1
00:00:20,680 --> 00:00:23,820
Christian: Hallo und herzlich willkommen zur 24.

2
00:00:23,880 --> 00:00:31,220
Christian: Episode des Thinkpad Museum Podcasts aufgenommen am 7. Juni 2026. Die heutige Episode dreht sich

3
00:00:31,380 --> 00:00:37,240
Christian: ganz um das, was alle Computer benötigen, ein passendes Betriebssystem. Beim Retro-Computing

4
00:00:37,340 --> 00:00:42,000
Christian: reden wir hier häufig von zeitgenössischen Betriebssystemen wie z.B. MS-DOS oder führen

5
00:00:42,180 --> 00:00:49,879
Christian: Windows-Versionen z.B. 3.1, 95 oder XP. Die knappe Verfügbarkeit von RAM-Modulen und SSDs hat aber

6
00:00:49,900 --> 00:00:54,360
Christian: Nicht nur ein Einfluss auf neue Rechner, auch das Retro-Computing-Hobby leidet massiv darunter.

7
00:00:54,920 --> 00:00:59,140
Christian: So sind Gebrauchtgeräte in Summe teurer geworden und die Geräte werden auch generell länger benutzt,

8
00:00:59,210 --> 00:01:02,400
Christian: was ja prinzipiell eigentlich eine begrüßenswerte Einstellung ist.

9
00:01:03,370 --> 00:01:07,280
Christian: Und auch alten Geräten kann man mit der richtigen Software neues Leben einhauchen

10
00:01:07,280 --> 00:01:08,940
Christian: und genau darum soll es heute gehen.

11
00:01:09,490 --> 00:01:13,720
Christian: Doch bevor wir uns da jetzt gleich reinstürzen, werfen wir nochmal einen Blick auf die News.

12
00:01:19,479 --> 00:01:24,020
Christian: Da gibt es zum einen ein Follow-Up zu den News der letzten Episode, denn die Preise

13
00:01:24,140 --> 00:01:27,800
Christian: verschiedener L- und P-Modelle sind nun bekannt.

14
00:01:27,800 --> 00:01:29,479
Christian: Da werfen wir mal einen kurzen Blick drauf.

15
00:01:30,020 --> 00:01:36,380
Christian: Generell sind die Grundfigurationen in aller Regel mit 16 GB RAM, das L-Modell sogar nur

16
00:01:36,380 --> 00:01:41,599
Christian: mit 8 GB und die meisten Geräte haben eine 512 GB große SSD, manche Modelle aber auch

17
00:01:41,620 --> 00:01:48,000
Christian: nur eine 256 GB große SSD und das ist natürlich der geopolitisch-ökonomischen Situation geschuldet

18
00:01:48,000 --> 00:01:52,720
Christian: und ich habe schon lange keine Grundconfig mehr mit so einer kleinen SSD gesehen, aber

19
00:01:53,100 --> 00:01:56,800
Christian: nun, man muss etwas kreativ werden, wenn die Preise gedrückt werden sollen. Fangen wir

20
00:01:56,820 --> 00:02:04,419
Christian: mal mit dem P14s G7 in der AMD Fassung mit LPCAM 2 an. Das startet bei 2069 Euro, dafür

21
00:02:04,440 --> 00:02:11,920
Christian: bekommt ihr einen Ryzen 5 16GB RAM, besagte kleine 256er SSD und ein 1200p Display.

22
00:02:13,100 --> 00:02:19,560
Christian: Die Intel Version, das P14s G7 ist ein bisschen teurer, da müsst ihr mit 2500 Euro aufwärts

23
00:02:19,720 --> 00:02:24,480
Christian: rechnen, bekommt aber dafür einen Ultra 7. Der Rest der Konfiguration ist ähnlich,

24
00:02:24,770 --> 00:02:29,760
Christian: die SSD ist 512GB groß und es gibt eine RTX Pro 1000 GPU.

25
00:02:29,920 --> 00:02:37,720
Christian: Beim P16s G5 gibt es in der AMD-Fassung eine Konfiguration, die bei 1.959 Euro beginnt. Auch

26
00:02:37,740 --> 00:02:46,100
Christian: hier gibt es den Ryzen 5 16GB LPCAM2 RAM, 512GB SSD und das besagte 1200p Display.

27
00:02:46,980 --> 00:02:52,020
Christian: Auch hier ist die Intel Version ein kleines bisschen teurer, die liegt nämlich bei 2129

28
00:02:52,460 --> 00:02:58,179
Christian: Euro. Hier gibt es den Intel Ultra 7 und der Rest der Konfiguration ist ähnlich. Ist aber

29
00:02:58,200 --> 00:03:03,520
Christian: auch kein Problem, die Maximalkonfiguration abzugraden. Ich habe mal geguckt, wenn man

30
00:03:03,570 --> 00:03:08,200
Christian: wirklich alles anwählt, größte SSD, größtes Display und so weiter, dann landet man bei

31
00:03:08,470 --> 00:03:15,460
Christian: beiden Modellen, egal ob Intel oder AMD, bei ca. 6.500 Euro. Da spielt aber auch der RAM

32
00:03:15,520 --> 00:03:22,720
Christian: mit rein. Also allein die 96 GB LPCAM 2 RAM liegt so bei, ich glaube, 1.300, 1.500 Euro

33
00:03:22,800 --> 00:03:27,479
Christian: in dem Dreh rum. Also allein der RAM schlägt dann schon ordentlich zu Buche, wenn man dann

34
00:03:27,500 --> 00:03:30,780
Christian: eine dickere GPU haben will, dann kostet das natürlich auch nochmal extra.

35
00:03:31,860 --> 00:03:37,960
Christian: Auch die L-Serie wird etwas teurer. Das L16G3 in der AMD-Fassung kostet mindestens 1419 Euro.

36
00:03:38,300 --> 00:03:47,200
Christian: Hier gibt's auch wieder den Ryzen 5, 16GB, 256GB SSD und das gleiche 1200P-Panel. Die Preise der

37
00:03:47,300 --> 00:03:50,500
Christian: Intel-Fassung konnte ich zum Zeitpunkt der Aufnahme noch nicht rausfinden.

38
00:03:50,780 --> 00:04:19,100
Christian: Und beim L14 G6 in der AMD-Fassung beginnen die Preise bei 1194 Euro. Ähnliche Konfiguration, allerdings gibt es auch hier eine Variante mit nur 8 GB DDR5 RAM, die kommt dann mit einer 512er SSD, aber 8 GB RAM finde ich ein bisschen arg wenig, wenn man da mit einem aktuellen Betriebssystem arbeiten möchte. Die wesentlich sinnvollere Konfiguration mit 16 GB Arbeitsspeicher, die liegt bei 1434 Euro.

39
00:04:19,780 --> 00:04:45,440
Christian: Dann gibt es noch ein paar Details zum T14 Gen 7, da haben wir ja auch in der letzten Episode drüber gesprochen. Die KollegInnen von NotebookCheck haben nämlich einen ersten Testbericht der Intel-Version veröffentlicht und da schneidet das Gerät mit knapp 89% sehr gut ab. Es wird für die hohe Reparierbarkeit und die Vielzahl der Anschlüsse gelobt. Es wird auch betont, das Gerät sei kühl und leise und auch Lautsprecher und die Akkulaufzeit wurden verbessert.

40
00:04:45,580 --> 00:04:49,020
Christian: Die Intel Version ist jetzt merklich effizienter als die AMD Version.

41
00:04:49,860 --> 00:04:59,520
Christian: Getestet wurde das Modell mit einem 60 Wh Akku und der schafft es im WLAN Test bei 150 Candela auf ca. 18 Stunden Akkulaufzeit und das ist natürlich beachtlich.

42
00:05:00,420 --> 00:05:07,140
Christian: Bei voller Helligkeit sind immerhin noch ganze 10 Stunden drin und das ist deutlich über dem, was ich jetzt hier bei meinem etwas älteren Gerät habe.

43
00:05:07,520 --> 00:05:09,420
Christian: Das klingt auf jeden Fall nach einem guten Upgrade.

44
00:05:09,800 --> 00:05:21,040
Christian: Das bedeutet aber auch, wenn man den optionalen 75 Wh Akku verbaut, die Option gibt es ja beim Bestellen, dürften diese Werte nochmal etwas besser sein und ein paar Stunden mehr Akkulaufleistung drin sein.

45
00:05:21,580 --> 00:05:30,080
Christian: Natürlich muss es aber auch Nachteile geben, denn die Leistung ist nicht besser als beim vorherigen Modell und es wurde auch angemeckert, dass die SSD unter Last gedrosselt wird.

46
00:05:30,600 --> 00:05:36,220
Christian: Ferner ist das Standard-Display, das besagte 1200p IPS-Panel, nicht sonderlich gut.

47
00:05:36,270 --> 00:05:43,140
Christian: Es hat eine schlechte Farbraumabdeckung, die liegt nämlich nur bei 45% und auch die Helligkeit ist mit 400 Candela überschaubar.

48
00:05:44,160 --> 00:05:54,500
Christian: Deutlich besser und auch etwas heller ist das Low-Power-Display, das hat ebenfalls 1200p und ist ein IPS-Panel, hat aber 500 Candela, kommt jetzt aber in der Generation mit Touch daher.

49
00:05:55,070 --> 00:05:58,360
Christian: Wenn man das nicht möchte, könnte man sich an diesem Feature vielleicht stören.

50
00:05:58,680 --> 00:06:20,320
Christian: Und dann haben sich die Kolleginnen nochmal das T14 Gen 6 und 7 im Fotovergleich angeschaut und haben die vielen kleineren Designunterschiede mal in Fotoform festgehalten. Das habe ich euch in den Shownotes verlinkt, liebe Zuhörender. Da sieht man zum Beispiel, dass das Displayscharnier breiter ist und die Displayränder deutlich schmaler sind, teilweise ein Millimeter Unterschied. Das macht dann doch viel aus bei so einem kleinen Gerät.

51
00:06:21,180 --> 00:06:27,600
Christian: Was ein bisschen ungewohnt aussieht, ist die Tatsache, dass die Ecken an den Display-Rändern nun abgerundet sind.

52
00:06:27,850 --> 00:06:33,180
Christian: Das kenne ich persönlich eher so aus dem Consumer-Bereich und weiß noch gar nicht so richtig, wie ich das finden soll.

53
00:06:33,320 --> 00:06:35,740
Christian: Ich finde, das sieht sehr ungewohnt aus, zumindest auf den Bildern.

54
00:06:36,380 --> 00:06:40,920
Christian: In echt habe ich ein solches Gerät allerdings noch nicht gesehen, von daher will ich jetzt mal nicht zu schnell urteilen.

55
00:06:41,750 --> 00:06:51,020
Christian: Die Basiseinheit ist ca. 1 mm dicker und angemerkt wurde auch die gewöhnungsbedürftige Tastaturschrift, die nun zentriert ist.

56
00:06:51,120 --> 00:06:54,820
Christian: Das hatten wir ja auch schon in der letzten Episode einmal kurz vermerkt.

57
00:06:55,800 --> 00:07:01,460
Christian: Dann haben mich einige von euch letzten Monat auf eine recht interessante Maus aufmerksam gemacht, die Plupi Bean.

58
00:07:02,340 --> 00:07:08,180
Christian: Wem Plupi nicht sagt, das ist ein kanadischer Hersteller von Eingabegeräten, vor allen Dingen Trackballs und Mäusen.

59
00:07:09,000 --> 00:07:19,480
Christian: Das meiste davon ist auch Open Source, das heißt es gibt Druckvorlagen für Ersatzteile, für Gehäuse und in aller Regel lassen sich viele der verkauften Eingabegeräte auch mit quäloffener Firmware benutzen.

60
00:07:20,040 --> 00:07:25,120
Christian: Und das neueste Produkt von Plupi ist die Bean, eine Maus mit einem 3D-gedruckten Gehäuse.

61
00:07:25,200 --> 00:07:28,800
Christian: Und jetzt fragt ihr euch vielleicht, warum sprechen wir hier über Mäuse? Das ist doch das ThinkPad-Museum.

62
00:07:29,360 --> 00:07:34,020
Christian: Nun, die Maus hat einen Checkpoint und somit hat sie sich hier eine News in dieser Episode verdient.

63
00:07:34,780 --> 00:07:37,720
Christian: Sieht recht interessant aus, könnt ihr auch mal einen Blick in die Shownotes werfen.

64
00:07:38,000 --> 00:07:45,500
Christian: Die Maus hat einen TMGA5273-Magnetsensor mit einer Abtastrate von 1000 Hz oder höher.

65
00:07:46,200 --> 00:07:54,300
Christian: Verbaut sind auch vier Omron D2 L221-Switches, die auf der Produktseite als knackig und präzise beschrieben wurden.

66
00:07:54,760 --> 00:08:01,520
Christian: Und betont wird hier auch nochmal, dass die Maus mit der quelloffenen QMK- oder VIA-Firmware betrieben werden kann.

67
00:08:01,520 --> 00:08:09,800
Christian: Der Preis liegt bei 69 kanadischen Dollar, das sind umgerechnet so 44 Euro, aber da muss man natürlich noch Versand und Zoll drauf rechnen.

68
00:08:10,140 --> 00:08:26,980
Christian: Ich finde die Idee witzig und auch cool, aber ich frage mich so ein bisschen, wie ergonomisch und nützlich das Ganze eigentlich sein soll. Denn der Witz des Trackpoints liegt ja darin begründet, dass er genau da liegt, wo ohnehin schon die Hände zum Tippen liegen, nämlich auf der Tastatur. Deswegen liegt der Trackpoint ja zwischen den GH- und B-Tasten.

69
00:08:27,320 --> 00:08:45,500
Christian: Das heißt also, mit dieser Maus nimmt man die Hand von der Tastatur, um diese Maus anzufassen, die man ja aber dann auch nicht bewegen kann bzw. bewegen muss, weil sie ja einen Checkpoint hat. Das ist jetzt zumindest meine Interpretation der Maus, vielleicht übersehe ich da aber auch irgendetwas, da bin ich natürlich für Hinweise dankbar.

70
00:08:45,880 --> 00:08:48,580
Christian: Generell würde mich auch interessieren, liebe Zuhörer, was ihr darüber denkt.

71
00:08:48,870 --> 00:08:52,360
Christian: Ist das eher ein nettes Gimmick oder ist das was, das ihr euch für den Alltag auch vorstellen könnt?

72
00:08:53,160 --> 00:08:57,420
Christian: Der Christoph vom Kern- und Kernobst-Podcast, die hießen früher das Triumvirat,

73
00:08:57,420 --> 00:09:00,620
Christian: die waren ja auch schon mal zu Gast, als wir über PDAs gesprochen haben,

74
00:09:00,620 --> 00:09:02,540
Christian: der hat sich natürlich einen solchen gleich bestellt.

75
00:09:02,540 --> 00:09:06,900
Christian: Der Christoph sammelt nämlich Trackballs und generell alles, was Plupi so baut.

76
00:09:06,900 --> 00:09:08,800
Christian: Und der scheint ganz angetan davon zu sein.

77
00:09:08,800 --> 00:09:13,180
Christian: Ich habe euch in den Shownotes mal Mastodon-Post mit Fotos und einem Video verlinkt.

78
00:09:13,180 --> 00:09:15,140
Christian: Könnt ihr mal reinschauen und euch selbst einen Eindruck davon machen.

79
00:09:15,260 --> 00:09:33,000
Christian: Und last but not least noch eine News, die mich ein bisschen überrascht hat in der letzten Zeit, denn Lenovo übernimmt den BIOS-Hersteller Phoenix Technologies. Zumindest hat Lenovo die vollständige Übernahme des Firmware-Entwicklers bekannt gegeben und Phoenix ist einer der drei wichtigsten Firmware-Hersteller im PC-Markt, muss man festhalten.

