgenössischer Museumssoftware kommen auch neuere Betriebssysteme durchaus für ältere

1:10:06

Christian: Hardware in Frage. Vor allen Dingen Linux und eine sinnvolle Softwareauswahl können euch dabei helfen,

1:10:10

Christian: alte Hardware länger einzusetzen. Bei den Nischen Betriebssystemen haben wir wirklich

1:10:15

Christian: nur an der Oberfläche gekratzt, da gibt's noch viel mehr zu entdecken. Bin mir sicher,

1:10:19

Christian: ihr habt da vielleicht auch das ein oder andere Betriebssystem schon mal gesehen.

1:10:22

Christian: das man hier hätte noch erwähnen können, aber dann wäre das eine bedeutend längere Episode geworden.

1:10:28

Christian: Abschließend würde mich natürlich interessieren, liebe Zuhörende, was ist denn euer Go-To-Betriebssystem?

1:10:33

Christian: Nutzt ihr auf euren Geräten eher alte oder neue Software?

1:10:36

Christian: Könnt ihr ja gerne mal als Feedback dalassen.

1:10:39

Christian: Vielleicht gibt es ja auch das ein oder andere Projekt, das hier komplett gefehlt hat, das ihr weiterempfehlen wollt.

1:10:43

Christian: Auch dann freue ich mich über Ideen.

1:10:46

Christian: Generell ist mir Feedback wichtig.

1:10:47

Christian: Das heißt, wenn ihr konstruktive Kritik oder Feedback habt, dann erreicht ihr mich am zuverlässigsten per E-Mail an podcast.thinkpad-museum.de.

1:10:56

Christian: Ich freue mich über Bewertungen über den Podcatcher eurer Wahl.

1:10:59

Christian: Folgt gerne mal bei Mastodon rein, da gibt es das Ganze hier auf podcast.social unter dem Handel Thinkpad Museum.

1:11:05

Christian: Und auf der Webseite findet ihr auch eine Matrix-Community.

1:11:09

Christian: Für heute soll es das aber mal gewesen sein.

1:11:11

Christian: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zu einer der nächsten Episoden.