80
00:09:33,320 --> 00:09:58,540
Christian: Das bedeutet vor allen Dingen, dass geistiger Eigentum dürfte für Lenovo von hohem Wert gewesen sein. Lenovo selbst beschreibt die Akquisition als strategischen Schritt nach vorn, man will damit das eigene Portfolio stärken. Und zwischen den beiden Firmen, also zwischen Lenovo und Phoenix, besteht schon seit über 20 Jahren eine Partnerschaft. Man hat also schon zusammengearbeitet und Firmware für die eigenen Geräte entwickeln lassen und dürfte somit ganz gut ins Portfolio passen.

81
00:09:58,840 --> 00:10:10,900
Christian: Zum finanziellen Volumen des Deals gibt es keine Details, liegt auch unter anderem vermutlich daran, dass Phoenix Technologies kein an der Börse notiertes Unternehmen war und deswegen stillschweigend darüber gewahrt wird.

82
00:10:11,650 --> 00:10:19,320
Christian: Zu Phoenix selbst sei noch gesagt, die Firma wurde 1979 in den USA gegründet. Spuren wir mal so ein bisschen zurück, was ist damals so passiert?

83
00:10:19,520 --> 00:10:34,820
Christian: Naja, die haben damals ursprünglich das 86-DOS-Betriebssystem entwickelt, das dann auch später die Basis für MS-DOS bildete. Und als 1983 der IBM-PC erschien, entwickelte Phoenix ein vollständiges, kompatibles BIOS per Reverse-Engineering.

84
00:10:34,940 --> 00:11:00,200
Christian: Denn IBM hatte ja kein großes Interesse daran, sich in die Karten schauen zu lassen und wollte eigentlich lieber das eigene Produkt weiterentwickeln und die Konkurrenz nicht unbedingt mit Ideen beliefern. Das haben wir also Phoenix zu verdanken, dass der PC-Markt sich so entwickelt hat, wie er sich entwickelt hat. Und 1998 wurde Phoenix Technologies bereits von dem BIOS-Hersteller Award übernommen. Und somit dann jetzt die nächste Evolutionsstufe, das Ganze bei Lenovo.

85
00:11:00,340 --> 00:11:23,940
Christian: Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich das finden soll. Es ist natürlich eine Konsolidierung des Marktes. Es passt gut ins Portfolio und Lenovo ist bisher nicht bekannt dafür gewesen, Dinge einzustampfen, die sie übernommen haben. Also ich hoffe doch, dass es auch in Zukunft weitere BIOS-Firmware-Versionen von Phoenix oder jetzt eben Lenovo geben wird. Schauen wir mal, was sich daran so tut. Kann es noch nicht so ganz einschätzen.

86
00:11:27,760 --> 00:11:38,640
Christian: Und damit kommen wir zum Thema der heutigen Episode, die Wahl des Betriebssystems. Das ist so die erste Frage, die ich mir immer stelle, wenn man mir einen alten oder neuen Computer auf den Tisch stellt und vielleicht geht es euch ja ähnlich, liebe Zuhörer.

87
00:11:39,100 --> 00:11:59,360
Christian: Man muss zunächst mal klären, wie will ich das Gerät generell benutzen? Soll das ein Gerät sein, das ich rein für Retro-Zwecke verwende oder vielleicht auch mit aktueller Software? Also viele der Geräte in meiner Sammlung werden mit zeitgenössischen Betriebssystemen betrieben, also das, was auch auf der Gehäuseunterseite in Form eines Lizenzstickers angebracht wurde, versuche ich dann eben auch zu installieren.

88
00:11:59,920 --> 00:12:17,260
Christian: Wenn die Geräte jetzt nicht gerade 20 Jahre alt sind, experimentiere ich da aber auch gern mal mit aktueller Software drauf, denn dann kann man so ein Gerät eben auch sicher mit dem Internet verbinden. Das sollten wir hier nochmal in aller Deutlichkeit festhalten. Alte Software sollte nicht ins Internet. Also für Offline-Liebeleien ist das durchaus eine valide Wahl.

89
00:12:17,580 --> 00:12:25,920
Christian: Wenn man nochmal eine alte Software, ein altes Betriebssystem und das alte Lieblingsvideospiel in authentischer Darreichungsform genießen möchte, dann ist das fein.

90
00:12:26,220 --> 00:12:31,120
Christian: Aber bitte nicht auf einem Windows 95 Rechner mit dem Internet Explorer ins Internet gehen.

91
00:12:31,660 --> 00:12:33,100
Christian: Das kann nur nach hinten losgehen.

92
00:12:33,780 --> 00:12:39,840
Christian: Und in der Folge wollen wir so ein bisschen mal behandeln, ist es eher sinnvoll zeitgenössische Betriebssysteme zu verwenden?

93
00:12:40,220 --> 00:12:46,960
Christian: Was wäre da besonders reizvoll? Oder lohnt vielleicht auch ein Blick auf ein Linux- oder ein Nischenbetriebssystem?

94
00:12:47,160 --> 00:12:51,920
Christian: Beginnen wir mal mit den zeitgenössischen Betriebssystemen in der DOS-Ära. Ich glaube,

95
00:12:52,200 --> 00:12:57,640
Christian: es versteht sich von selbst, dass hier MS-DOS einmal thematisiert werden muss. Das ist für

96
00:12:57,680 --> 00:13:02,840
Christian: viele reizvoll, um damalige DOS-Spiele und frühe Anwendungssoftware noch einmal erleben zu können,

97
00:13:02,880 --> 00:13:09,460
Christian: und viele setzen da vor allen Dingen auf die Version MS-DOS 5.0 aus dem Jahr 1991 oder die

98
00:13:09,560 --> 00:13:17,120
Christian: letzte klassische Version 6.22, die im April 1994 erschienen ist. Es gab dann auch noch weitere

99
00:13:17,140 --> 00:13:24,160
Christian: Version, nämlich 7.0 und 7.10, die sind Teil von Windows 95 und 98 und können dann auch dort aus

100
00:13:24,260 --> 00:13:28,720
Christian: diesem Betriebssystem heraus als DOS-Modus gestartet werden. Und man kann das auch beim

101
00:13:28,760 --> 00:13:33,160
Christian: Booten direkt auswählen, kann in den DOS-Modus starten, sodass man sich an der alten DOS-Shell

102
00:13:33,360 --> 00:13:39,360
Christian: wiederfindet. Interessanterweise gab es später auch noch eine MS-DOS-Version 8.0, die ist Teil

103
00:13:39,710 --> 00:13:45,200
Christian: von Windows MI oder Windows ME, je nachdem wie ihr es aussprechen wollt, und kann nicht mehr

104
00:13:45,220 --> 00:13:48,460
Christian: eigenständig gebootet werden und es gibt auch keinen klassischen DOS-Modus mehr.

105
00:13:49,160 --> 00:13:54,920
Christian: Deswegen ist das für mich kein richtiges MS-DOS mehr, sei hier trotzdem der Vollständigkeit halber aber nochmal erwähnt.

106
00:13:55,440 --> 00:14:01,040
Christian: Was hier aber auch interessant sein könnte, ist, statt MS-DOS zu verwenden, sich mal FreeDOS anzuschauen.

107
00:14:01,120 --> 00:14:06,180
Christian: Denn das ist interessant, wenn man DOS nutzen möchte, aber sich weniger mit den technischen Eigenarten

108
00:14:06,880 --> 00:14:09,220
Christian: der Betriebssysteme dieser Zeit herum ärgern möchte.

109
00:14:09,440 --> 00:14:20,660
Christian: Also anders gesagt, wenn ihr ein modernes MS-DOS haben wollt, das vielleicht nicht von Microsoft kommt und ihr wollt ein paar Quality-of-Life-Updates haben, dann ist das ein Projekt, das ihr euch mal anschauen könnt.

110
00:14:21,270 --> 00:14:38,740
Christian: Denn ich glaube, wer sich schon mal mit Memmaker und EMM386 herumgeärgert hat und weiß, dass 640k konventionelle Arbeitsspeicher zu beachten sind, dann wisst ihr vielleicht, was ich meine, dass das Konsumieren von alten DOS-Spielen auch immer mit ein bisschen Arbeit verbunden war.

111
00:14:39,360 --> 00:14:48,860
Christian: FreeDOS ist eine Open Source Interpretation zu DOS, die ist auch immer noch binär kompatibel, das heißt in den meisten Fällen könnt ihr die Anwendungen und Spiele von früher 1 zu 1 weiterverwenden.

112
00:14:49,790 --> 00:14:58,640
Christian: Und es gab sogar mal eine Zeit, da haben manche Hardwarehersteller Notebooks mit FreeDOS angeboten, wenn Kundinnen jetzt kein Windows haben wollten, um beispielsweise Geld zu sparen.

113
00:14:59,460 --> 00:15:04,820
Christian: Ich glaube aber kaum, dass es da draußen Kundschaft gegeben hat, die dann wirklich FreeDOS tagtäglich verwendet hat,

114
00:15:05,580 --> 00:15:12,620
Christian: sondern ich glaube, dass es eher so, dass man die Wahl hat, kein Windows nehmen zu müssen und man ohnehin später dann Linux installiert.

115
00:15:12,740 --> 00:15:18,460
Christian: Zumindest habe ich das in meinem Bekanntenkreis damals verloben, dass viele Leute sich die FreeDOS-Konfiguration geklickt haben,

116
00:15:18,860 --> 00:15:23,580
Christian: 100 Euro oder sowas gespart haben und sich dann ein Betriebssystem der Wahl installiert haben.

117
00:15:24,430 --> 00:15:28,620
Christian: Ich glaube, das waren vor allen Dingen HP und Dell, die das angeboten haben. Bei Lenovo bin ich mir gar nicht so sicher.

118
00:15:29,339 --> 00:15:46,000
Christian: Aber Freedos ist jetzt nicht einfach nur ein Klon oder eine Reprogrammierung, es bringt auch einige Neuerungen mit sich. Zum Beispiel werden Datenträger mit bis zu 2 Terabyte unterstützt. Ich glaube zwar kaum, dass es Leute gibt, die das nutzen, um alle Spiele, die es jemals gegeben hat, zu installieren. Theoretisch ginge das aber.

119
00:15:46,520 --> 00:16:09,340
Christian: Ebenso könnt ihr FAT32 lesen und schreiben und auch lange Dateinamen sind jetzt möglich. Also die klassische 8.3 Konvention, 8 Buchstaben Dateiname, einmal Punkt und dann drei Buchstaben für die Dateiendung entfällt. Man kann sich nun also Dateinamen ausdenken, die man sich auch merken kann und auch neuere Treiber sorgen für bessere Performance, gerade für IDE und SATA Geräte.

120
00:16:09,640 --> 00:16:20,520
Christian: Nicht weniger wichtig ist, dass FreeDOS auch Stromsparfunktionen unterstützt, das heißt die Geräte verbrauchen auch ein kleines bisschen weniger Strom, sind effizienter und auch die Speicherverwaltung ist deutlich einfacher, als es in den 90ern der Fall war.

121
00:16:21,520 --> 00:16:28,000
Christian: Das Ganze ist auch gut für die Präservation alter Software, denn FreeDOS lässt sich bedeutend einfacher als VM betreiben als MS-DOS.

122
00:16:28,160 --> 00:16:55,580
Christian: Da gibt es für MS-DOS so einen speziellen Treiber, den Leute aus der Community mal entwickelt haben, damit die CPU-Cycles auch reduziert werden können. Und das sind auch so Änderungen, die in FreeDOS eingeflossen sind. Und FreeDOS selbst ist dabei gar nicht mal so neu. Das gibt es nämlich auch schon seit 1994, als nämlich bekannt wurde, dass mit Windows 95 und 98 MS-DOS abgelöst werden soll, langsam perspektivisch, haben sich EntwicklerInnen gefunden und wollten FreeDOS einfach weiterentwickeln.

123
00:16:55,660 --> 00:17:11,900
Christian: Und das ist halt, was dabei rumgekommen ist. Und die aktuelle Version, die ist vom April 2025. Ihr seht also, das ist kein totes Projekt. MS-DOS bzw. DOS scheint generell für einige da draußen noch ein relevantes Thema zu sein und deswegen gibt es dieses halbwegs aktuelle Betriebssystem.

124
00:17:14,819 --> 00:17:31,000
Christian: Kommen wir mal zu Windows 3.1. Das war zumindest für mich das erste Windows-Betriebssystem. Geht bestimmt dem einen oder anderen da draußen genauso. Und das Ganze ist wohl auch eine der wohl bekanntesten Windows-Versionen. Das ist 1992 erschienen und kam unter anderem wegen dem reduzierten Preis damals gut an.

125
00:17:31,140 --> 00:17:38,540
Christian: Denn die Windows 3.1 Vollversion kostete damals 229 DM, das sind inflationsbereinigt so 225 Euro.

126
00:17:39,180 --> 00:17:45,240
Christian: Die Vorgängerversion 3.0 kostete noch 500 DM, also umgerechnet irgendwas um die 570 Euro.

127
00:17:46,020 --> 00:17:52,580
Christian: Und das ist natürlich klar, wenn das Betriebssystem nur die Hälfte kostet, dann ist die Wahrscheinlichkeit auch höher, dass AnwenderInnen das kaufen.

128
00:17:53,420 --> 00:17:56,660
Christian: Windows 3.1 ist für die ikonische simple Oberfläche bekannt.

129
00:17:56,920 --> 00:18:05,600
Christian: Es hat auch die erste serienmäßige Multimedia-Unterstützung, bestehend aus einem Audio-Recorder, CD-Wiedergabe und Sounds, wie ihr gerade schon gehört habt.

130
00:18:06,320 --> 00:18:11,340
Christian: Das gab es auch schon für Windows 3.0, da aber nur über die später erschienene Multimedia-Extension.

131
00:18:11,880 --> 00:18:15,940
Christian: Was viele gerne unter den Tisch kehren, ist, dass es auch noch Windows 3.11 gab.

132
00:18:16,290 --> 00:18:23,160
Christian: Das war ein nicht groß beworbenes Update für 3.1, das konnte auch in Form eines Patches online heruntergeladen werden.

133
00:18:23,280 --> 00:18:41,340
Christian: Das brachte einige kleinere Fixes, aktualisierte Treiber und auch ein paar Kernelfixes. Viele Leute sagen ja, 3.1 war rein für Business-Kundinnen und das ist so nicht ganz richtig, denn neben Windows 3.1 und 3.11 gab es auch jeweils noch optional die 4-Workgroups-Editionen.

134
00:18:41,460 --> 00:18:49,720
Christian: Die hatten Netzwerkfähigkeiten, Support für Netzlaufwerke, Drucker und so weiter und richteten sich eher an kleinere Arbeitsplatznetze.

135
00:18:50,440 --> 00:18:54,700
Christian: Also vielleicht irgendwo eine Abteilung, irgendeine Firma, wo zehn Leute sich ein Netzwerk teilen.

136
00:18:55,160 --> 00:19:01,460
Christian: Für die wirklich großen Umgebungen mit Servern und mit Workstations gab es ja parallel bereits Windows NT 3.1.

137
00:19:02,360 --> 00:19:04,860
Christian: Das sieht optisch ähnlich aus, hat aber einen ganz anderen Aufbau.

138
00:19:04,910 --> 00:19:07,500
Christian: Da kommen wir später gleich nochmal ganz kurz zu.

139
00:19:08,320 --> 00:19:12,240
Christian: Und ebenfalls gerne vergessen wird, dass es auch ein Windows 3.2 gab.

140
00:19:12,580 --> 00:19:15,600
Christian: Das war aber eine spezielle Edition für den chinesischen Markt.

141
00:19:16,060 --> 00:19:22,620
Christian: Die Version unterstützt komplexe chinesische Schriftzeichen und ist ansonsten deckungsgleich mit dem klassischen Windows 3.1.

142
00:19:23,500 --> 00:19:26,800
Christian: Besonders spannend ist auch Windows for Pen Computer 1.0.

143
00:19:27,060 --> 00:19:29,100
Christian: Das ist eine Erweiterung für Windows 3.1.

144
00:19:29,420 --> 00:19:33,920
Christian: Da gab es dann unter anderem ein Onscreen-Keyboard und eine systemweite Schrifterkennung.

145
00:19:34,560 --> 00:19:43,900
Christian: Und wenn man sich das anschaut und dann parallel mal guckt, welche Features Windows XP in der Tablet PC Edition mitbrachte, dann erkennt man da frappierend viele Parallelen.

146
00:19:44,600 --> 00:19:48,920
Christian: MS-DOS und Windows 3.1 sind somit vor allen Dingen für Pre-Pensum-Geräte interessant.

147
00:19:49,390 --> 00:19:53,920
Christian: Ich habe das zum Beispiel hier auf einem IBM L40SX, da ist ein 386er verbaut.

148
00:19:54,530 --> 00:20:01,640
Christian: Und ich habe hier auch ein ThinkPad 360 PE Tablet PC und da habe ich eben Windows 3.1 mit der Pen-Computer-Fassung.

149
00:20:02,200 --> 00:20:03,240
Christian: Und da passt es auch gut rein.

150
00:20:03,740 --> 00:20:07,820
Christian: Das wäre mit dem Windows 95 weniger gut zu betreiben,

151
00:20:08,180 --> 00:20:11,420
Christian: weil man dann doch schon merkt, dass CPU und RAM hier ein Problem darstellen.

152
00:20:19,020 --> 00:20:20,820
Christian: Apropos Windows 95 und 98.

153
00:20:21,600 --> 00:20:26,380
Christian: Das ist generell für Geräte interessant, die mit einem Pentium 1, einem Pentium 2

154
00:20:26,540 --> 00:20:28,640
Christian: oder einem frühen Celeron Prozessor kommen.

155
00:20:29,480 --> 00:20:32,980
Christian: Ich würde die Wahl des Betriebssystems aber ein bisschen vom Rahmen abhängig machen.

156
00:20:33,680 --> 00:20:34,600
Christian: Fassen wir mal kurz zusammen.

157
00:20:34,960 --> 00:20:37,480
Christian: Windows 95 erschien erstmalig im August 1995.

158
00:20:38,980 --> 00:20:39,980
Christian: Es gab verschiedene Versionen.

159
00:20:40,660 --> 00:20:45,180
Christian: Man will hier tendenziell zur C-Version von 1997 greifen.

160
00:20:45,820 --> 00:20:47,660
Christian: Das nennt man auch gerne das kleine Windows 98.

161
00:20:48,280 --> 00:20:51,720
Christian: Das ist im Prinzip sowas wie ein erweitertes Service-Pack für Windows 95.

162
00:20:52,480 --> 00:20:55,700
Christian: Und das bringt zahlreiche Bugfixes, aber auch neue Features.

163
00:20:56,000 --> 00:20:58,380
Christian: So gibt es zum Beispiel FAT32-Support.

164
00:20:59,180 --> 00:21:01,700
Christian: Es werden Festplatten größer als 2 GB unterstützt.

165
00:21:01,840 --> 00:21:03,920
Christian: DirectX ist in der Version 2.0 dabei.

166
00:21:04,820 --> 00:21:06,920
Christian: Der Internet Explorer in der Version 4.0.

167
00:21:07,140 --> 00:21:09,660
Christian: Ob man den jetzt haben möchte, ist eine andere Frage.

168
00:21:09,800 --> 00:21:11,860
Christian: Das dürft ihr gerne für euch selbst beantworten.

169
00:21:12,580 --> 00:21:15,540
Christian: Aber dadurch hat der Windows Explorer auch eine Adresszeile.

170
00:21:15,620 --> 00:21:20,380
Christian: Das heißt, man kann da entweder eine URL eintragen, was ihr eher nicht tun solltet.

171
00:21:21,240 --> 00:21:25,780
Christian: Oder ihr könnt auch einfach eine Adresse auf der lokalen Festplatte eintragen.

172
00:21:25,900 --> 00:21:27,360
Christian: C, Windows, C-Programme.

173
00:21:27,980 --> 00:21:32,260
Christian: Das heißt, man muss sich da nicht durchklicken, sondern wenn man den Pfad kennt, kann man den zeitsparend eintippen.

174
00:21:32,760 --> 00:21:38,760
Christian: Bedenkt durch den Internet Explorer 4.0 gibt es auch den Active Desktop, der auch später in Windows 98 enthalten war.

175
00:21:39,100 --> 00:21:42,940
Christian: Das ist so ein Feature, da bin ich gar nicht so traurig drüber, dass das wieder abgekündigt wurde.

176
00:21:44,080 --> 00:21:49,440
Christian: Die Grundidee war, dass man eine interaktive HTML-Seite als Hintergrundbild gesetzt hat.

177
00:21:50,360 --> 00:21:54,820
Christian: Da konnte man dann entweder links anklicken und aktive Inhalte einbauen.

178
00:21:54,960 --> 00:22:02,040
Christian: Es gab auch so eine Adresszeile am rechten Bildschirmrand, wo verschiedene Online-Formate und Online-Portale eingeblendet wurden.

179
00:22:02,040 --> 00:22:04,900
Christian: Man konnte dann per Mausklick eben die Webseite aufrufen.

180
00:22:04,980 --> 00:22:09,180
Christian: Aber zu dem Zeitpunkt, zumindest in Deutschland, war das Internet noch nicht so verbreitet.

181
00:22:09,560 --> 00:22:14,340
Christian: Und naja, es hat natürlich auch wieder unnötig CPU und RAM-Ressourcen verbraucht.

182
00:22:14,520 --> 00:22:18,500
Christian: Deswegen hier der Hinweis, dieses Feature am besten gleich zu deaktivieren.

183
00:22:19,080 --> 00:22:22,060
Christian: Für Windows 95 werden 8 MB RAM empfohlen.

184
00:22:22,260 --> 00:22:28,340
Christian: Das heißt, wenn ihr ein Gerät habt, was so im Pima-Daumen in diesem Bereich liegt, würde ich hier eher zu Windows 95 greifen.

185
00:22:28,590 --> 00:22:37,900
Christian: Denn Windows 98, das ist ja kurzzeitig später erschienen, nämlich im März 1998, hier war dann schon von 24 MB RAM die Rede.

186
00:22:38,250 --> 00:22:43,120
Christian: Das heißt, wenn ihr irgendwo noch einen alten Laptop habt mit 16 MB RAM, dann greift vielleicht eher zu Windows 95.

187
00:22:44,080 --> 00:22:47,360
Christian: Zu Windows 98 sei gesagt, das brachte viele kleine Verbesserungen.

188
00:22:47,660 --> 00:22:51,160
Christian: zum Beispiel neue Treiber nach dem WDM-Treiber-Modell.

189
00:22:51,250 --> 00:22:55,060
Christian: Das ist eine der Technologien, die man aus Windows NT übernommen hat

190
00:22:55,280 --> 00:22:59,860
Christian: und es gibt deutlich besseren AGP- und USB-Support.

191
00:22:59,860 --> 00:23:03,580
Christian: Interessanterweise ist Windows 98 auch die erste Version,

192
00:23:03,580 --> 00:23:05,720
Christian: die mehrere Bildschirme unterstützte.

193
00:23:05,720 --> 00:23:08,260
Christian: Wenn ihr also mehrere Bildschirme verwenden wollt,

194
00:23:08,260 --> 00:23:11,280
Christian: dann wieder ein Argument da vielleicht zu Windows 98 zu greifen.

195
00:23:11,280 --> 00:23:15,440
Christian: Wenn ihr das tut, solltet ihr aber auch generell

196
00:23:15,440 --> 00:23:16,680
Christian: zur im Mai 1999 veröffentlichten Second Edition greifen,

197
00:23:17,300 --> 00:23:21,100
Christian: Denn auch hier sind wieder zahlreiche Bugfixes und kleinere neue Features enthalten.

198
00:23:21,580 --> 00:23:27,940
Christian: Zum Beispiel DirectX 6.1, Internet Explorer in der Version 5.0 und der Media Player in der Version 6.

199
00:23:28,840 --> 00:23:34,360
Christian: Und unabhängig davon, ob ihr jetzt Windows 95 oder 98 einsetzt, sei hier noch angemerkt,

200
00:23:34,420 --> 00:23:37,880
Christian: dass es inoffizielle Service Packs für diese beiden Betriebssysteme gibt.

201
00:23:38,040 --> 00:23:41,180
Christian: Und ich habe im Rahmen der Vorbereitung für diese Folge festgestellt,

202
00:23:41,240 --> 00:23:46,060
Christian: dass es erschreckenderweise immer noch eine aktive Community rund um diese beiden alten Versionen gibt.

203
00:23:46,840 --> 00:23:50,520
Christian: Hätte ich jetzt gar nicht erwartet, die sind ja nun auch schon, haben viele Jahre auf dem Buckel.

204
00:23:51,280 --> 00:23:55,160
Christian: Aber es gibt diese inoffiziellen Service Packs, die findet ihr auch in den Shownotes verlinkt.

205
00:23:55,390 --> 00:23:59,000
Christian: Und die beinhalten Bugfixes, aber auch funktionale Updates.

206
00:23:59,780 --> 00:24:02,540
Christian: So gibt es zum Beispiel Treiber mit schnelleren IO-Raten.

207
00:24:02,810 --> 00:24:06,460
Christian: Es gibt Fixes für spezifische CPUs oder auch den Betrieb in VMs.

208
00:24:06,990 --> 00:24:10,660
Christian: Das heißt, wenn ihr hier eine Software auch konservieren wollt in Form einer VM,

209
00:24:10,890 --> 00:24:15,320
Christian: die man auf einem anderen Rechner konsumieren kann, dann kommt das hier euch auch zugute.

210
00:24:15,820 --> 00:24:18,440
Christian: Es gibt verschiedene Optimierungen für USB und AGP.

211
00:24:19,160 --> 00:24:22,300
Christian: Und es gibt zum Beispiel auch Patches, um mehr RAM adressieren zu können.

212
00:24:22,540 --> 00:24:27,080
Christian: Also Windows 98 kann eigentlich nicht mehr als 512 MB RAM konsumieren.

213
00:24:27,640 --> 00:24:31,000
Christian: Und mit einem Patch ist sogar ein irrwitziges Gigabyte an RAM möglich.

214
00:24:31,680 --> 00:24:32,080
Christian: Verrückt.

215
00:24:32,720 --> 00:24:36,160
Christian: Darüber hinaus gibt es auch neuere Internet Explorer und DirectX-Versionen

216
00:24:36,340 --> 00:24:40,520
Christian: und weitere kleinere Quality-of-Life-Verbesserungen und auch teilweise grafische Tweaks.

217
00:24:41,580 --> 00:24:47,680
Christian: Da ist meine Empfehlung, das am besten direkt nach dem Betriebssystem installieren und auch mit Image-Backups arbeiten.

218
00:24:48,100 --> 00:24:55,180
Christian: Denn man zerschießt sich sehr gerne und schnell etwas, wenn man einfach alle Optionen im Service Pack Installer anwählt.

219
00:24:55,720 --> 00:24:58,300
Christian: Also da auch unbedingt mal einen Blick in die Dokumentation werfen.

220
00:24:59,140 --> 00:25:04,120
Christian: Da steht genau drin, welche Features es gibt, wann die sinnvoll sind und man sollte nicht einfach alle aktivieren,

221
00:25:04,480 --> 00:25:06,380
Christian: sondern wirklich nur die, die man auch benötigt.

222
00:25:06,400 --> 00:25:10,239
Christian: Und ich habe das vor einiger Zeit mal auf einem alten Pentium 2 Rechner installiert

223
00:25:10,260 --> 00:25:15,060
Christian: und kann jetzt mit dem ohne Probleme USB-Sticks für den einfachen Datenaustausch verwenden.

224
00:25:15,630 --> 00:25:18,860
Christian: Es gibt auch Euro-Patches und weitere kleinere Tweaks,

225
00:25:19,150 --> 00:25:20,940
Christian: die dann auch zum Beispiel grafisch dafür sorgen,

226
00:25:21,030 --> 00:25:23,620
Christian: dass ein Windows 98 eher wie ein Windows 2000 aussieht.

227
00:25:24,670 --> 00:25:26,180
Christian: Kann bestimmt nützlich sein.

228
00:25:32,580 --> 00:25:34,820
Christian: Und wenn ihr diesen Start-Sound nicht zuordnen könnt,

229
00:25:34,990 --> 00:25:36,560
Christian: dann geht es euch vermutlich genau wie mir.

230
00:25:37,160 --> 00:25:40,520
Christian: Ihr habt den Trend rund um IBM OS 2 knapp verpasst.

231
00:25:41,410 --> 00:25:44,020
Christian: Als Kind der 90er war das so ein bisschen vor meiner Zeit.

232
00:25:44,170 --> 00:25:48,980
Christian: Als ich mich mit Computern beschäftigt habe, war Windows 3.1 oder 95 aktuell.

233
00:25:49,770 --> 00:25:54,720
Christian: Und da hat OS 2 zumindest im privaten Bereich einfach keine Rolle mehr gespielt.

234
00:25:55,360 --> 00:25:57,460
Christian: Aber halten wir mal kurz fest, worum geht es da?

235
00:25:58,100 --> 00:26:00,800
Christian: Ich finde, dass es wichtig ist, zumindest kurz mal zu thematisieren,

236
00:26:00,870 --> 00:26:04,380
Christian: weil OS 2 eben auch die Geschichte von Windows NT beeinflusst hat.

237
00:26:05,020 --> 00:26:10,920
Christian: OSZ 2 wurde zwischen 1987 und 2001 vor allen Dingen von IBM entwickelt.

238
00:26:11,800 --> 00:26:16,060
Christian: Eigentlich kam schon nach 1996 aber nichts Nennenswertes mehr

239
00:26:16,920 --> 00:26:20,820
Christian: und das Betriebssystem fristete aus verschiedenen Gründen ein Nischen-Dasein.

240
00:26:21,190 --> 00:26:25,720
Christian: Man hat es vor allen Dingen bei Banken, Versicherungen und Fluggesellschaften vorgefunden,

241
00:26:25,840 --> 00:26:32,300
Christian: also in stark regulierten Umgebungen, wo man vielleicht andere Anforderungen hat als ein einfacher Heimanwender.

242
00:26:33,040 --> 00:26:34,200
Christian: Aber warum kam es da zum Einsatz?

243
00:26:34,800 --> 00:26:40,500
Christian: Naja, es war so, dass es technisch im Vergleich zu Microsoft Windows das bessere Betriebssystem war.

244
00:26:40,810 --> 00:26:43,640
Christian: Denn es beherrschte zum Beispiel präemptives Multitasking.

245
00:26:43,910 --> 00:26:47,260
Christian: Das bedeutet, Programme laufen kontrollierbar parallel.

246
00:26:47,430 --> 00:26:50,320
Christian: Und das ist auch heute noch der Standard von gängigen Betriebssystemen.

247
00:26:50,660 --> 00:26:55,040
Christian: Bei MS-DOS und Windows kam damals das sogenannte kooperative Multitasking zum Einsatz.

248
00:26:55,300 --> 00:26:58,800
Christian: Das ist einfacher zu entwickeln, hat aber den entscheidenden Nachteil,

249
00:26:58,800 --> 00:27:02,580
Christian: dass eingefrorene Software den gesamten Computer zum Absturz bringen kann.

250
00:27:02,900 --> 00:27:07,680
Christian: Und das kann man natürlich bei Banken, in der Versicherung und bei Fluggesellschaften gar nicht gebrauchen.

251
00:27:08,360 --> 00:27:13,900
Christian: Das heißt, in Summe, OS 2 war deutlich stabiler, als Windows und MS-DOS es damals war.

252
00:27:14,520 --> 00:27:18,560
Christian: Darüber hinaus hatte es einen modernen Desktop mit vielen Anpassungsmöglichkeiten

253
00:27:18,620 --> 00:27:21,620
Christian: und, wie ich finde, extrem vielen Soundeffekten.

254
00:27:22,120 --> 00:27:24,320
Christian: Ich habe das mal auf einem meiner Thinkpads installiert

255
00:27:24,440 --> 00:27:30,320
Christian: und bei nahezu jeder Interaktion mit Maus und Tastatur muss man sich irgendeinen Sound anhören.

256
00:27:30,460 --> 00:27:31,640
Christian: Wir können ja mal kurz reinhören.

257
00:27:42,360 --> 00:27:47,040
Christian: Also ihr seht schon, man wollte hier offenkundig mitteilen, dass man funktionale Soundtreiber

258
00:27:47,090 --> 00:27:47,240
Christian: hat.

259
00:27:47,860 --> 00:27:52,040
Christian: Aber auch darüber hinaus gab es weitere Features, die man in DOS und Windows vergebens suchte.

260
00:27:52,160 --> 00:27:57,360
Christian: Es gab ein leistungsfähigeres Dateisystem und es gab auch einen Windows-Kompatibilitätsmodus.

261
00:27:57,660 --> 00:27:59,420
Christian: konnte innerhalb OS 2 eine

262
00:27:59,520 --> 00:28:01,220
Christian: Sandbox ausführen und darin

263
00:28:01,760 --> 00:28:03,180
Christian: dann eben Windows 3.1

264
00:28:03,720 --> 00:28:05,620
Christian: starten, um alte Anwendungen auszuführen

265
00:28:05,670 --> 00:28:07,520
Christian: und eine Anwendung, die in dieser Sandbox

266
00:28:07,640 --> 00:28:09,560
Christian: läuft, kann dann nicht mal ein Haupt-OS 2

267
00:28:09,640 --> 00:28:11,420
Christian: abschießen. Das fand ich echt interessant.

268
00:28:11,960 --> 00:28:13,440
Christian: Sieht so ein bisschen aus, wie man sich

269
00:28:13,620 --> 00:28:15,040
Christian: heute VMs so vorstellt.

270
00:28:15,840 --> 00:28:17,420
Christian: Ist natürlich keine VM-Technik, die zum Einsatz

271
00:28:17,700 --> 00:28:19,420
Christian: kommt, aber im Prinzip mit

272
00:28:19,520 --> 00:28:21,380
Christian: einem neuen Betriebssystem auch alte Software

273
00:28:21,540 --> 00:28:23,760
Christian: verwenden zu können, finde ich sehr nützlich.

274
00:28:24,860 --> 00:28:25,400
Christian: Man muss aber auch

275
00:28:25,540 --> 00:28:27,620
Christian: festhalten, IBM sah natürlich

276
00:28:27,640 --> 00:28:30,140
Christian: Auch darin wieder eine lukrative Chance für Vendor-Login.

277
00:28:30,820 --> 00:28:35,520
Christian: Denn IBM störte sich an der Dominanz von MS-DOS und Windows gegenüber dem IBM-PC-DOS

278
00:28:35,660 --> 00:28:38,600
Christian: und dachte, wenn wir jetzt hier so ein tolles neues Betriebssystem haben,

279
00:28:39,140 --> 00:28:42,880
Christian: dann werden in Zukunft alle Leute nur noch IBM-Hardware und Software kaufen.

280
00:28:43,220 --> 00:28:44,740
Christian: Das kam dann nicht ganz so.

281
00:28:45,820 --> 00:28:50,220
Christian: Interessanterweise war OS2 anfänglich eine gemeinsame Entwicklung mit Microsoft.

282
00:28:51,000 --> 00:28:53,520
Christian: Denn beide Firmen haben unabhängig voneinander festgestellt,

283
00:28:53,620 --> 00:28:56,380
Christian: dass man mit DOS an Entwicklungsgrenzen stieß.

284
00:28:57,200 --> 00:28:58,420
Christian: Zum Beispiel das Multitasking.

285
00:28:59,500 --> 00:29:02,040
Christian: Oder an vielen Stellen gab es keine sauberen Standards.

286
00:29:02,280 --> 00:29:04,800
Christian: EntwicklerInnen haben nämlich häufig undokumentierte Hacks verwendet,

287
00:29:04,820 --> 00:29:06,220
Christian: um ihre Software zu entwickeln.

288
00:29:06,780 --> 00:29:08,600
Christian: Und das sorgte dann natürlich auch gerne mal dafür,

289
00:29:08,860 --> 00:29:11,520
Christian: dass Anwendungen den gesamten Rechner zum Absturz brachten.

290
00:29:12,460 --> 00:29:14,400
Christian: Ebenfalls hat sie gestört, dass das Betriebssystem

291
00:29:14,540 --> 00:29:16,280
Christian: nicht den vollständigen Rahmen nutzen konnte.

292
00:29:16,400 --> 00:29:21,660
Christian: Ich habe vorhin ja schon auf die 640 Kilobyte konventionellen Speicher hingewiesen.

293
00:29:21,860 --> 00:29:24,440
Christian: Also auch das war ein Thema, das beide Firmen gestört hat.

294
00:29:25,440 --> 00:29:32,180
Christian: Deswegen hat man sich gedacht, wir können doch einfach gemeinsam versuchen, ein neues Betriebssystem zu entwickeln und das war eben das Projekt OS 2.

295
00:29:32,480 --> 00:29:37,780
Christian: Das heißt, es gab erste Versionen von IBM und Microsoft, die jeweils dann veröffentlicht wurden.

296
00:29:38,020 --> 00:29:43,180
Christian: Es gab zum Beispiel eine Retail-Version von Microsoft und die Geschäftskundin-Variante von IBM.

297
00:29:43,540 --> 00:29:48,820
Christian: Und schlussendlich hat Microsoft aber die Zusammenarbeit bereits 1991 beendet.

298
00:29:49,420 --> 00:29:52,240
Christian: Man hat nämlich festgestellt, dass man leider zu unterschiedlich sei.

299
00:29:53,140 --> 00:29:56,700
Christian: Microsoft wollte OS2 nämlich auf möglichst vielen Computern lauffähig machen,

300
00:29:56,990 --> 00:30:01,700
Christian: während IBM vor allen Dingen die eigenen PS2-Systeme pushen wollte.

301
00:30:02,680 --> 00:30:04,920
Christian: Und, und das klingt wie ein schlechter April-Scherz,

302
00:30:05,180 --> 00:30:08,920
Christian: IBM nutzte Lines of Code als Maßeinheit für Produktivität.

303
00:30:09,520 --> 00:30:11,160
Christian: Also die Anzahl geschriebener Codezeilen.

304
00:30:11,350 --> 00:30:15,120
Christian: Das heißt, eine Programmiererin, die heute 500 Zeilen Code schreibt,

305
00:30:15,390 --> 00:30:18,680
Christian: die ist natürlich besser als ein Entwickler, der nur 100 Zeilen Code schreibt.

306
00:30:19,260 --> 00:30:20,680
Christian: Das ist natürlich absoluter Quatsch,

307
00:30:21,040 --> 00:30:24,740
Christian: weil ein Programm ist nicht besser dadurch, dass es mehr Quellcode enthält,

308
00:30:25,020 --> 00:30:28,880
Christian: sondern eigentlich ist es ja sinnvoll, möglichst wenig Code-Zahlen zu schreiben,

309
00:30:29,040 --> 00:30:31,560
Christian: um eine effiziente Lösung für ein Problem zu finden.

310
00:30:32,640 --> 00:30:37,260
Christian: Das wollte BigBlue aber nicht hören und das sorgte für einige kulturelle Abreibungen.

311
00:30:37,920 --> 00:30:42,920
Christian: Und generell gab Microsoft an, gibt es in der Zusammenarbeit mit IBM viel zu viel Bürokratie

312
00:30:42,960 --> 00:30:45,340
Christian: und auch immer wieder Termine, die verschoben wurden.

313
00:30:46,380 --> 00:30:48,660
Christian: Klingt alles plausibel, kann ich mir gut vorstellen,

314
00:30:49,060 --> 00:30:51,560
Christian: dass die Zusammenarbeit nicht unbedingt angenehm war.

315
00:30:52,410 --> 00:30:54,700
Christian: OS 2 hatte es dadurch schwer auf dem Markt.

316
00:30:54,870 --> 00:31:00,020
Christian: Das lag aber nicht nur an diesem Bruch der Partnerschaft zwischen Microsoft und IBM,

317
00:31:00,660 --> 00:31:04,400
Christian: sondern lag anfänglich auch an den deutlich höheren Systemanforderungen.

318
00:31:04,870 --> 00:31:07,960
Christian: Ich zitiere mal hier für OS 2 in der Version 2.1.

319
00:31:08,670 --> 00:31:13,080
Christian: Da werden nämlich 6 MB RAM empfohlen und das parallel erschienene Windows 3.1,

320
00:31:13,250 --> 00:31:15,060
Christian: das begnügt sich mit 2 MB RAM.

321
00:31:15,880 --> 00:31:22,740
Christian: Und wenn wir mal zurückdenken, damals war RAM ähnlich teuer so wie heute, vielleicht noch ein bisschen teurer, wenn wir das inflationsbereinigen.

322
00:31:23,390 --> 00:31:31,740
Christian: Da überlege ich mir das als User natürlich dreimal, ob ich jetzt OS 2 nehme und dann den dreifachen RAM brauche oder ob ich es dann doch mit Windows 3.1 mal versuche.

323
00:31:32,510 --> 00:31:36,680
Christian: Wo wir gerade bei den Kosten waren, OS 2 war auch deutlich teurer als DOS und Windows.

324
00:31:37,040 --> 00:31:41,320
Christian: Die Standard-Edition kostete inflationsbereinigt so was um die 300 Euro.

325
00:31:42,080 --> 00:31:48,920
Christian: Und es gab noch eine erweiterte Edition für die Enterprise-Kundschaft mit Zusatzanwendungen, mit dieser Sandbox und so weiter.

326
00:31:49,590 --> 00:31:52,180
Christian: Das wären heute über 1.000 Euro.

327
00:31:52,470 --> 00:31:58,100
Christian: Und naja, die Frage kann man sich ja mal stellen, würdet ihr heute ein Betriebssystem kaufen, das über 1.000 Euro kostet?

328
00:31:58,940 --> 00:32:01,340
Christian: Ich vermute mal, die Antwort dürfte eher Nein sein.

329
00:32:02,390 --> 00:32:03,540
Christian: Und so kam es, wie es kommen musste.

330
00:32:03,910 --> 00:32:08,820
Christian: Windows 3.1 erschien 1992 und verkaufte sich natürlich bedeutend besser als OS 2.

331
00:32:09,680 --> 00:32:16,560
Christian: Bei OS 2 waren es ca. 300.000 Kopien in einem Jahr und bei Windows 3.1 waren es 3 Millionen, also ein Vielfaches höher.

332
00:32:17,640 --> 00:32:20,820
Christian: Interessanterweise hat IBM OS 2 aber noch recht lange weiter gepflegt.

333
00:32:20,970 --> 00:32:32,980
Christian: Die letzte Version 4.51 erschien 1996 und der Verkauf an die Privatkundschaft endete 2002 und der Vertrieb für die Business-Kundinnen wurde 2006 eingestellt.

334
00:32:33,100 --> 00:32:35,140
Christian: Also doch noch relativ lang, wie ich finde.

335
00:32:36,540 --> 00:32:40,760
Christian: IBM hat dann OS2 veräußert und seitdem wird es von Dritten weiterentwickelt.

336
00:32:41,160 --> 00:32:49,859
Christian: Von 2001 bis 2015 von der Firma Serenity Systems, das war damals so ein OS2-Businesspartner, die haben Beratung und Integration angeboten.

337
00:32:50,720 --> 00:33:05,020
Christian: Da hieß das Ganze dann EcomStation und 2015 wurde das Unternehmen von Arca Noe übernommen, denn Serenity Systems war damals schon am Schwächeln und seitdem entwickeln die das Betriebssystem weiter und nennen das Ganze ArcaOS.

338
00:33:06,780 --> 00:33:21,160
Christian: Interessanterweise wird das Betriebssystem immer noch weiterentwickelt. Das ist eine extreme Nische, würde ich mal behaupten. Ich denke, es dürfte so gut wie keine neue Kundschaft geben, die sich mit ArcaOS auseinandersetzt, sondern vor allen Dingen Bestandskundinnen sein, die das schon seit den 90ern einsetzen.

339
00:33:21,360 --> 00:33:24,840
Christian: und die aktuelle Version, die ist vom 8. März 2026.

340
00:33:26,040 --> 00:33:29,480
Christian: Akanoe wartet das Produkt nicht nur, sondern sie entwickeln auch neue Features.

341
00:33:30,120 --> 00:33:33,160
Christian: Ich habe da mal reingeguckt in die Roadmap, die ist auch in den Shownotes verlinkt.

342
00:33:33,420 --> 00:33:38,680
Christian: Die neue Version, die kommt zum Beispiel mit UEFI, USB 3.0 und NVMe-Support.

343
00:33:39,520 --> 00:33:43,920
Christian: Das heißt, ihr könnt das Betriebssystem auf aktueller State-of-the-Art-Hardware installieren

344
00:33:44,380 --> 00:33:49,500
Christian: und könnt dann zum Beispiel auch Datei-Sharing über Samba 4.11 und Kerberos machen.

345
00:33:49,600 --> 00:34:15,139
Christian: Also das sind so Anforderungen, die eher aus dem Business kommen dürften. Und interessanterweise hat das Betriebssystem auch einen Paketmanager, damit man eben Updates installieren kann und neue Software ganz einfach über die Kommandozeile nachrüsten kann. Und das Ganze auf Basis des JUM-Paketmanagers und der RPM-Technologie. Das sind zwei Dinge, die man kennt, wenn man sich mit Linux im weitesten Sinne beschäftigt und da mit Red Hat-artigen Betriebssystemen schon mal zu tun hatte.

346
00:34:15,220 --> 00:34:35,240
Christian: Also Open Source Technik, die in diesen extrem niedrigen Betriebssystemen zum Einsatz kommt. Das Ganze kostet natürlich etwas. Es gibt jährliche Subscriptions. Die Personal Edition, die liegt bei 139 US-Dollar, das sind so circa 120 Euro. Und die Commercial Edition, die liegt bei 249 Dollar, also so 220 Euro.

347
00:34:35,580 --> 00:34:48,399
Christian: Das heißt, das eine eben, wenn man das persönlich für sich privat nutzen möchte und die Commercial Edition, die richtet sich dann eher an die Business-Kundschaft. Da gibt es dann auch entsprechende Mengenrabatte, das ist auch alles auf der Webseite dokumentiert.

348
00:34:48,639 --> 00:35:06,460
Christian: Was ich ein bisschen unschön finde, ist, dass es keine generischen ISO-Speicherabbilder gibt, von denen man booten könnte, um das Betriebssystem zu installieren, sondern wenn man zur zahlenden Kundschaft zählt, kann man sich im Kundinnenbereich einfach ein personalisiertes Abbild generieren lassen, das man dann runterladen kann.

349
00:35:06,860 --> 00:35:26,560
Christian: Kommen wir mal zurück zum Kernthema dieses Podcasts. Was hat das jetzt mit Thinkpads zu tun? Naja, OS2 kann natürlich eine valide Wahl für einige ältere Thinkpads sein. Dabei solltet ihr aber unbedingt den Treibersupport beachten. Idealerweise nehmt ihr ein Gerät, das so bis ca. 2002 produziert wurde, denn da sind vor allen Dingen funktionale Audio- und Videotreiber wichtig.

350
00:35:26,760 --> 00:35:31,280
Christian: Da ist bei OS/2 nicht ganz so viel enthalten, es gibt auch im Betriebssystem selbst schon

351
00:35:31,280 --> 00:35:35,820
Christian: ein bisschen Support für IBM Thinkpads, aber natürlich will man dann im Nachgang die passenden

352
00:35:35,920 --> 00:35:37,840
Christian: Treiber von der IBM Seite runterladen.

353
00:35:38,460 --> 00:35:43,400
Christian: Ich habe mal geguckt, was viele Leute so einsetzen und in den eingängigen Foren werden oft genannt

354
00:35:43,410 --> 00:35:50,160
Christian: das Thinkpad 600, die 500er und 700er Serie und die T20, 30 und 40er Serie.

355
00:35:51,460 --> 00:35:55,379
Christian: Interessanterweise gibt es aber auch spätere Geräte, für die immer noch OS/2 Treiber

356
00:35:55,400 --> 00:36:16,480
Christian: angeboten wurden. Zum Beispiel das T43, das ist eins der späteren Geräte, die ich so entdeckt habe. Und ich selbst habe auch OS2 auf einem T22 und versuche seitdem erste Erfahrungen mit diesem Betriebssystem zu sammeln. Das klingt mir eher nur so mittelmäßig, weil das wirklich ein nicht ganz einfaches Thema ist. Das ist bedeutend komplexer als so eine Windows 3.1 Installation.

357
00:36:17,100 --> 00:36:35,280
Christian: Gerade auch so die ganze Treiber-Thematik, die ist so ein bisschen problematisch, wenn man da keine ordentliche Hardware hat, die sauber von OS2 supportet wird. Ich glaube, das liegt auch so ein bisschen daran, dass ich das Betriebssystem damals nicht als Heranwachsender gesehen habe, deswegen habe ich da nicht so eine Bindung zu, aber vielleicht schaue ich mir das doch noch mal näher an.

358
00:36:41,320 --> 00:37:00,860
Christian: Kommen wir mal zur NT-Ära. Die darf natürlich hier auch nicht in dieser Episode fehlen. 1993 erschien die erste NT-Version, die Version 3.1, und die ist grafisch eben an Windows 3.1 orientiert. Das heißt, optisch sieht es vertraut aus, unter der Haube steckt aber viel neue Technik, denn NT steht ja auch für New Technology.

359
00:37:01,560 --> 00:37:19,820
Christian: Und NT ist sowas wie der spirituelle Nachfolger des gescheiterten OS2-Projekts. Wieder sehr umfangreiches Thema, also da waren auch viele interessante Charaktere daran beteiligt, das müssen wir mal in einer separaten Folge thematisieren, aber kann man einfach mal so sich merken, als ist ein Nachkömmling dieses gescheiterten Projekts.

360
00:37:20,120 --> 00:37:34,080
Christian: Das Ganze richtet sich natürlich auch wieder an die Enterprise-Bedürfnisse und wurde parallel zu den noch auf MS-DOS basierenden Windows-Versionen entwickelt. Das heißt, 95, 98 ME basierte weiterhin auf MS-DOS und für die Business-Kundschaft gab es eben Windows NT.

361
00:37:34,780 --> 00:37:45,900
Christian: Es erschien damals in verschiedenen Editionen für Server und Workstations, konnte aber auch auf Notebooks eingesetzt werden, dürfte aber im Retro-Computing-Hobby vermutlich eher eine untergeordnete Rolle spielen.

362
00:37:46,980 --> 00:37:54,780
Christian: 1994 und 1996 erschienen die Folgeversionen NT 3.5 und 4.0 und letzteres erinnert optisch eben an Windows 95.

363
00:37:55,400 --> 00:38:15,020
Christian: Was vermutlich bedeutend zutreffend dafür das Hobby sein dürfte, sind Windows 2000 und XP. Da liegt relativ wenig Entwicklungszeit zwischen diesen beiden Betriebssystemen, aber in der kurzen Zeit ist trotzdem viel passiert. Halten wir es mal fest, Windows 2000 erschien im Februar 2000 und Windows XP erblickte im Oktober 2001 das Licht.

364
00:38:15,320 --> 00:38:28,140
Christian: Und während sich Windows 2000 eher noch ziemlich deutlich an die Business-Kundschaft richtet, führt XP dann die bis dahin parallel verlaufende Windows-Produktlinien zusammen. Das heißt XP basiert auf NT, MS-DOS spielt keine Rolle mehr.

365
00:38:28,580 --> 00:38:45,320
Christian: Und vielleicht fragt ihr euch jetzt, okay, aber soll ich jetzt eher Windows 2000 oder Windows XP einsetzen? Auch hier kommt es wieder auf die Hardware an. Windows 2000 finde ich deswegen interessant, weil es etwas weniger Ressourcen benötigt. Da reicht nämlich schon Pentium 1 mit 133 MHz und 64 MB RAM.

366
00:38:45,440 --> 00:39:06,300
Christian: Bei XP ist es so, da werden 300 MHz empfohlen und 128 MB RAM. Das heißt, wenn ihr einen Rechner habt, der noch nicht so viel RAM und noch nicht so eine starke CPU hat, hätte ich jetzt fast gesagt, 300 MHz sind ja heute auch retrospektiv betrachtet wenig, dann kann es durchaus sinnvoll sein, wenn es ein altes Windows sein soll, sich 2000 anzugucken.

367
00:39:06,400 --> 00:39:25,340
Christian: Über Windows Vista sprechen wir hier mal nicht, genauso wie über Windows Mi. Das sind beides Betriebssysteme, die nicht sonderlich beliebt waren. XP mit Service Pack 2 und 3, deutlich nutzbarer als die ersten Versionen, konnte dann auch seinerzeit als Daily Driver gut verwendet werden, kann also auch für so einen Retro-Rechner durchaus eine valide Option sein.

368
00:39:25,580 --> 00:39:32,600
Christian: und 2009 erschien dann Windows 7 und das zählt somit faktisch auch schon zu den Retro-Betriebssystemen,

369
00:39:32,640 --> 00:39:34,580
Christian: hat ja auch schon fast 20 Jahre auf der Uhr.

370
00:39:35,300 --> 00:39:38,020
Christian: Und das läuft ja auch auf vielen meiner Thinkpads und macht offline immer noch Spaß

371
00:39:38,440 --> 00:39:41,440
Christian: und zuletzt funktioniert auch die telefonische Aktivierung für mich.

372
00:39:42,220 --> 00:39:46,220
Christian: Aber mal genug von zeitgenössischem Betriebssystem, wie sieht das denn mit Linux aus?

373
00:39:46,620 --> 00:39:50,760
Christian: Nun, wie so oft kann Linux auch hier eine Antwort sein, aber die Frage, die sich vielleicht stellt ist,

374
00:39:50,820 --> 00:39:53,280
Christian: was macht der Linux jetzt besser als andere Betriebssysteme?

375
00:39:54,240 --> 00:40:02,760
Christian: Festhalten kann man hier schon mal, dass das Ganze quelloffen entwickelt wird, das heißt ein jeder, eine jede kann partizipieren und Linux unterstützt viele unterschiedliche Plattformen.

376
00:40:02,870 --> 00:40:10,200
Christian: Vom Smartphone über das Notebook bis hin zum Supercomputer, auf allen diesen Geräteklassen kann man Linux betreiben.

377
00:40:11,020 --> 00:40:20,920
Christian: Das bedeutet aber auch, dass in der Regel alte Hardware noch recht lange weiter unterstützt wird und das ist gerade jetzt in der hitzig geführten Windows-11-Debatte ein häufig eingeworfenes Argument.

378
00:40:21,900 --> 00:40:25,200
Christian: Man muss also nicht unbedingt den Rechner wegwerfen, weil kein Windows 11 mehr drauf läuft.

379
00:40:25,200 --> 00:40:29,920
Christian: Man kann auch einfach mit einem Linux der Wahl das Gerät nochmal weiterverwenden.

380
00:40:30,700 --> 00:40:31,860
Christian: Vielleicht als kleines Beispiel dafür.

381
00:40:32,600 --> 00:40:38,180
Christian: Debian, eine der größten und bekanntesten Linux-Distributionen, hat erst 2025 aufgehört,

382
00:40:39,220 --> 00:40:44,940
Christian: Installationsabbilder für die reinen 32-Bit x86-CPUs von AMD und Intel anzubieten.

383
00:40:45,500 --> 00:40:51,620
Christian: Halten wir mal kurz fest, die letzte reine 32-Bit Intel-CPU lief 2007 vom Band.

384
00:40:51,840 --> 00:40:57,540
Christian: Das ist auch fast 20 Jahre her und ihr könnt mit einem solchen Prozessor immer noch ein aktuelles

385
00:40:57,600 --> 00:41:02,180
Christian: Linux fahren. Das finde ich bemerkenswert, das gibt es so jetzt bei Microsoft nicht,

386
00:41:02,260 --> 00:41:07,080
Christian: muss man festhalten. Und auch die vor kurzem veröffentlichte Version 7.0 des Linux-Currens

387
00:41:07,140 --> 00:41:12,860
Christian: hat erst den Support für Intel 486er CPUs entfernt. Also das ist noch mal weiter in

388
00:41:12,860 --> 00:41:18,519
Christian: der Vergangenheit entfernt und das liegt daran, dass diese 486er CPUs noch lange in Embedded

389
00:41:18,540 --> 00:41:23,100
Christian: Systems eingesetzt wurden, aber jetzt ist eben der Punkt erreicht, wo eine Wartung des Codes

390
00:41:23,320 --> 00:41:27,780
Christian: nicht mehr sinnvoll ist. Deswegen wurde es entfernt, aber die Community kann natürlich

391
00:41:28,020 --> 00:41:32,720
Christian: trotzdem gerne das noch weiterentwickeln und wieder einbauen. Und da gibt es auch wieder

392
00:41:32,820 --> 00:41:38,340
Christian: erste Projekte, die den 486er Support wieder nachgerüstet haben. Also ihr seht, wenn man

393
00:41:38,440 --> 00:41:42,620
Christian: irgendwo alte Hardware und eine Nische hat, dann ist man mit Linux da meistens ganz gut bedient.

394
00:41:43,520 --> 00:41:48,500
Christian: Die Frage, die ihr euch für eure Sammlung stellen solltet, liebe Zuhörer, ist, ist es reines

395
00:41:48,520 --> 00:41:52,160
Christian: 32- oder 64-Bit-Systeme, mit denen ihr da zu tun habt.

396
00:41:52,160 --> 00:41:54,660
Christian: Denn je nachdem gibt es mehr oder weniger

397
00:41:54,660 --> 00:41:57,720
Christian: Linus-Distributionen, die da in Frage kommen.

398
00:41:57,720 --> 00:42:00,300
Christian: Zur groben zeitlichen Einschätzung,

399
00:42:00,300 --> 00:42:03,720
Christian: ab dem ThinkPad T60 gab es schon Konfigurationen

400
00:42:03,720 --> 00:42:06,100
Christian: mit 64-Bit-fähigen CPUs.

401
00:42:06,100 --> 00:42:10,060
Christian: Es gab aber auch noch welche mit reinen 32-Bit-CPUs.

402
00:42:10,060 --> 00:42:12,160
Christian: Wenn ihr also irgendwo ein Gerät habt,

403
00:42:12,160 --> 00:42:15,760
Christian: das einen Intel Core Solo oder Intel Core Duo Prozessor hat,

404
00:42:17,960 --> 00:42:18,480
Christian: dann ist das mit hoher Wahrscheinlichkeit

405
00:42:18,500 --> 00:42:26,560
Christian: Wenn ihr allerdings irgendwo einen Hinweis auf einen Intel Core 2 Duo findet, dann ist

406
00:42:26,600 --> 00:42:30,040
Christian: das ein Indiz dafür, dass es ein 64-Bit-fähiger Prozessor ist.

407
00:42:30,780 --> 00:42:34,840
Christian: Wenn das der Fall ist, dann habt ihr die größere Auswahl und könnt im Prinzip jedes aktuelle

408
00:42:34,980 --> 00:42:36,260
Christian: Linux darauf verwenden.

409
00:42:37,280 --> 00:42:41,520
Christian: Das findet sich auch so beim X60 und R60, also das ist so in etwa der Zeitpunkt in der

410
00:42:41,580 --> 00:42:45,140
Christian: Historie, wo man eben 64-Bit-fähige Thinkpads bekommen hat.

411
00:42:45,340 --> 00:42:52,720
Christian: Beim RAM sollten es schon mindestens 384 MB RAM sein. Das liegt einfach darin begründet,

412
00:42:52,840 --> 00:42:57,700
Christian: alles unter 384 MB kann man dann meistens nur Kommandozeilen-Anwendungen verwenden.

413
00:42:57,800 --> 00:43:03,560
Christian: Und das kann für manche Leute toll sein, aber es gibt bestimmt auch Anwender*innen da draußen,

414
00:43:03,680 --> 00:43:07,520
Christian: die gerne eine grafische Oberfläche hätten und sich damit wohler fühlen.

415
00:43:08,480 --> 00:43:12,200
Christian: Wichtig ist auch die Frage nach den verwendeten Anwendungsprogramm. Möchte man eher

416
00:43:12,220 --> 00:43:16,880
Christian: Kommandozeilen-Anwendung verwenden oder eher grafische Anwendungen. Denn auch sehr alte

417
00:43:17,040 --> 00:43:21,240
Christian: Geräte können noch mit CLI-Anwendung verwendet werden, ist dann halt nicht so benutzerfreundlich

418
00:43:21,360 --> 00:43:25,840
Christian: und bei GUI-Anwendungen muss man aber eine gute Vorauswahl treffen. Also ihr könnt nicht einfach

419
00:43:25,880 --> 00:43:29,720
Christian: auf dem alten Gerät ein modernes Linux installieren, einen aktuellen Firefox und

420
00:43:30,380 --> 00:43:34,600
Christian: LibreOffice draufpacken und dann erwarten, dass die Anwendungen genauso schnell laufen wie auf

421
00:43:34,660 --> 00:43:38,640
Christian: einem aktuellen Notebook. Das wird nicht funktionieren. Das heißt, hier ist es sinnvoll,

422
00:43:38,660 --> 00:43:45,780
Christian: nach Alternativen zu suchen, die vielleicht ähnliche Features haben, aber weniger CPU und RAM-Ressourcen benötigen.

423
00:43:46,360 --> 00:43:51,420
Christian: Generell ist auch ein Trend der letzten zehn Jahre, dass für vieles mittlerweile nur noch ein Webbrowser zum Einsatz kommt,

424
00:43:51,700 --> 00:43:54,400
Christian: wofür wir früher dedizierte Anwendungen genommen haben.

425
00:43:54,490 --> 00:43:58,680
Christian: Zum Beispiel Mail-Clients. Die meisten Leute lesen ihre E-Mails über irgendeine Webseite.

426
00:43:59,820 --> 00:44:04,740
Christian: Gechattet wird über irgendwelche Webseiten. News konsumieren viele nicht mehr über einen Newsreader.

427
00:44:04,840 --> 00:44:19,300
Christian: Und auch Office-Pakete werden heute teilweise vollständig im Webbrowser konsumiert. Das heißt, die Frage, die ihr euch da stellen könnt, ist, ob man vielleicht wieder mehr alleinstehende Anwendungen verwenden möchte. Denn da gibt es auch noch weiterhin eine große Auswahl an Programmen.

428
00:44:19,780 --> 00:44:39,760
Christian: Ich habe mir das mal angeguckt, so ein aktueller Firefox, der verbraucht, wenn man ihn ohne geöffnete Tabs startet, schon knapp 320 MB. Und wenn man eben nur wenig RAM hat, dann ist es schon sinnvoll, mit weniger RAM zu haushalten. Das funktioniert mit Firefox also nicht. Chromium liegt hier bei 170 MB direkt nach dem Start.

429
00:44:39,940 --> 00:45:03,920
Christian: Und leider ist es auch so, dass es generell wenig Alternativen im konsolidierten Browsermarkt gibt. Man hat ja die Wahl zwischen Chromium basiert oder eben Firefox. Das sind so die beiden großen Religionen, sage ich jetzt mal. Der Aszendent WebKit, der findet sich vor allen Dingen noch bei Apple Safari oder eben, und das ist einer der alternativen Webbrowser, die ich euch mal ans Herz legen möchte, eben Epiphany Webbrowser.

430
00:45:04,040 --> 00:45:18,840
Christian: Der ist auch als GNOME Web bekannt. Das ist eben der Browser des GNOME-Projekts. Das ist einer der vielen Lidungs-Desktops. Der belegt ohne geöffnete Webseite ca. 252 mb RAM. Das ist weniger als Firefox, aber auch ein bisschen mehr als Chromium.

431
00:45:19,680 --> 00:45:28,240
Christian: Dann gibt es noch den Midori-Webbrowser, der basiert inzwischen auch auf Chromium und ist in den meisten Distributionen enthalten. Ist ein bisschen leichtgewichtiger als so ein Firefox.

432
00:45:29,100 --> 00:45:44,340
Christian: Und ein weiteres Projekt, das es auch noch gibt, das wir hier der Vollständigkeit halber auf jeden Fall erwähnen müssen, ist Pale Moon. Das ist ein seit 2009 existierender Firefox-Fork. Also da wurde der Quellcode von Firefox genommen und anderweitig weiterentwickelt.

433
00:45:45,440 --> 00:46:12,120
Christian: Der orientiert sich optisch an den Firefox-Versionen zwischen 4 und 28. Das ist also eine richtige Zeitreise. Ich habe das mal auf dem Gerät installiert und aufgemacht und habe mich direkt zehn Jahre zurückgebeamt gefühlt. Und der Browser unterstützt auch die alten Firefox-Add-ons, unter anderem für Java und Flash. Also das Schlagwort ist hier Netscape Plugin API. Und auf der Webseite wird auch betont, dass der Fokus bei Pale Moon auf Privatsphäre liegt.

434
00:46:13,140 --> 00:46:26,660
Christian: Interessanterweise läuft der auch auf recht alter Hardware. Wichtig ist, dass die CPU auf jeden Fall SSE2 haben muss. Das ist im Prinzip so jede CPU ab dem Pentium 4 aus dem Jahr 2000 oder AMD CPUs ab 2003.

435
00:46:27,200 --> 00:46:45,440
Christian: Es gibt aber auch noch ein Special Build, der nur mit SSE statt SSE2 auskommt. Da ist die Codebasis aber nochmal älter. Da braucht ihr mindestens ein Pentium 3 von 1999 oder einen AMD Prozessor mit 3D Now Technik, also alles was ab 1998 veröffentlicht wurde.

436
00:46:46,420 --> 00:47:05,020
Christian: PaleMoon selbst belegt nur 69 MB RAM nach dem Start, aber Vorsicht, wie sicher dieser Browser ist, das kann ich persönlich nicht bewerten. Also sie geben an, dass sie den Code natürlich seitdem weiterentwickeln und das kann man auch rekonstruieren. Wenn man sich den Open Source Quellcode anguckt, sieht man, dass da Dinge reinkommen, dass da entwickelt wird.

437
00:47:05,940 --> 00:47:28,120
Christian: Aber wie gut das jetzt im Daily-Driver-Betrieb ist, das kann ich nicht beurteilen. Ich würde es jetzt vielleicht nicht unbedingt fürs Banking verwenden, aber ich sage mal, auf Retromaschinen mit einem Pentium 3 oder einem Pentium 4 wird man vermutlich keine wichtigen alltäglichen Dinge tun, sondern da ist das eher so eine Hobby-Liebelei und dafür ist es durchaus eine valide Option.

438
00:47:28,720 --> 00:47:42,740
Christian: Aber abgesehen vom Webbrowser gibt es ja auch weitere Anwendungssoftware, wo es sinnvoll sein kann, andere Programme zu verwenden, um RAM und CPU-Ressourcen einzusparen. Kurz abgefeuert ein paar Tooltipps, könnt ihr auch alles in den Shownotes nachlesen, da ist das entsprechend verlinkt.

439
00:47:43,200 --> 00:48:05,060
Christian: Als Dateimanager könnte man sich zum Beispiel mal ROX-File angucken. Wer Code schreibt, der könnte sich mal Genie statt VSCode oder Codium anschauen. Als einfachen Texteditor kann ich Leafpad empfehlen. Und wenn ihr CDs oder DVDs brennt, dann lohnt auch mal ein Blick auf XFBurn aus dem XFCE-Projekt statt dem etwas schwergewichtigen Brasero aus dem GNOME-Projekt.

440
00:48:05,760 --> 00:48:16,920
Christian: Statt GIMP wäre vielleicht auch MT-Paint eine Option, hat ein bisschen weniger Features, braucht aber auch bedeutend weniger Ressourcen und zum Anzeigen von Bildern könnte man sich Mirage anschauen.

441
00:48:17,400 --> 00:48:32,160
Christian: E-Mails könnte man nicht mehr über den Webbrowser konsumieren, sondern über einen Standalone-Mail-Client. Da gibt es zum Beispiel Klaffs Mail oder Silphid. Für ersteres gibt es sogar ein Add-on, damit man News über einen Newsreader konsumieren kann, also über RSS- oder Atomfeeds.

442
00:48:32,940 --> 00:48:51,200
Christian: Wenn ihr aber lieber einen Standalone-RSS-Reader haben wollt, da wäre Live-Re ein weiteres Tool. Für das Abspielen von Musik gäbe es XMMS oder XMMS2, beides frappierende Ähnlichkeiten zu alten Winamp-Versionen. Und als Videoplayer gäbe es zum Beispiel VLC oder MPV.

443
00:48:51,860 --> 00:49:02,120
Christian: Für diese Standard Office Tätigkeiten kann man statt LibreOffice Writer und Calc, also für Textverarbeitung und Tabellenkalkulation, auch auf Abivert oder Numeric setzen.

444
00:49:02,440 --> 00:49:06,320
Christian: Die sind bedeutend leichtgewichtiger und laufen auch auf alten Geräten zuverlässig.

445
00:49:06,840 --> 00:49:10,960
Christian: Und zum Anzeigen von Dokumenten gibt es beispielsweise MuPDF oder Evinz.

446
00:49:11,940 --> 00:49:19,700
Christian: Wie gesagt, nur eine kleine Auswahl. Ich bin mir sicher, eine kurze Recherche bringt noch mindestens doppelt und dreimal so viele Tooltips auf den Bildschirm.

447
00:49:20,260 --> 00:49:29,260
Christian: Eine weitere Frage, die ihr euch vielleicht stellt, ist, welchen Desktop sollte man verwenden? Und vielleicht klären wir erstmal, was so ein Desktop überhaupt ausmacht oder eine Desktop-Umgebung.

448
00:49:29,960 --> 00:49:38,360
Christian: Nun, meistens bestehen die aus einem Login-Manager. Das ist so diese Anmeldemaske vor der Benutzung. Es gibt in aller Regel Window-Decorator oder Window-Manager.

449
00:49:38,620 --> 00:49:45,520
Christian: Das sind diese Dekorationen für die Fenster, die man aufmacht, damit man die Fenster vergrößern, verkleinern kann, verschieben und schließen kann.

450
00:49:45,800 --> 00:49:47,880
Christian: Dafür ist dieses Stück Software zuständig.

451
00:49:48,820 --> 00:49:57,840
Christian: Und auf dem Desktop hat man meistens noch einen Launcher oder einen Dock, also so eine Schnellstartleiste und ein Menü, aus welchem sich Anwendungen heraus starten lassen.

452
00:49:58,990 --> 00:50:05,200
Christian: Auch nicht fehlen darf eine Statusbar oder Applets, die dann im Hintergrund laufende Anwendungen und Einstellungen anzeigen.

453
00:50:06,010 --> 00:50:10,440
Christian: Das heißt, es gibt umfangreiche Desktop-Umgebungen mit diesen oben genannten Komponenten.

454
00:50:10,540 --> 00:50:20,100
Christian: Man kann sich aber auch selbst einfach die Bestandteile raussuchen und mehrere freistehende Anwendungen kombinieren, denn schlussendlich machen diese Desktop-Umgebungen auch nichts anderes.

455
00:50:20,820 --> 00:50:30,080
Christian: Man kann sich also beispielsweise einen Window-Manager der Wahl raussuchen, sowas wie JVM, IceVM oder Fluxbox, das sind auch eher ressourcensparende Programme.

456
00:50:31,100 --> 00:50:34,720
Christian: Beim Panel könnte man auf Tint2 oder FB-Panel setzen und so weiter.

457
00:50:34,900 --> 00:50:44,260
Christian: Da gibt es wirklich unzählige Pakete, die sich kombinieren lassen und das machen auch einige spezielle Linux-Distributionen für alte Hardware. Da kommen wir auch gleich noch drauf zu sprechen.

458
00:50:45,120 --> 00:50:53,660
Christian: Generell vielleicht zusammengefasst, es gibt ca. 30 verschiedene Desktop-Umgebungen für Linux. Das ist echt eine ganze Menge, da ist glaube ich wirklich für jeden Geschmack was mit dabei.

459
00:50:54,730 --> 00:51:00,840
Christian: Von den großen Desktops GNOME und KDE würde ich aber aufgrund des Ressourcenverbrauchs bei alter Hardware eher abraten.

460
00:51:01,620 --> 00:51:25,460
Christian: Fangen wir mal mit ein paar denkbaren Alternativen an, zum Beispiel der XFCE Desktop. Das ist eine leichtgewichtige und aktiv entwickelte Alternative, ist auch in jeder großen Lienungsdistribution enthalten und einer der ältesten Desktops überhaupt. Da liegt der Rahmenverbrauch nach dem Start bei ca. 300 MB. Das Teil ist wenig anspruchsvoll grafisch betrachtet, aber genau da liegt ja auch der Reiz des Tools.

461
00:51:25,980 --> 00:51:48,660
Christian: Dann gibt es noch den Mate Desktop. Das ist ein Fork des früheren GNOME 2 Desktops. Der entstand damals aus Unzufriedenheit mit dem GNOME 3 Desktop, vor allen Dingen hinsichtlich der Optik und der Ressourcennutzung. Aber das ist ja das Schöne an Open Source. Wenn einem etwas nicht gefällt, kann man es ja forken und besser machen. Also den Quellcode nehmen und nach eigenem Gusto anpassen und weiterentwickeln. Und das ist genau das, was die Community seitdem tut.

462
00:51:49,380 --> 00:52:10,480
Christian: Da tut sich relativ wenig, also der sieht ziemlich genauso aus, wie Gnome 2 damals aussah, aber ich denke mal, der Desktop ist auch einfach ein Stückchen weit ausentwickelt. Die letzte Version ist vom Februar 2024 und in den meisten Linien-Distributionen ist Mate auch noch enthalten. Hier liegt der Rahmenverbrauch nach dem Start meistens bei ca. 450 MB.

463
00:52:11,160 --> 00:52:34,380
Christian: Ein weiterer Desktop, der gerne mal vergessen wird, ist das Trinity Desktop Environment oder zusammengefasst TDE. Das ist auch wieder ein Fork, nämlich ein Fork des KDE 3.5 Desktops. Der wurde zwischen November 2005 und August 2008 entwickelt und der entstand ebenfalls aus der Unzufriedenheit mit dem neuen KDE Plasma 4 Desktop, gerade so in Richtung Ressourcenutzung und Optik.

464
00:52:34,780 --> 00:52:47,820
Christian: Das ist wirklich nischig, würde ich behaupten, wird interessanterweise aber noch weiterentwickelt. Also die aktuelle Version ist vom April 2026 und das ist eine schöne Zeitreise, wenn man vorher schon mal KDE 3.5 benutzt hat.

465
00:52:48,620 --> 00:52:52,940
Christian: RAM-Verbrauch liegt hier nach dem Start bei ca. 400 MB, also ein kleines bisschen mehr als XFCE.

466
00:52:54,000 --> 00:52:58,580
Christian: Und der Desktop ist allerdings nicht in vielen DINOS-Distributionen enthalten.

467
00:52:58,900 --> 00:53:02,500
Christian: Also eine Distribution, die ich hier mal empfehlen kann, ist Q4OS.

468
00:53:03,500 --> 00:53:06,920
Christian: Das ist eine auf Debian basierte DINOS-Distribution für ältere Hardware.

469
00:53:07,190 --> 00:53:10,980
Christian: Die hat dann auch extra Themes, damit das aussieht wie Windows 2000, XP und Windows 7.

470
00:53:11,570 --> 00:53:17,340
Christian: Ist also etwas, das man vielleicht auch eher älteren Usern empfiehlt, die sich nicht mehr umgefühen wollen.

471
00:53:17,960 --> 00:53:39,780
Christian: Von Q4OS gibt es einmal eine aktuelle 32-Bit-Version, Aquarius heißt die, die wird bis Juni 2028 unterstützt, basiert auf Debian 12 Bookworm und die aktuelle 64-Bit-Version Andromeda, die erhält bis mindestens August 2030 Updates, eben auf Basis von Debian 13 Trixi.

472
00:53:40,640 --> 00:53:50,800
Christian: Alles mal einen Blick wert, würde ich behaupten. Und je nachdem, was für ein Gerät man hat, macht vielleicht das ein oder andere mehr Sinn. Kann man sich einfach mal anschauen, was einem am besten gefällt.

473
00:53:51,280 --> 00:54:15,900
Christian: Und wenn ihr jetzt eher noch ältere Gerätschaften in eurer Sammlung habt, für die ihr ein aktuelles Linux finden müsst, dann sei hier mal auf das Projekt SHORC 486er hingewiesen. Das ist ein noch recht frisches Projekt, das Retro Computing Enthusiasten Admiral Shark. Den kennt man vor allen Dingen in der Szene mechanischer Tastaturen, denn der betreibt eine sehr umfangreiche Datenbank über IBM, Lenovo und Unicom Tastaturen.

474
00:54:16,140 --> 00:54:21,920
Christian: Da lohnt sich auch immer mal ein Blick auf die Webseite, da habe ich schon viel zu Recherchezwecken drauf verbracht.

475
00:54:22,740 --> 00:54:29,340
Christian: Und die Distribution, die ihr da ins Leben gerufen habt, die richtet sich an alte 486er und Pentium 1 Gerätschaften.

476
00:54:29,890 --> 00:54:36,040
Christian: Das erkennt man auch daran, dass lediglich 16 MB RAM und 80 MB Festplatte benötigt werden in der kleinsten Konfiguration.

477
00:54:37,010 --> 00:54:42,020
Christian: Und derzeit besteht die Distribution vor allen Dingen aus zahlreichen Kommandozeilenanwendungen.

478
00:54:42,100 --> 00:54:52,600
Christian: Da gibt es einen Textbrowser, es gibt FTP, SCP, SSH und Git-Clients, es gibt Texteditoren, WIM, Nano, Emacs und sogar ein Tabellenkalkulationsprogramm.

479
00:54:53,500 --> 00:54:58,880
Christian: Und hier wird vor allen Dingen auf Muscle statt JLIPC als C-Standard-Bibliothek gesetzt.

480
00:54:58,970 --> 00:55:06,080
Christian: Das führt nämlich zu kleineren Binärdateien mit geringerer RAM-Auslastung und das eben so auf dem Level, dass es auch auf so einem 486er läuft.

481
00:55:07,120 --> 00:55:10,580
Christian: Aktuell wird mit ShortGUI aber auch ein minimalistischer Desktop entwickelt.

482
00:55:10,800 --> 00:55:21,260
Christian: Da gibt es aber noch nichts Vorzeigbares, aber wenn das ein Thema ist, das euch interessiert, dann könnt ihr gerne mal auf GitHub vorbeigucken, denn da findet sich das Ganze und Feedback ist hier immer willkommen.

483
00:55:22,420 --> 00:55:33,060
Christian: Eine Distribution, die ich vorbehaltlos empfehlen kann, ist Antiex Linux. Das Ganze basiert auf Debian, ist leichtgewichtig und der Fokus liegt hier auf einer intelligenten Softwareauswahl für alte und neue Computer.

484
00:55:33,480 --> 00:55:39,880
Christian: Es gibt sowohl 32- als auch 64-Bit-Versionen, auch auf Basis von Debian 13.

485
00:55:39,880 --> 00:55:44,060
Christian: Das heißt, hier ist mal die Extra-Meile gegangen und hat da selbst ISOs gebaut.

486
00:55:44,060 --> 00:55:47,880
Christian: Und Antiex bietet gleich vier unterschiedliche Innet-Systeme an.

487
00:55:47,880 --> 00:55:53,540
Christian: Ein Innet-System, das ist im Prinzip das erste Programm, das während dem Boot vom Dienungskern gestartet wird.

488
00:55:53,540 --> 00:55:59,040
Christian: Und das ist dann dafür zuständig, die ganzen Dienste im Hintergrund in der richtigen Reihenfolge zu starten,

489
00:55:59,040 --> 00:56:03,200
Christian: sodass man hoffentlich eine funktionale grafische Oberfläche und Netzwerkfunktionalität hat.

490
00:56:03,360 --> 00:56:22,320
Christian: Das ist heutzutage bei den meisten Distributionen Systemd. Das gilt in manchen Kreisen als überladen und ressourcenhungrig. Deswegen haben sich die EntwicklerInnen entschieden, vier unterschiedliche weitere Initsysteme anzubieten, namentlich RUnit, System5Init, das war der Standard vor Systemd, DInit und S6.

491
00:56:23,020 --> 00:56:26,520
Christian: Kann ich jetzt gar nicht viel zu sagen zu den unterschiedlichen Input-Systemen.

492
00:56:26,560 --> 00:56:30,560
Christian: R-Unit ist der Default und der funktioniert für mich hier ziemlich gut, muss ich sagen.

493
00:56:30,960 --> 00:56:32,780
Christian: Ich habe das hier auf ein, zwei Geräten installiert.

494
00:56:33,380 --> 00:56:40,260
Christian: Und der Desktop verbraucht nach dem Boot ohne gestartete Anwendungen, abgesehen von der Oberfläche, lediglich 128 MB RAM.

495
00:56:40,780 --> 00:56:43,340
Christian: Und das ist ein sehr guter Wert für ein aktuelles Linux, wie ich finde.

496
00:56:44,360 --> 00:56:48,820
Christian: Das liegt auch daran, dass AnteX keinen vollwertigen Standard-Desktop von der Stange mitliefert,

497
00:56:49,180 --> 00:56:52,180
Christian: sondern hier wurden auch wieder intelligent Komponenten ausgewählt.

498
00:56:52,400 --> 00:56:55,660
Christian: Wir haben nämlich ISVM als Window Manager und Tint2 als Panel.

499
00:56:56,520 --> 00:57:02,000
Christian: Könnt ihr euch gerne mal anschauen. Läuft hier auf einigen Geräten sehr gut und ist jetzt auch so meine Standard-Distro,

500
00:57:02,660 --> 00:57:06,560
Christian: wenn ich irgendwo ein älteres Gerät habe, das ich mit einem aktuellen Linux betanken möchte.

501
00:57:07,800 --> 00:57:13,420
Christian: Zuvor fiel meine Wahl hier immer auf Bunsen Labs. Das basiert ebenfalls auf Debian und ist ebenfalls leichtgewichtig

502
00:57:13,620 --> 00:57:17,820
Christian: und gilt als Nachfolger des inzwischen eingestellten Crunchbang-Projekts.

503
00:57:18,260 --> 00:57:21,680
Christian: Das ist ein bisschen älter, da gibt es mit Crunchbang++ auch eine Nachfolge.

504
00:57:22,380 --> 00:57:48,860
Christian: Bunsen Labs hatte bis zur aktuellen Version auch immer 32-Bit-Builds. Die neue Version Carbon, die basiert aber auf D-Plan 13 Trixi und deswegen gibt es hier keine 32-Bit-ISOs mehr. Die wollten selbst keine erstellen, aber ihr könnt das ältere Bunsen Labs Reduce Boron, das ist auch in den Shownotes verlinkt, weiterhin verwenden. Das erhält dann auch, da es ja auf D-Plan aufsetzt, mindestens noch bis Juni 2028 Updates.

505
00:57:49,000 --> 00:57:56,200
Christian: Das heißt, ältere Maschinen könnt ihr gerne noch weiterverwenden und Neuinstallationen gehen dann halt eben nur mit 64-Bit-CPUs.

506
00:57:57,080 --> 00:58:02,680
Christian: Auch hier ist der Desktop relativ minimalistisch mit ausgewählten Tools, um da RAM und CPU-Ressourcen einzusparen.

507
00:58:02,800 --> 00:58:05,520
Christian: Wir haben hier Openbox als Window-Manager statt ISVM.

508
00:58:06,060 --> 00:58:07,640
Christian: Panel ist hier ebenfalls ein Tint 2.

509
00:58:08,240 --> 00:58:13,060
Christian: An der rechten Seite gibt es einen Konki System Monitor und das ist auch so eine schöne Zeitreise.

510
00:58:13,120 --> 00:58:30,180
Christian: Das war Anfang der 2000er so ein großes Thema in Linux-Foren, sich seinen Desktop zu pimpen, dass man da so einen schönen Graphen als Hintergrund hatte, wo man dann immer sieht CPU, RAM, Platten und Netzwerkauslastung. Das kommt hier alles frei Haus mit und als Menü kommt hier die Software JG-Mendu zum Einsatz.

511
00:58:30,840 --> 00:58:34,340
Christian: Eine weitere recht interessante Linux-Distribution ist Void Linux.

512
00:58:34,710 --> 00:58:38,040
Christian: Die ist komplett eigenständig, das heißt sie basiert auf keinem anderen Derivat.

513
00:58:38,970 --> 00:58:45,280
Christian: Und das Prinzip von Void Linux ist das KISS-Prinzip, also alles so simpel wie möglich aufzubauen, keinen unnötigen Blow zu enthalten.

514
00:58:45,830 --> 00:58:50,900
Christian: Und hier gibt es 32 und 64-Bit x86-Bills und sogar ARM-Support.

515
00:58:51,340 --> 00:58:55,800
Christian: Ein Leinstellungsmerkmal ist, dass Void einen von BSD inspirierten Paketmanager mitbringt.

516
00:58:55,980 --> 00:59:01,120
Christian: Das heißt, Pakete könnt ihr entweder als Binärpaket installieren oder auch aus dem Quellcode übersetzen lassen.

517
00:59:02,100 --> 00:59:07,220
Christian: Auch hier kommt kein Systemdiet zum Einsatz, sondern RUnit und das Ganze ist eine sogenannte Running Release Distribution.

518
00:59:07,880 --> 00:59:15,460
Christian: Das heißt, es gibt keine konkreten Versionen wie Void Linux 1.0 und 2.0, sondern die Pakete werden regelmäßig aktualisiert

519
00:59:16,020 --> 00:59:19,980
Christian: und ihr könnt im Prinzip täglich oder fast täglich neue Updates installieren.

520
00:59:20,320 --> 00:59:22,760
Christian: Das ist auch empfehlenswert, das regelmäßig zu tun.

521
00:59:23,020 --> 00:59:25,520
Christian: wenn man so ein Running Release System mal ein halbes Jahr nicht patcht,

522
00:59:25,620 --> 00:59:27,340
Christian: können die Versionssprünge nämlich so groß sein,

523
00:59:27,930 --> 00:59:30,200
Christian: dass das System sich da irgendwo aufhängt

524
00:59:30,270 --> 00:59:32,160
Christian: und danach viele Dinge nicht mehr so funktionieren,

525
00:59:32,170 --> 00:59:33,040
Christian: wie es vorher der Fall ist.

526
00:59:33,330 --> 00:59:35,940
Christian: Habe ich zumindest mit anderen Running Release Distributionen so erlebt.

527
00:59:36,760 --> 00:59:38,980
Christian: Wie das bei Void zutrifft, kann ich nicht sagen.

528
00:59:39,290 --> 00:59:41,280
Christian: Aber es ist auf jeden Fall eine sehr spannende Distribution,

529
00:59:41,630 --> 00:59:43,100
Christian: die hier mal erwähnt sei.

530
00:59:43,620 --> 00:59:45,720
Christian: Es gibt eine Kommandozeitenvariante davon

531
00:59:45,920 --> 00:59:47,960
Christian: und ein fertiges XFCE-Abbild.

532
00:59:48,180 --> 00:59:49,440
Christian: Das kann man dann einfach installieren

533
00:59:49,440 --> 00:59:51,020
Christian: und hat dann gleich einen funktionalen Desktop.

534
00:59:51,760 --> 00:59:58,280
Christian: Man kann sich aber auch einfach die Kommandozeilen-Version installieren und dann über die Software-Repositories weitere Desktops installieren.

535
00:59:58,920 --> 01:00:04,520
Christian: Da gibt es nämlich den Budgie-Desktop, Cinnamon, Enlightenment, Marte, Gnome und KDE Plasma.

536
01:00:04,900 --> 01:00:08,600
Christian: Und vor allen Dingen Enlightenment ist ebenfalls sehr ressourcenschonend.

537
01:00:09,140 --> 01:00:12,700
Christian: Das heißt, wenn ihr euch selbst ein Desktop aufbauen wollt, dann wäre auch das eine Wahl.

538
01:00:13,400 --> 01:00:16,080
Christian: Die Installation erfolgt generell über die Kommandozeile.

539
01:00:16,420 --> 01:00:21,760
Christian: Das heißt, da muss man sich schon sicher mitfühlen, auch auf der Kommandozeile mal so ein paar Dinge einzutippen.

540
01:00:22,160 --> 01:00:26,960
Christian: Es gibt eine Doku, die einem da Step-by-Step erklärt, was man eintragen muss, wie man die Platte partitioniert.

541
01:00:27,450 --> 01:00:31,500
Christian: Das heißt, so komplett ohne Linux-Vorwissen würde ich das jetzt vielleicht nicht machen,

542
01:00:31,610 --> 01:00:37,420
Christian: aber wenn man nur ein bisschen Linux-Know-how hat, dann kriegt man es trotzdem hin, Void Linux zu installieren, wie ich finde.

543
01:00:37,880 --> 01:00:42,880
Christian: Wenn man den XFCE-Desktop installiert, liegt die RAM-Auslastung nach dem Start bei ca. 380 MB.

544
01:00:44,060 --> 01:00:55,040
Christian: Okay, jetzt haben wir viel über Linux gesprochen, aber es gibt natürlich auch noch Nischenbetriebssysteme, die hier auch ihren Platz in der Episode finden sollen, denn mit über 600 Linux-Distributionen ist Linux schon lange kein Nischenthema mehr.

545
01:00:55,880 --> 01:01:02,100
Christian: Viele Linux-Distributionen basieren ja auch inzwischen auf anderen Distributionen, zum Beispiel Ubuntu, sehr bekannt, basiert auf Debian.

546
01:01:02,960 --> 01:01:15,480
Christian: Es gibt viele Red Hat-artige Distributionen wie RHEL, Alma, Rocky, Linux, Fedora und viele Distributionen, die auch auf Arch Linux basieren, wie zum Beispiel KashiOS, so einer der angesagtesten Distros im Moment.

547
01:01:16,190 --> 01:01:20,860
Christian: Das heißt, fernab des Mainstreams gibt es ja auch noch sehr spannende Projekte, die genutzt werden wollen.

548
01:01:20,950 --> 01:01:24,720
Christian: Und drei spannende Projekte, wie ich finde, habe ich euch mal mitgebracht.

549
01:01:25,160 --> 01:01:26,660
Christian: Beginnen wir mal mit Haiku.

550
01:01:27,580 --> 01:01:31,620
Christian: Flimmern der Bildschirm, altes System startet leis, Disketten träumen.

551
01:01:32,580 --> 01:01:34,420
Christian: Äh, Moment, das ist nicht das, was ich gesucht habe.

552
01:01:35,740 --> 01:01:40,140
Christian: Bernsteinfarbenes Licht, DOS wartet im Speicher still, Tasten wecken Kraft.

553
01:01:41,480 --> 01:01:44,900
Christian: Achso, ich meine natürlich das Betriebssystem, nicht die Gedichtform.

554
01:01:45,760 --> 01:01:50,680
Christian: Macht übrigens Spaß, wenn man auf der Fehlersuche ist und dann ständig auf Gedichte statt auf Anleitungen trifft.

555
01:01:50,840 --> 01:01:53,180
Christian: Also es gibt auch ein Betriebssystem, das Haiku heißt.

556
01:01:54,340 --> 01:01:59,000
Christian: Und das wird seit 2002 entwickelt, also auch schon seit über 20 Jahren.

557
01:01:59,040 --> 01:02:03,140
Christian: Und das Ganze ist an BEOS angelehnt und zu diesem auch binärkompatibel.

558
01:02:04,140 --> 01:02:07,060
Christian: Und wenn ihr noch nie was von BEOS gehört habt, hier ein kleiner Exkurs.

559
01:02:07,940 --> 01:02:14,180
Christian: Das wurde zwischen Oktober 1995 und Mai 2000 entwickelt und galt seinerzeit als sehr innovativ.

560
01:02:14,780 --> 01:02:19,640
Christian: Es hatte den Fokus auf Multimedia und Multitasking und vor allen Dingen auch auf Desktop-User.

561
01:02:19,960 --> 01:02:22,100
Christian: Das heißt, das war eher ein Einzelplatzsystem.

562
01:02:22,300 --> 01:02:28,780
Christian: Es gab da keine User-Content mit unterschiedlichen Verzeichnissen, wo man seine Daten sicher ablegen konnte,

563
01:02:29,140 --> 01:02:32,680
Christian: sondern das war für den Rechner gedacht, den man eben einschaltet und einfach verwendet.

564
01:02:33,360 --> 01:02:39,660
Christian: BIOS lief auf 32-Bit x86 und Power-PC-Prozessoren und unterstützte auch bis zu 8 Prozessoren.

565
01:02:40,380 --> 01:02:45,820
Christian: Es hatte seinerzeit auch einen Speicherschutz, damit abgestürzte Programme nicht den gesamten Rechner mitrissen.

566
01:02:46,620 --> 01:02:56,240
Christian: Und es hatte auch ein sehr leistungsfähiges Dateisystem BFS und war in der Lage, Windows, Linux und macOS Dateisysteme zu lesen und teilweise auch beschreiben zu können.

567
01:02:56,460 --> 01:03:09,440
Christian: In Summe war es also deutlich stabiler und innovativer als das, was damals Betriebssysteme wie Windows 95 oder macOS anbieten konnten und war deswegen kurzzeitig auch ein Hype-Betriebssystem, könnte man sagen.

568
01:03:10,200 --> 01:03:18,620
Christian: Das führte auch dazu, dass es kurzzeitig, genauer gesagt zwischen 1995 und 1997, einen eigenen Tower-Computer gab, die sogenannte B-Box.

569
01:03:19,360 --> 01:03:24,300
Christian: Die hatte zwei Power-PC-CPUs mit 66 und später 133 MHz.

570
01:03:25,040 --> 01:03:31,580
Christian: Es gab bis zu 256 MB Arbeitsspeicher, eine S3-Grafikkarte und ganz spannend bei den Prozessoren,

571
01:03:31,600 --> 01:03:35,638
Christian: die Auslastung wurde mit einer LED-Leiste an der Gehäusefront angezeigt.

572
01:03:36,380 --> 01:03:37,860
Christian: Blinken-Lights nannte man das auch.

573
01:03:38,400 --> 01:03:44,480
Christian: Das sah cool aus und man hat im Prinzip direkt gesehen, wie ausgelastet der Rechner ist, ohne dass man den Task Manager öffnen musste.

574
01:03:45,200 --> 01:03:53,200
Christian: Es gab interne und externe IDE und SCSI-Controller und darüber hinaus auch drei PCI- und fünf ISA-Slots für Erweiterungskarten,

575
01:03:53,200 --> 01:03:59,760
Christian: einen Parallelanschluss, Audioanschlüsse und sogar einen eigenen programmierbaren Erweiterungsport, der Geekport hieß.

576
01:03:59,760 --> 01:04:04,260
Christian: Man konnte also auch durchaus eigene Hardware-Erweiterungen designen und die programmatisch dann ansteuern.

577
01:04:04,880 --> 01:04:09,060
Christian: Klingt nach einem sehr spannenden Projekt, aber leider ist das Ganze ja offenkundig gefloppt.

578
01:04:09,920 --> 01:04:15,220
Christian: Das lag zum einen daran, dass Beos erst relativ spät für die Intel-Plattform erschien, nämlich 1998.

579
01:04:16,900 --> 01:04:22,580
Christian: Da war man jetzt aber leider schon zu spät, denn Microsoft und Apple haben inzwischen nachgelegt und ihre Produkte verbessert.

580
01:04:23,170 --> 01:04:27,360
Christian: Man hat dann versucht, das Beos-Betriebssystem noch für Internet-Appliances umzubauen.

581
01:04:27,760 --> 01:04:32,640
Christian: Das waren so Kleinstrechner, die man an den Fernseher anschließen konnte, um dann da eben im Internet zu surfen.

582
01:04:33,300 --> 01:04:36,400
Christian: aber der Markt hatte sich zwischenzeitlich einfach schnell weiterentwickelt.

583
01:04:36,440 --> 01:04:38,260
Christian: Und so kam es, wie es kommen musste.

584
01:04:38,560 --> 01:04:44,840
Christian: 2001 meldete das Unternehmen Konkurs an und es wurde dann von Palm gekauft und die Entwicklung eingestellt.

585
01:04:45,040 --> 01:04:49,540
Christian: Sehr schade, wie ich finde, denn es war eigentlich ein ziemlich innovatives Betriebssystem.

586
01:04:50,260 --> 01:04:55,260
Christian: Man hat halt leider zu sehr an der eigenen Hardware festhalten wollen und sich da ein bisschen verzettelt.

587
01:04:55,420 --> 01:04:58,780
Christian: Sonst würde die Geschichte vielleicht anders aussehen heute.

588
01:04:59,560 --> 01:05:05,380
Christian: Aber wie dem auch sei, Haiku OS ist optisch genau das, was Beos war, nur eben in moderner.

589
01:05:05,760 --> 01:05:10,840
Christian: Es ist komplett neu geschrieben worden, es wurde hier kein alter Quellcode übernommen, denn der gehörte ja Palm und später HP.

590
01:05:11,990 --> 01:05:19,580
Christian: Man hat es neu entwickelt und hat teilweise auch Code aus den BSD- und Linux-Projekten genutzt, zum Beispiel für einzelne Gerätetreiber.

591
01:05:19,580 --> 01:05:25,560
Christian: Das Ganze wird heute immer noch aktiv entwickelt. Es gibt monatliche Status-Updates auf der Webseite, die man einsehen kann.

592
01:05:25,560 --> 01:05:29,000
Christian: Und Haiku ist auch häufig Teil der Google Summer of Code Events.

593
01:05:30,000 --> 01:05:35,180
Christian: Seit 2013 hat das Betriebssystem einen eigenen Paketmanager, das bedeutet Updates und neue

594
01:05:35,240 --> 01:05:39,380
Christian: Software könnt ihr leicht per Mausklick in der Oukui installieren, das ist recht komfortabel.

595
01:05:40,060 --> 01:05:45,400
Christian: Und auch moderne Anwendungsprogramme wie Firefox oder LibreOffice wurden für Haiku portiert.

596
01:05:46,020 --> 01:05:49,340
Christian: Alte Anwendungen, die ihr vielleicht noch aus der Zeit habt, könnt ihr meistens einfach

597
01:05:49,460 --> 01:05:54,720
Christian: weiterverwenden und seit einiger Zeit gibt es sogar einen 64-Bit Intel- und AMD-Port

598
01:05:54,720 --> 01:05:59,040
Christian: und sogar eine ARM-Variante. Generell ist der Desktop aufgeräumt und recht schlank,

599
01:05:59,180 --> 01:06:01,600
Christian: und auch das Bedienkonzept finde ich recht spannend,

600
01:06:01,990 --> 01:06:04,320
Christian: denn man kann Anwendungen in Tabs anordnen.

601
01:06:04,560 --> 01:06:09,060
Christian: Geht so ein kleines bisschen in so einer Tiling-Window-Manager-Ecke vielleicht,

602
01:06:09,290 --> 01:06:09,840
Christian: wenn man das möchte.

603
01:06:10,690 --> 01:06:12,880
Christian: Und ich habe das hier auf ein, zwei älteren Thinkpads

604
01:06:12,910 --> 01:06:14,280
Christian: und die laufen erstaunlich gut damit.

605
01:06:14,680 --> 01:06:17,080
Christian: Also begnügt sich wirklich mit wenig Ressourcen

606
01:06:18,060 --> 01:06:22,020
Christian: und ist deshalb auch eine Wahl, wenn ich ältere Gerätschaften verwenden möchte.

607
01:06:22,820 --> 01:06:26,640
Christian: Kurz aus dem Handbuch zitiert, ihr braucht mindestens 384 MB RAM,

608
01:06:27,480 --> 01:06:32,540
Christian: Empfehlenswert sind 1,5 GB Festplatte und eine Grafikkarte, die VESA unterstützt.

609
01:06:33,180 --> 01:06:35,380
Christian: Wenn man richtig Spaß mit dem Betriebssystem haben möchte,

610
01:06:35,540 --> 01:06:40,600
Christian: sollte es aber mindestens ein Pentium 4 mit 512 mAh sein und 3 GB Festplatte sollten ausreichen.

611
01:06:41,600 --> 01:06:43,840
Christian: Das nächste Nischenbetriebssystem ist ReactOS.

612
01:06:44,420 --> 01:06:49,580
Christian: Das wird seit 1996 entwickelt und ist als freies Betriebssystem gedacht,

613
01:06:49,800 --> 01:06:52,600
Christian: das zu Windows NT binär kompatibel sein soll.

614
01:06:53,180 --> 01:06:55,320
Christian: Ist inzwischen also auch stolze 30 Jahre alt.

615
01:06:55,420 --> 01:07:13,420
Christian: Das Projekt hieß früher mal FreeWin95 und hatte einen anderen Fokus, sollte nämlich eine quelloffene Alternative zu Windows 95 werden. Da hat man aber gemerkt, das ist vielleicht gar nicht so lohnenswertes Ziel und wenig Leute am Anfang konnten wenig bewirken und irgendwann wurde der Fokus des Projekts neu ausgerichtet.

616
01:07:13,940 --> 01:07:33,180
Christian: Und jetzt ist es eben ReactOS. Das hat auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Wine-Projekt, was ja ein Windows-Emulator oder API-Emulator für Linux und Unix ist. Die meiste Entwicklung für ReactOS dürfte aber über Reverse-Engineering zustande kommen. Und das braucht dann eben seine Zeit, deswegen gibt es das Projekt auch schon so lange.

617
01:07:34,040 --> 01:07:39,000
Christian: Interessant ist auch, dass der Netzwerkkode in Teilen von dem FreeBSD-Projekt stammt.

618
01:07:39,660 --> 01:07:45,420
Christian: Wenn man sich jetzt ReactOS so anguckt, dann erinnert das optisch sehr stark an Windows 2000 und XP.

619
01:07:45,900 --> 01:07:52,500
Christian: Nur die GTK-Symbole, die man vielleicht auch aus dem Nome-Desktop kennt, die verraten dann die Herkunft, dass es nämlich kein echtes Windows ist.

620
01:07:53,520 --> 01:07:58,980
Christian: Ich schaue da immer mal wieder rein. Das meiste Spannende passiert aber eigentlich eher unter der Haube.

621
01:07:59,140 --> 01:08:09,440
Christian: Das heißt, optisch sieht das unspektakulär aus, aber in den neuen Versionen gibt es immer neue RP-Calls, Kernel, Funktionen und Treiber, die dann nachgearbeitet und verbessert werden.

622
01:08:10,120 --> 01:08:13,280
Christian: Das Projekt zählt immer noch zu den Alpha-Projekten.

623
01:08:13,480 --> 01:08:19,720
Christian: Die letzte Version 0.4.15, die stammt vom März 2025, wird also immer noch weiterentwickelt.

624
01:08:20,200 --> 01:08:26,500
Christian: Ich denke, das ist weniger für den täglichen Betrieb geeignet, aber es lässt sich schon erstaunlich viel Software damit betreiben.

625
01:08:27,220 --> 01:08:36,140
Christian: Könnt ihr mal auf der Webseite vorbeischauen, da kann man teilweise Office-Pakete von vor zehn Jahren mittlerweile fehlerfrei drauf betreiben, was eben auch unter anderem an der guten Zusammenarbeit mit Wine liegt.

626
01:08:36,880 --> 01:08:42,060
Christian: Und wenn ihr mal ein Windows ohne Windows haben wollt, dann wäre das mal ein Projekt, das man sich anschauen könnte.

627
01:08:42,819 --> 01:08:52,540
Christian: Das letzte spannende Betriebssystem, das ich mitgebracht habe, heißt Colibri OS und das ist ein kleines In-Assembler geschriebenes Betriebssystem für x86 CPUs ab der Pentium-Klasse.

628
01:08:53,380 --> 01:08:56,580
Christian: Das heißt also wirklich auch alte Rechner können sich damit noch booten lassen.

629
01:08:57,190 --> 01:09:03,060
Christian: Das wird seit 2004 entwickelt und basiert auf dem früheren Menuet OS Projekt, das mittlerweile eingestellt wurde.

630
01:09:03,650 --> 01:09:07,859
Christian: Und Colibri OS kommt mit einem vollwertigen Desktop mit Anwendungssoftware.

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01:09:08,029 --> 01:09:14,080
Christian: Da gibt es einen Webbrowser, Texteditoren, eine Kommandozeile und 30 einfache Spiele und Tag-Demos.

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Christian: Und sogar Treiber für einige Sound-, Netzwerk- und Grafikkarten.

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01:09:18,440 --> 01:09:22,560
Christian: Das heißt, wenn man da mal guckt, welche Treiber enthalten sind, das kann man auch auf echter Hardware verwenden.

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Christian: und hat dann wirklich ein minimalistisches Betriebssystem, das wenig Ressourcen braucht.

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Christian: Colibri OS kann Windows- und Dienungsdateisysteme lesen und benötigt nur knapp 12 MP RAM

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01:09:33,480 --> 01:09:36,220
Christian: und läuft wirklich erstaunlich flüssig dafür.

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01:09:36,220 --> 01:09:43,440
Christian: Die aktuelle Version ist vom September 2025 und das Projekt wurde auch zum Google Summer of Code 2026 zugelassen.

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01:09:43,440 --> 01:09:49,600
Christian: Also durchaus ein Special-Interest-Projekt würde ich es mal nennen, das aber aktiv weiterentwickelt wird

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Christian: und wo auch andere Leute eine gewisse Notwendigkeit drin sehen.

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01:09:53,339 --> 01:09:55,820
Christian: Auch dieses Projekt ist unbedingt mal einen Blick wert.

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Christian: Fassen wir mal zusammen: Wie so oft ist die Auswahl größer als einem lieb sein dürfte.

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Christian: Neben zeitgenössischer Museumssoftware kommen auch neuere Betriebssysteme durchaus für ältere

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Christian: Hardware in Frage. Vor allen Dingen Linux und eine sinnvolle Softwareauswahl können euch dabei helfen,

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Christian: alte Hardware länger einzusetzen. Bei den Nischen Betriebssystemen haben wir wirklich

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Christian: nur an der Oberfläche gekratzt, da gibt's noch viel mehr zu entdecken. Bin mir sicher,

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01:10:19,030 --> 01:10:21,940
Christian: ihr habt da vielleicht auch das ein oder andere Betriebssystem schon mal gesehen.

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01:10:22,180 --> 01:10:27,180
Christian: das man hier hätte noch erwähnen können, aber dann wäre das eine bedeutend längere Episode geworden.

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Christian: Abschließend würde mich natürlich interessieren, liebe Zuhörende, was ist denn euer Go-To-Betriebssystem?

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01:10:33,040 --> 01:10:35,260
Christian: Nutzt ihr auf euren Geräten eher alte oder neue Software?

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01:10:36,260 --> 01:10:38,420
Christian: Könnt ihr ja gerne mal als Feedback dalassen.

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01:10:39,060 --> 01:10:43,380
Christian: Vielleicht gibt es ja auch das ein oder andere Projekt, das hier komplett gefehlt hat, das ihr weiterempfehlen wollt.

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01:10:43,520 --> 01:10:45,300
Christian: Auch dann freue ich mich über Ideen.

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01:10:46,200 --> 01:10:47,640
Christian: Generell ist mir Feedback wichtig.

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01:10:47,880 --> 01:10:55,460
Christian: Das heißt, wenn ihr konstruktive Kritik oder Feedback habt, dann erreicht ihr mich am zuverlässigsten per E-Mail an podcast.thinkpad-museum.de.

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01:10:56,420 --> 01:10:58,680
Christian: Ich freue mich über Bewertungen über den Podcatcher eurer Wahl.

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01:10:59,300 --> 01:11:04,540
Christian: Folgt gerne mal bei Mastodon rein, da gibt es das Ganze hier auf podcast.social unter dem Handel Thinkpad Museum.

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01:11:05,400 --> 01:11:08,460
Christian: Und auf der Webseite findet ihr auch eine Matrix-Community.

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01:11:09,200 --> 01:11:10,660
Christian: Für heute soll es das aber mal gewesen sein.

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01:11:11,060 --> 01:11:13,580
Christian: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zu einer der nächsten Episoden.

